Das Gebot entspricht einem Aufschlag von 84 Prozent auf den letzten Schlußkurs der Aktie. Medikamente gegen Hepatitis C gelten in der Branche als künftige Kassenschlager. Insgesamt hat die Übernahme einen Wert von 885 Mio. Dollar, wenn die Barreserven von Zymogenetics berücksichtigt werden.
Der Zukauf folgt der aktuellen Branchenlogik: Weil lukrative Patente auslaufen, sich die Konkurrenz durch Generika verstärkt und es zugleich an neuen Produkten in der eigenen Forschungspipeline mangelt, suchen die klassischen Pharmakonzerne nach neuen Erlösquellen. Biotechunternehmen werden zum Ziel von Zukäufen. Ihre Produkte gelten als Wachstumsmarkt und sind zudem deutlich schwerer zu kopieren. Die Biotechfirmen sind dagegen häufig auf die Finanzkraft großer Konzerne angewiesen, um ihre Medikamente bis zur Marktreife zu entwickeln. Allein amerikanische Pharmaunternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten 200 Übernahmen abgeschlossen oder angekündigt. Der durchschnittliche Wert der Zukäufe beläuft sich laut Bloomberg-Daten auf 1,33 Mrd. Dollar.
Der bislang spektakulärste Übernahmeversuch dieser Art ist das Gefecht zwischen dem französischen Pharmariesen
Sanofi-Aventis und dem US-Biotechkonzern Genzyme. Sanofi-Aventis-Vorstandschef Chris Viehbacher soll laut dem „Wall Street Journal“ bei einem Besuch in New York am Dienstag erneut das Genzyme-Management angegriffen haben, weil das Unternehmen nicht auf die 18,5-Mrd.-Dollar-Offerte der Franzosen eingehen will.
Sanofi-Aventis bietet aktuell 69 Dollar pro Aktie.
Bristol-Myers Squibb ist mit jährlichen Einnahmen von zuletzt 18 Mrd. Dollar der kleinste der großen Pharmakonzerne und erzielt weniger als ein Drittel des Umsatzes von Marktführer
Johnson & Johnson. Der Konzern treibt seine eigene Umstrukturierung besonders energisch voran, um dem Verlust der Exklusivität des Blutgerinnungshemmers Plavix entgegenzuwirken.
Das Management spaltet Geschäftsbereiche ab und verkaufte Sparten, um die Kriegskasse für Übernahmen zu füllen. Im Dezember hatte sich Bristol für 3 Mrd. Dollar von seiner Tochter Mead Johnson Nutrition getrennt. Dafür übernahm Bristol für 2,4 Mrd. Dollar den Biopharmaspezialisten Medarex.
Den Aktionären von Zymogenetics bietet Bristol 9,75 Dollar pro Aktie. Das entspricht einer Übernahmeprämie von 84 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Dienstag. Deutlich mehr als der aktuelle Durchschnitt für Übernahmen dieser Art in Höhe von 27 Prozent. Die Zymogenetics-Aktie schoss am Mittwoch zunächst um 83 Prozent in die Höhe, auch Bristol-Myers legte zu.
Die Gewinne des Konzerns dürften in diesem und im kommenden Jahr sinken. Zymogenetics schreibt seit 1999 Verluste. Dies ist eine strategische Übernahme, betonte Bristol-Myers-Vorstandschef Lamberto Andreotti. Bislang kooperierten beide Unternehmen bei der Entwicklung von Hepatitis-C-Medikamenten. Im Januar 2009 hatten sie ein gemeinsames Forschungsprogramm von 1,1 Mrd. Dollar aufgelegt.
Novo Nordisk, weltgrößter Insulinproduzent, hielt bislang 26 Prozent der Anteile an Zymogenetics und hat laut einer Mitteilung beider Unternehmen dem Verkauf seines Aktienpakets bereits zugestimmt.
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