Der Gewinn des Online-Einzelhändlers ist zwar kräftig gestiegen, blieb aber deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Aktie stürzte nachbörslich zweistellig ab.
Amazon.Com
beobachten
Risiko
hoch
WKN
906866
Aktueller Kurs
168,00 €
Kurs Erscheinungstag
84,25 €
Ziel
95 €
Stopp
78,90 €
Veränd. z. Vortag
-0,73 %
Mehr zum Thema
Money-Management
Mit dem Money-Management-Tool von BÖRSE ONLINE handeln Sie wie Profis.
Der für den Börsenerfolg entscheidende Kapitaleinsatz wird blitzschnell
berechnet.
Der Online-Einzelhändler Amazon hat im zweiten Quartal weniger verdient als erwartet und damit die Anleger enttäuscht. Der Kurs der Amazon-Aktie stürzte nachbörslich um 14 Prozent ab. Vor allem der Anstieg bei den operativen Kosten um 40 Prozent beunruhigte.
Für das zu Ende gegangene Vierteljahr wies das Unternehmen gegenüber dem Vorjahresquartal zwar einen um 45 Prozent auf 207 Mio. Dollar gestiegenen Nettogewinn aus. Das entsprach einem Gewinn je Aktie von 45 Cent. Von Thomson Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn je Aktie von 54 Cent gerechnet. Der Umsatz stieg um 41 Prozent auf 6,57 Mrd. Dollar und lag damit leicht über den Erwartungen der Wall Street.
Beflügelt von der Begeisterung über sein Lesegerät Kindle war der Amazon-Gewinn in den beiden vorangegangenen Quartalen explodiert, Analysten hatten jedoch die Sorge geäußert, der Schwung könne nachlassen. Angesichts der Konkurrenz des iPad von Apple und des preiswerteren Nook von Barnes & Noble geriet Amazon zuletzt unter Druck und senkte den Preis für den Kindle.
Starke Konkurrenz durch das iPad
Amazon bezeichnet den 2007 eingeführten E-Book-Reader Kindle stets als sein erfolgreichstes Produkt - genaue Absatzzahlen rückt der Onlinehändler jedoch nicht heraus. Den Marktforschern von Caris & Co. zufolge wird das Unternehmen in diesem Jahr 3,7 Millionen Exemplare verkaufen. Amazon leidet jedoch wie auch der konkurrierende US-Buchhändler Barnes & Noble und der chinesische E-Book-Pionier Hanvon unter der Konkurrenz des iPad. Der US-Technologiekonzern setzte allein im abgelaufenen Quartal 3,27 Millionen seiner Tablet-Rechner ab.
Apple-Chef Steve Jobs zufolge sind E-Book-Reader durch das iPad überflüssig geworden. Die Marktforscher von iSuppli sind anderer Meinung: Sie rechnen mit einem Absatz von weltweit elf Millionen der elektronischen Lesegeräte in diesem und 15 Millionen im nächsten Jahr. Allerdings sahen sich Amazon sowie Barnes & Noble Ende Juni zu Preissenkungen gezwungen, um den Absatz hochzuhalten. Laut iSuppli verdienen die beiden Unternehmen an der Hardware da facto kein Geld mehr. Das Geschäftsmodell ist nun einzig und allein darauf ausgerichtet, am Download von Büchern zu verdienen. Erst am Dienstag verkündete Amazon, dass das Unternehmen in den USA inzwischen mehr elektronische als gebundene Bücher verkauft. Die Nachricht kam wenige Stunden vor der Quartalsbilanz von Apple.
Amazon hat sowohl die Buch- als auch die Musikbranche durcheinandergewirbelt und liefert sich in beiden Segmenten ein Gefecht mit Apple. Anfang Juli gab der Online-Versandhändler für Deutschland den Einstieg ins Lebensmittelgeschäft bekannt. Ein schwieriges Geschäft: Die Infrastruktur rund um den Versand - von der Lagerung bis zum Transport - kostet Geld. Je dünner besiedelt eine Region ist, desto weniger lohnt sich der Aufwand. Der Wettbewerb in der Branche ist hierzulande ohnehin extrem hart, die Gewinnmargen sind niedrig - und die Deutschen berühmt für ihre Preissensibilität.
Empfehlen