Kaum eine Aktie wird derzeit so heiß gehandelt wie die Papiere der
Commerzbank. Nach dem anhaltenden Kursverfall im laufenden Jahr sind die Papiere optisch billig. Zeit für einen Analysten- und Chart-Check.
Commerzbank
Börsenwert
11.658,62 Mio €
Veränd. z. Vortag
-0,97 %
Mehr zum Thema
Die
Commerzbank verbuchte in dieser Woche einen ersten, wenn auch noch sehr kleinen Erfolg. Zur Stärkung ihrer Kapitalstruktur kauften die Frankfurter Hybridanleihen im Nominalvolumen von 1,27 Mrd. Euro zurück und nahmen dafür nur 643 Mio. Euro in die Hand. Daraus ergab sich ein einmaliger positiver Ergebniseffekt von 700 Mio. Euro. Der Rückkauf ist der zweite konkrete Schritt, den die
Commerzbank angeht, um ihr 5,3 Mrd. Euro großes Kapitalloch zu stopfen. Diese Lücke hatte ihr die Europäische Bankenaufsicht EBA bescheinigt. Vor rund einem Monat wurde vom Vorstand bereits beschlossen, die Neuvergabe von Krediten zu reduzieren und damit die Bilanzrisiken um rund 30 Mrd. Euro zu senken. Mit der Maßnahme bräuchte die
Commerzbank knapp drei Mrd. Euro weniger hartes Eigenkapital. Ein drittes Hilfspaket vom Staat ist derzeit aber wohl kein Thema. "Die Regierung hat sehr deutlich gemacht, und wir auch, dass wir in regulären Gesprächen miteinander sind. Aber wir verhandeln nicht über ein Staatshilfe-Paket", sagte Vorstandschef Martin Blessing gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Analysten äußerten sich nach dem besser als erhofft verlaufenden Rückkauf der Anleihen verhalten zuversichtlich. Die Experten von Kepler bestätigten ihr Votum für die Aktien mit „Hold“ und einem Kursziel von 2,50 Euro. Nach Meinung von Analyst Dirk Becker sollten Anleger die Papiere aber weiter meiden, vor allem wegen der nach wie vor ungelösten Kapitalfrage. Denn die Herausforderungen für die Bank bleiben immens. Auf der Bilanz lastet vor allem der verlustreiche Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo, der milliardenschwere Anleihen der Euro-Schuldenländer hält.
Rettung durch den SoFFin?
Als Zünglein an der Waage könnte sich nun die Wiederbelebung des Bankenrettungsfonds SoFFin erweisen. Der Gesetzesentwurf ermöglicht es, dass große Teile der Eurohypo-Papiere in eine „Bad Bank“ ausgelagert werden. Sollte es dazu kommen, dürfte der Kurs entsprechend dynamisch nach oben schießen. Da aber vollkommen unklar ist, ob Berlin und die
Commerzbank sich einig werden und zu welchen Konditionen, sind Spekulationen mit der Commerzbank-Aktie ein Spiel mit dem Feuer. Dies gilt auch für Trades auf der Shortseite. „Die Aktie sei jedoch auch schon zu günstig, um auf fallende Kurse zu wetten“, meint Kepler-Experte Dirk Becker.
Goldman senkt den Daumen
Goldman Sachs meldete sich mit einer neuen Studie zur Wochenmitte ebenfalls zu Wort und sieht die Aktie derzeit als Halteposition. Das Kursziel wurde aber deutlich von 2,30 auf 1,70 Euro nach unten genommen. Dank der jüngsten Liquiditätsmaßnahmen der Fed sei für eine stabile Refinanzierung der europäischen Banken gesorgt. Dennoch wurde die Gewinnschätzung für die Coba-Aktie für 2012 um gut zehn Prozent auf 0,24 Euro reduziert. BÖRSE ONLINE ist sogar noch skeptischer für die Gewinnentwicklung gestimmt und rechnet nach 0,32 Euro in 2010 für das laufende Jahr mit 0,05 und 2012 mit 0,07 Euro.
Ganz andere Töne kommen von Equinet. Analyst Philipp Häßler verwies ebenfalls auf die überraschend erfolgreichen Rückkauf der Hybridanleihen. Die Einschätzung mit Kaufen wurde ebenso wie das Kursziel von 2,20 Euro bestätigt.
Quelle: Bloomberg
Auf Basis der Daten von Bloomberg liegt der durchschnittliche Zwölf-Monats-Zielkurs bei 2,13 Euro. Unter dem Strich waren in den vergangenen vier Wochen 27 Prozent der Studien zur Commerzbank-Aktien Kaufempfehlungen. 35 Prozent sehen die Papiere aktuell als eine Halteposition, die Mehrheit von 38 Prozent würde die Aktien weiterhin verkaufen.
Seite 2: Doppeltief möglich, mehr auch nicht
Empfehlen