Deutschlands größter börsennotierter Wohnungskonzern
Gagfah muss einen Gewinnrückgang hinnehmen und streicht seinen Aktionären erneut die Quartalsdividende. Die branchentypische Kennzahl für den operativen Gewinn, FFO, sank im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 42 Prozent auf 25,2 Mio. Euro, wie das Unternehmen am Firmensitz in Luxemburg am Montag mitteilte. Vorstandschef William Joseph Brennan erklärte den Rückgang mit der sinkenden Zahl an Wohnungen.
Gagfah verkauft immer wieder Immobilien an die eigenen Mieter. "Die Ergebnisse des dritten Quartals 2011 entsprechen unseren Erwartungen", sagte Brennan.
Der Kurs der Gagfah-Anteilsscheine liegt aber auch nach einem Aktienrückkaufprogramm noch um zwei Drittel unter dem von Gutachtern errechneten Wert der Immobilien (NAV) von 12,10 Euro je Aktie. Auf
Gagfah lastet die Unsicherheit über die anstehende milliardenschwere Refinanzierung der Verbindlichkeiten. Das werde auch in den nächsten Monaten noch im Mittelpunkt stehen, räumte die Firma im Quartalsbericht ein. Eigentlich wollte
Gagfah die Kredite noch 2011 verlängert haben. Ende September war der Großvermieter mit 5,5 Mrd. Euro verschuldet, Anfang 2011 waren es noch sechs Mrd. Euro.
Um mehr Eigenkapital zu halten, zahlt das Unternehmen, das mehrheitlich dem US-Finanzinvestor Fortress gehört, seit Jahresbeginn keine Dividenden mehr. Auch in die Wohnungen soll mit dem Geld mehr investiert werden.
Gagfah sieht sich derzeit mit einer Klage der Stadt Dresden konfrontiert, die dem Unternehmen vorwirft, seine Zusagen beim Kauf der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Woba verletzt zu haben.
Gagfah bezifferte den Umfang der Klage am Montag auf 800 Mio. Euro. Acht Mio. Euro hat das Unternehmen bereits für die Verteidigung gegen den Vorwurf ausgegeben. Das belastete auch das Ergebnis: Vor Steuern fiel ein Verlust von 3,8 Mio. Euro an - 2010 waren es 17,4 Mio. Euro.
Auch der in der vergangenen Woche abgeschlossene Verkauf von knapp 5000 Wohnungen in Berlin an den Rivalen GSW drückte zunächst den Gewinn: 23,5 Mio. Euro waren für die vorzeitige Rückzahlung der Kredite von gut 244 Mio. Euro fällig, die
Gagfah für das Portfolio aufgenommen hatte. Der Nettoerlös von 65 Mio. Euro wird dagegen erst im vierten Quartal verbucht.
Empfehlen