Fiat-Chef Marchionne hat wenig Illusionen zur Zukunft der beiden Autobauer: Nur gemeinsam und nur bei deutlich größerem Absatz als heute sind sie profitabel. Beide Unternehmen sollen in Kürze ein gemeinsames Management bekommen.
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Der italienische Autobauer Fiat schafft die Voraussetzungen für eine Komplettübernahme von Chrysler. Sergio Marchionne, der beide Unternehmen führt, kündigte an, in den kommenden Tagen eine gemeinsame Management-Struktur für
Fiat und Chrysler vorzulegen. Noch in diesem Jahr wollen die Italiener ihren eigenen Anteil am US-Autobauer von derzeit 53,5 auf 58,5 Prozent anheben.
Gemeinsam mit Chrysler hofft Marchionne, die Zukunft von Fiat als einer der großen Weltkonzerne der Automobilindustrie sichern zu können. Der Fiat-Chef geht davon aus, dass sich die Kosten für Einkauf, Entwicklung und Vertrieb in Zukunft nur noch decken lassen, wenn sie auf sechs Millionen Autos umgelegt werden können. Die Marken von Fiat und Chrysler kommen derzeit zusammen auf gut drei Millionen pro Jahr.
Marchionne verkündete ein gestiegenes Quartalsergebnis und einen positiven Ausblick - doch unter Fiats Investoren überwiegen die Zweifel. Im Quartalsgewinn von 1,27 Mrd. Euro steckt ein Einmaleffekt von 1,06 Mrd. Euro aus der Konsolidierung von Chrysler. Zudem drückten die Rückzahlung von Darlehen an die US-Regierung Chryslers Ergebnis in die roten Zahlen. Ohne die Rückzahlung von umgerechnet fast 400 Mio. Euro hätte Chrysler einen Gewinn von 110 Mio. Euro erzielt. Die Fiat-Aktie fiel um 4,5 Prozent auf 7,17 Euro.
Seit dem 1. Juni wird Chrysler in der Bilanz von Fiat voll konsolidiert. Vor Steuern, Zinsen und Einmalzahlungen werde man in diesem Jahr 2,1 Mrd. Euro verdienen, kündigte Fiat an. Der Umsatz soll in diesem Jahr zunächst auf 58 Mrd. Euro und dann bis 2014 weiter auf rund 100 Mrd. Euro gesteigert werden.
Nach dem Einstieg bei Chrysler im Sommer 2009 hatte Marchionne zunächst angekündigt, den US-Autobauer nach dessen Insolvenzverfahren sanieren und zurück an die Börse führen zu wollen. "Womöglich braucht Marchionne gar keinen Börsengang mehr", hieß es nun am Dienstag aus Konzernkreisen. Stattdessen halten Branchenkenner es für möglich, dass Fiat die übrigen 41,5 Prozent der Chrysler-Anteile selbst kaufen und die beiden Hersteller damit komplett verschmelzen könnten. "Die Geschäftsmodelle von Fiat und Chrysler sind unwiderruflich verknüpft", heißt es in einem Analystenreport von
Goldman Sachs. "Wir halten daher einen Merger für den logischen nächsten Schritt."
Hinzu kommt, dass Chrysler für die kommenden Jahre deutlich mehr Potenzial für Wachstum verspricht als Fiat und mit den größeren SUV- und Pick-up-Modellen auch höhere Margen pro Auto erwirtschaften kann. In der ersten Jahreshälfte konnte Chrysler den Umsatz um 21 Prozent steigern, Fiat musste einen Rückgang um 12,7 Prozent melden.
Weiterhin schwer belastet wird Fiat durch die hohe Verschuldung, die auch als größtes Hindernis für eine mögliche Komplettübernahme von Chrysler gilt. Die Ratingagenturen Moody's und Fitch haben bereits mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht.
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