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Boni-Prozess Mehr als 100 Investmentbanker klagen gegen die Commerzbank

[09:50, 23.01.12]


Die  Commerzbank wird von der Vergangenheit eingeholt. In London beginnt heute der Prozess um ausstehende Boni. Die Forderungen belaufen sich auf rund 52 Mio. Euro.


Commerzbank
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hoch
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803200
Börsenwert
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Ein Wiedersehen macht nicht immer Freude. Irgendwann in den nächsten vier Wochen wird Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing in einem Londoner Gerichtssaal Stefan Jentzsch gegenüberstehen, dem ehemaligen Chef der Investmentbank Dresdner Kleinwort Benson. Wenn der Prozess am Mittwoch richtig beginnt, geht es für die Bank um viel Geld: 104 Investmentbanker fordern insgesamt 52 Millionen Euro an Bonuszahlungen von der Bank. Sie hätten ein Anrecht auf das Geld, meinen sie - schließlich habe es ihnen Jentzsch 2008 öffentlich versprochen. Das war vor der Übernahme der Dresdner Bank durch die  Commerzbank. Wenige Monate später strich Blessing 90 Prozent der Leistungsboni, nachdem Dresdner Kleinwort in der Finanzkrise einen Verlust von sechs Milliarden Euro verursacht hatte.

Auch 2011 sind hohe Banker-Boni in London ein Aufreger. Der konservative Premierminister David Cameron sagte am Donnerstag erst, die Sonderzahlungen in der britischen Finanzbranche seien in den vergangenen Jahren außer Kontrolle geraten. Die Kläger ficht das nicht an. Sie pochen auf das englische Vertragsrecht. Der Prozess dreht sich zunächst um die Frage, ob die Banker auf die mündliche Zusage von Jentzsch bauen konnten, der ihnen kurz vor der Übernahme einen mit 400 Millionen Euro gefüllten Bonus-Topf versprochen hatte.

Sechs Mrd. Verlust - welche Leistung?

Denn die britische Finanzaufsicht FSA hatte Alarm geschlagen: Sie fürchtete einen Exodus bei Dresdner Kleinwort, nachdem der damalige Eigentümer  Allianz die Dresdner Bank zum Verkauf gestellt hatte. Deshalb sollten die Banker mit Halteprämien geködert werden, weiter ihrer Arbeit nachzugehen, um den Betrieb der Investmentbank aufrecht zu erhalten. Einige Wochen nach Jentzschs Ankündigung flatterten ihnen Briefe ins Haus. Darin wurden einigen Bankern - den wichtigsten nach Ansicht des Managements - garantierte Boni zugesagt, bei anderen sollten sie aber auch an die persönliche Leistung und die der Bank gekoppelt werden. "Wir verstehen das als Zusage von Dresdner Kleinwort an unsere Klienten, ein Versprechen, das fraglos honoriert werden sollte", argumentiert Anwalt Clive Zietman von Stewarts Law, der Kanzlei, die die meisten Kläger vertritt.

Das hatte Blessing 2009 ganz anders gesehen, nachdem die Bank mit 18 Milliarden Euro vom Staat gerettet werden musste: Bei einem Milliardenverlust könne man von Leistung nicht reden, begründete er die Streichung des größten Teils der Boni. Und die Briefe seien nicht bindend gewesen. Von den 375 Millionen Euro Garantie-Boni wurden immerhin 152 Millionen Euro ausbezahlt, von den 120 Millionen Leistungszulagen ganze 25 Millionen. "Die  Commerzbank als Rechtsnachfolgerin der Dresdner Bank wird sich gegen die erhobenen Forderungen konsequent verteidigen", sagte eine Sprecherin. Den Antrag der  Commerzbank, die Klage der Banker gar nicht erst zuzulassen, hat der Court of Appeal im vergangenen Jahr allerdings zurückgewiesen.

Vorstandschef Martin Blessing im Zeugenstand

Die Kläger haben allein 20 Zeugen aufgeboten - unter ihnen Jentzsch -, die Bank fünf, einschließlich des Vorstandschefs. Für beide ist es ein Ausflug in die Vergangenheit. Jentzsch arbeitet heute bei der Investment-Boutique Perella Weinberg, Dresdner Kleinwort ist Geschichte, und die  Commerzbank dreht im Investmentbanking eher ein kleines Rad.

Dass der Streit in London ausgetragen wird, liegt daran, dass die meisten Investmentbanker dort angestellt waren. Für die Dresdner-Banker in Deutschland ist die Auseinandersetzung um die Boni längst ausgestanden - mit unterschiedlichem Ausgang. Das Top-Management von Dresdner Kleinwort hat seine garantierten Boni-Ansprüche vor den Arbeitsgerichten durchgesetzt, weil sie ihnen garantiert worden waren - teilweise in Millionenhöhe. Ein gutes Dutzend anderer Investmentbanker ist dagegen im Oktober vor dem Bundesarbeitsgericht in letzter Instanz gescheitert.


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Commerzbank DE0008032004 1,42 -0,97 %  Detailinformationen

 

© 2012 Reuters

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