Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten gehen auch an Deutschlands größtem Geldhaus nicht vorüber: Der Nettogewinn schrumpft im Vergleich zum Vorquartal deutlich auf 1,2 Mrd. Euro - immer noch mehr als erwartet. Bankchef Ackermann zeigt sich optimistisch.
Die
Deutsche Bank hat im zweiten Quartal 1,2 Mrd. Euro verdient und damit die Erwartungen übertroffen. Die Nettoerträge lagen bei 7,2 Mrd. Euro. In dem Ergebnis enthalten sind einige Sondereffekte, darunter eine Abschreibung auf ein Immobilienprojekt von 124 Mio. Euro und ein Plus von 101 Mio. Euro, das aus der Wertsteigerung eigener Verbindlichkeiten entstand.
Bankchef Josef Ackermann zeigte sich trotz der Turbulenzen an den Kapitalmärkten zuversichtlich. "Die globale wirtschaftliche Aktivität wird sich wahrscheinlich verstärken, und das neue Regelwerk nimmt Formen an. Das stellt uns vor Herausforderungen, aber auch Chancen." Im Kapitalmarktgeschäft gewinne die
Deutsche Bank Marktanteile.
Vom Datendienstleister Bloomberg befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Nettoergebnis von 1,05 Mrd. Euro gerechnet. Im ersten Vierteljahr hatte das Institut noch einen Reingewinn von 1,8 Mrd. Euro erwirtschaftet, vor Jahresfrist fiel unter dem Strich ein Plus von 1,07 Mrd. Euro an.
Das Geldhaus ist vergleichsweise gut durch die Krise gekommen und hatte in den vergangenen Quartalen vom Boom an den Kapitalmärkten profitiert. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Das Papier hat in diesem Jahr weniger als ein Prozent verloren - während der Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index, der 54 Titel abbildet, knapp vier Prozent einbüßte.
Sorgen um ein Zurückrutschen in die Rezession und die Schuldenkrise in Europa haben Anleger allerdings in den vergangenen Monaten enorm verunsichert. Auf den Kapitalmarkt ausgerichtete Geldhäuser bekommen dies in Form von niedrigeren Einnahmen etwa aus dem Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen zu spüren. Konkurrenten wie
Goldman Sachs und
Credit Suisse haben daher für das zweite Vierteljahr bereits deutliche Gewinneinbußen vermeldet.
Auch die
Deutsche Bank konnte sich dem Trend nicht entziehen. Im Investmentbanking schrumpften die Erträge auf 4,7 Mrd. Euro. Im Vorquartal waren noch 6,6 Mrd. Euro angefallen. Der Vorsteuergewinn der Sparte ging deutlich von 2,7 auf 1,3 Mrd. Euro zurück. Damit stand das Segment für rund 87 Prozent des konzernweiten Vorsteuerergebnisses - etwas weniger als im Vorquartal, aber immer noch ein enormer Wert.
Ackermann hat als Ziel ausgegeben, die Abhängigkeit des Instituts von dem sehr schwankungsanfälligen Segment zu verringern. So hat das Geldhaus etwa die Privatbank Sal. Oppenheim erworben, um das Geschäft mit sehr vermögenden Privatkunden zu stärken, und ist mit der Option auf eine Übernahme bei der im Massengeschäft starken
Postbank eingestiegen. Diese als stabil geltenden Sparten hatten zuletzt geschwächelt, konnten sich aber im zweiten Quartal etwas steigern.
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