Der Einstieg der arabischen Fluggesellschaft beim krisengeschüttelten SDAX-Unternehmen sorgt in der Branche für Furore. Können beide Seiten voneinander profitieren?
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Mit Etihad beteiligt sich erstmals eine kapitalkräftige Golf-Airline an einer ausländischen Fluglinie. Doch was bringt der Schritt den beiden Gesellschaften, die sehr unterschiedliche Strategien haben? Air Berlin auf jeden Fall eines: Geld. Die Finanzspritze vom neuen Partner verschafft Deutschlands zweitgrößter Fluglinie mehr Zeit für den Umbau des Geschäfts. Die Vorteile für Etihad liegen nach Ansicht von Experten weniger klar auf der Hand. "Wir sehen das als irrationale Handlung einer finanziell sehr gut ausgestatteten Fluglinie, die global expandieren will", sagt Analyst Andrew Lobbenberg von der britischen Bank RBS.
Viel gemeinsam haben die beiden Fluglinien nicht. Während Air Berlin lange vor allem als "Mallorca-Shuttle" bekannt war und erst seit wenigen Jahren auch um Geschäftsreisende wirbt, will Etihad vom Golf-Emirat Abu Dhabi aus die Welt erobern. Nagelneue Flugzeuge, noble Vielflieger-Lounges und teure Sponsoring-Verträge wie beim englischen Fußballclub Manchester City untermauern den Anspruch. Zwischen den beiden Fluglinien liegen Welten, merkt Lobbenberg an. "Die Produkte und die Markenpositionen sind nicht miteinander kompatibel."
Ende der Solo-Strategie
Mit dem Kauf von knapp 30 Prozent an Air Berlin verblüffte Etihad die gesamte Branche. Angesichts des starken Wachstums hielt es bislang kein Manager einer der Golf-Gesellschaften für nötig, bei anderen direkt einzusteigen. Etihad hofft nun, möglichst viele Fluggäste aus Deutschland an seinen Umsteige-Airport nach Abu Dhabi zu lotsen - Air Berlin nimmt schon Mitte Januar die Flüge dorthin auf. Doch schließen Experten nicht aus, dass die Araber in Deutschland noch mehr vorhaben. Etihad könnte bestrebt sein, an einem großen Air-Berlin-Flughafen ein zweites Drehkreuz neben Abu Dhabi aufzuziehen und von dort Europa, Nord- und Südamerika sowie Nordafrika anzufliegen, sagt der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der vor Jahren einige Airlines an Air Berlin verkaufte. "Das wäre wirklich eine langfristige Strategie und für die etablierten europäischen Airlines eine ernste Bedrohung."
Insbesondere für die Lufthansa könnte es dann bald schwierig werden. Der europäische Branchenprimus müsse darauf rechtzeitig reagieren und "neue und zukunftsträchtige Märkte" erschließen", sagt Wöhrl. Ob die Lufthansa dazu wirklich die Kraft hat, ist fraglich. Derzeit schaut es eher nach dem Gegenteil aus: Angesichts der schwierigen Weltwirtschaftslage bereitet der Konzern eine großangelegtes Sparprogramm vor.
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