Wie schön, wenn man Erfolg hat und darüber spricht. Audi-Chef Rupert Stadler kann kurz vor den Feiertagen verkünden: Sein Unternehmen wird in diesem Jahr erstmals Mercedes bei der Zahl der verkauften Autos überholen.
"An diesem Fakt ist nicht mehr zu rütteln", sagte Stadler dem "Handelsblatt". In den ersten elf Monaten des Jahres setzte die VW-Tochter 1,19 Millionen Autos ab -
Mercedes kam auf 1,14 Millionen Fahrzeuge. Spitzenreiter in der Premiumklasse bleibt unangefochten
BMW: Seit Januar verkaufte Audis bayerischer Rivale 1,51 Millionen Fahrzeuge.
Noch sind die Münchner weit vorn, die Ingolstädter holen aber auf. Mit dem Erfolg empfiehlt sich Stadler als künftiger
VW-Chef und Nachfolger von Martin Winterkorn, dessen Vertrag 2015 endet. Branchenbeobachter halten Stadler zugute, dass er einst Büroleiter bei VW-Patriarch Ferdinand Piëch war, als dieser den Vorstandsvorsitz in Wolfsburg inne hatte. Stadler und Piëch hätten einen guten Draht zueinander, heißt es. Der mächtige Auto-Patriarch und VW-Aufsichtsratschef ist die entscheidende Instanz bei der Besetzung des künftigen Chefpostens des VW-Konzerns.
Doch ob Stadler es wirklich auf den Chefsessel in Wolfsburg schafft, ist nicht nur wegen der langen Zeitspanne bis zu einem Führungswechsel unsicher. Als großes Manko gilt bei Branchenbeobachtern, dass er kein Ingenieur ist, sondern ein Betriebswirt. Denn traditionell wird
VW von einem Ingenieur geführt - jemandem also, der ein Technik-Experte durch und durch ist. Piëch etwa verdiente sich einst den Spitznamen "Fugen-Ferdl" damit, dass er penibel auf möglichst kleine Zwischenräume bei Kofferraumklappen und Türen achtete.
Und auch Winterkorn äußerte sich schon mal dazu, was sein Nachfolger als Voraussetzung mitbringen müsse - vor allem eine Ingenieursausbildung. Ein Car-Guy müsse es sein, einer, der Benzin im Blut habe, einer wie er - und natürlich wie Piëch, ist im Buch "Antrieb für die Zukunft. Wie
VW und
Toyota um die Pole-Position ringen" zu lesen.
Ob Ingenieur oder nicht - die wichtigste Frage dürfte sein, wie Stadlers Bilanz bei Audi am Ende ausfällt. Im Moment ist sie - trotz der glänzenden Zahlen - gemischt.
Einerseits sei ein Urteil überwiegend positiv, sagt Professor Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Der Audi-Chef habe ernorme Verkaufserfolge der Marke generiert. "Gerade bei der jungen Generation steht das Image von Audi heute besser da als vor einigen Jahren."
Allerdings sei der Autobaer unter Stadler beim Thema Innovation hinter die anderen beiden Premium-Wettbewerber
BMW und Mercedes zurückgefallen. Während die Marke aus Ingolstadt früher mit der Quattro-Technik oder mit Alu-Karosserien Standards setze, falle Audi als Trendsetter derzeit zurück. "Wir haben in der Autoindustrie, etwa mit umweltfreundlicheren Technologien, gerade einen Paradigmenwechsel - da darf man nicht hintan stehen."
Dennoch - dass die Ingolstädter nun ausgerechnet Mercedes überholen, ist bemerkenswert. Denn jahrzehntelang waren die Schwaben die unumstrittene Nummer eins unter Deutschlands Oberklasseherstellern, seit der Jahrtausendwende wandelte sich das Bild. Das durchschnittliche Wachstum betrug bei Audi in der vergangenen Dekade jährlich 6,4 Prozent, errechneten Experten der
Credit Suisse dem Bericht zufolge in einer aktuellen Studie.
BMW legte um 4,7 Prozent zu, Mercedes nur um 1,5 Prozent.
Grund ist vor allem die Dominanz von Audi in China. In der Volksrepublik steigerte der Hersteller allein im November den Absatz um 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dass es in dem asiatischen Land so gut läuft, stärkt allerdings auch einen der mehreren Rivalen Stadlers im Rennen um den Chefposten bei
VW. VW-China-Chef Karl-Thomas Neumann werden ebenfalls Chancen auf die Winterkorn-Nachfolge eingeräumt.
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