Bei der angeschlagenen Beteiligungsgesellschaft
Arques reißt Ex-Chef Peter Löw die Macht an sich. Der Arques-Mitgründer sowie seine Vertrauten Michael Judis und Hubertus von Hohenlohe-Langenburg wurden auf der Hauptversammlung am Donnerstag in den Aufsichtsrat gewählt. Alle drei hatten sich während des Treffens erst aufstellen lassen. Die völlig überrumpelten Vorstände Hans-Gisbert Ulmke und Michael Hütten wurden nicht entlastet. Nach FTD-Informationen sollen sie nun abgesetzt werden.
Mit seinem beispiellosen Coup verschafft sich Löw vor allem die Kontrolle über den Telefonhersteller Gigaset, Arques' wertvollster Beteiligung. Vertrauten zufolge will er den bereits gestarteten Verkauf von Gigaset schnell abblasen. Während des Aktionärstreffens äußerte Löw Befürchtungen,
Arques könnte Europas Marktführer bei Schnurlostelefonen viel zu billig losschlagen. Die gut 50 Mio. Euro, die als Erlös im Gespräch sind, findet Löw einen "Schleuderpreis". Gigaset rechnet für 2010 mit einem operativen Gewinn von 45 Mio. Euro und über 500 Mio. Euro Umsatz.
Dass die Aktionäre ausgerechnet Löw zum Retter von
Arques erheben, wirkt absurd. Löw hatte
Arques 2002 gegründet und mit einer Serie von Akquisitionen zu einem Milliardenunternehmen aufgepumpt. Dass er 2007 hinwarf und für insgesamt 100 Mio. Euro alle Aktien verkaufte, sorgte für großen Ärger. Seither war Löw bei
Arques nicht mehr aufgetaucht. Stattdessen warb er reihenweise Mitarbeiter für seinen Restrukturierungsfonds Bluo ab.
Als der Arques-Kurs vor einigen Wochen im Handelsverlauf zeitweise nur noch 99 Cent betrug, schlug der Multimillionär zu und kaufte 232.000 Aktien - knapp ein Prozent des Grundkapitals. Zudem warb er bei anderen Aktionären offenbar erfolgreich für sich. Unter anderem zog er den mit 8,5 Prozent größten Aktionär, den US-Fonds Oppenheimer International, auf seine Seite - bei einer Präsenz von nur 20 Prozent ein entscheidender Schachzug.
Ulmke und Hütten leiteten
Arques erst seit 2009. Bei den Aufräumarbeiten in dem Firmenkonglomerat agierten sie jedoch vielfach glücklos. Für die IT-Großhandelsfirma Actebis zahlte ihnen der Finanzinvestor Droege nur 40 Mio. Euro. Kürzlich brachte Droege Actebis in eine Fusion mit der Schweizer Also ein zu einer Bewertung von 200 Mio. Euro.
Existenzbedrohlich wurde für
Arques der Streit mit
Siemens über deren Ex-Tochter Gigaset. Da Ulmke und Hütten den Konzern auflaufen ließen, überzog dieser
Arques mit Klagen. Erst vor Kurzem gab
Arques bekannt, dass man im Einvernehmen mit
Siemens über einen Weiterverkauf von Gigaset verhandle. Unter Löw beginnt dieses Kapitel nun von vorn. Wegen Arques' leerer Kassen erwägt Löw Finanzkreisen zufolge eine Kapitalerhöhung im zweistelligen Millionenbereich. Damit ließen sich auch die von
Siemens eingeklagten Forderungen von 35 Mio. Euro begleichen.
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