Insolvenzzocker hüpfen mal wieder auf den Böwe-Systec-Zug auf. Ein Investor aus der Schweiz übernimmt große Teile des noch verbliebenen Geschäfts des Augsburger Kuvertieranlagenspezialisten.
Boewe Systec
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Nichts für schwache Nerven war der Kursverlauf der Böwe-Systec-Aktie seit Bekanntgabe der Insolvenz Ende Mai 2010. Offenbar haben zuletzt aber immer mehr Investoren erkannt, dass wohl auch der Anteilschein von Böwe tendenziell eher die Südrichtung einschlagen wird. So hatte sich das Kursniveau bereits bei deutlich unterhalb der 1-Euro-Marke eingependelt. Nun aber geben die Zocker noch mal richtig Gas.
Eine große Überraschung ist der nun per 1. September gemeldete Verkauf der deutschen und europäischen Aktivitäten sowie das nichteuropäische Geschäft (außer USA) an die Beteiligungsgesellschaft Axentum Capital AG wahrlich nicht. Bereits Ende Juli hatten sich die Schweizer als heißester Anwärter für den Deal herauskristallisiert. „Wir haben mit Axentum in wesentlichen Punkten Einigkeit erzielt“, bestätigte Insolvenzverwalter Werner Schneider damals. Um es nochmals klar zu sagen: Für die Aktie von Böwe Systec ist der Verkauf ohne Bedeutung! Die neu gegründete Fortführungsgesellschaft ist kein Teil des Börsenmantels.
Offen ist nur noch, was mit den Aktivitäten in Amerika passieren wird. "Das bisherige Nordamerika-Geschäft ist zunächst nicht Bestandteil des Verkaufspakets. Axentum hat sich jedoch eine Option auf den Erwerb der Anteile von Böwe Bell Howell (BBH), der nordamerikanischen Tochter von Böwe Systec AG einräumen lassen", heißt es in der offiziellen Mitteilung. Zur Werthaltigkeit lassen sich hier allerdings zurzeit keine seriösen Aussagen treffen. Echten Ärger scheint nun jedoch das ehemalige Management von Böwe Systec zu bekommen. So sind gegen die Verantwortlichen aus Vorstand und Aufsichtsrat offenbar Klagen bezüglich der bewussten Insolvenzherbeiführung erhoben worden.
Im Prinzip geht es darum, dass die enge personelle Verbindung zu dem ebenfalls in die Pleite geschlitterten Großaktionär Wanderer eine der wesentlichen Ursachen für den Niedergang waren. Immerhin galt Böwe Systec in früheren Zeiten als solide Ertragsperle, die aber immer enorme Dividenden an ihre Mutter zahlen musste.

Böwe-Aktionäre mokieren sich ebenfalls darüber, dass sie mit dem Verkauf an Axentum vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Eine Hauptversammlung, die hierüber hätte entscheiden können, wurde vom Insolvenzverwalter offenbar aus Kostengründen als nicht opportun eingestuft. Zudem stößt es den Klägern bitter auf, dass die Gesellschaft zurzeit ohne Aufsichtsrat dasteht, nachdem die bisherigen Kontrolleure Ende August ihre Ämter niedergelegt hatten.
Neuigkeiten gibt es auch hinsichtlich des seit längerer Zeit von den Banken gehaltenen ehemaligen Wanderer-Aktienpakets an Böwe. So hat die Stadtsparkasse Augsburg mit Schreiben vom 20. August 2010 gemeldet, dass sie 83.000 Stück der an sie verpfändeten Böwe-Aktien verkauft hat und nun noch einen Anteil von 48,8 Prozent besitzt.
Hinter den Kulissen ist also mächtig was los bei Böwe Systec. Das Nachsehen werden aber auf jeden Fall die noch verbliebenen Aktionäre haben. Daran wird auch der heutige Freudensprung nichts ändern. Zurzeit hat die Börsenhülle von Böwe Systec einen Wert von 6,6 Mio. Euro – recht üppig für den kaum messbaren Gegenwert.
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