Die Ratingagentur Moody's droht damit, die Bonitätsnote der
Commerzbank zu senken. Die Note von A2 werde überprüft, teilte die Bonitätswächter am Mittwoch mit. Grund ist vor allem der schlechte Zustand der Banktochter Eurohypo, deren Rating von A3 ebenfalls unter Beobachtung gestellt wird. Gesenkt wurde bereits die Note für die Finanzstärke beider Häuser. Die Bewertung für die Eurohypo sinkt von "D-" auf "E+", die der
Commerzbank insgesamt von "C-" auf "D+". Moody's zufolge braucht die
Commerzbank wegen der Eurohypo möglicherweise weiterhin gelegentlich externe Unterstützung. Der Eurohypo trauen die Moody's-Analysten derzeit kein eigenständiges Überleben zu.
Finanzinstitute mit der Note "E" haben nach Einschätzung Moody's eine sehr schwach ausgeprägte eigene Finanzkraft, die regelmäßige externe Unterstützung erforderlich macht oder erwarten lässt. Der Handlungsspielraum entsprechend bewerteter Institute könne durch eine eingeschränkte Geschäftsstruktur, durch mangelhafte Finanzdaten oder ein hochgradig unberechenbares und instabiles operatives Umfeld eingeschränkt sein. Banken mit der Note "D", wie sie die
Commerzbank jetzt hat, attestiert Moody's eine schwach ausgeprägte Finanzkraft. Hier sei es eventuell erforderlich, gelegentlich externe Unterstützung in Anspruch zu machen.
Unterdessen plant die
Commerzbank die Eurohypo zu zerlegen. Der gesunde Kern soll in den Mutterkonzern integriert, das Restgeschäft eingestellt werden. Bleiben soll nur das profitable Geschäft mit Immobilienkrediten in den europäischen Kernmärkten, auf das sich die Bank schon in den vergangenen zwei Jahren beschränkt hatte. Derzeit macht die Eurohypo jedoch kein Neugeschäft, weil die
Commerzbank ihre Bilanzrisiken senken muss, um die Kapitalauflagen der EU-Bankenaufsicht zu erfüllen. Das Neugeschäft in der Finanzierung von Staaten und Kommunen hat die Eurohypo bereits aufgegeben.
Einige Zeit wurde auch einen Abspaltung des Instituts im Sinne einer "Bad Bank" erwogen. Diese hätte jedoch staatliche Garantien gebraucht. Konzernchef Martin Blessing hatte weitere staatliche Unterstützung kategorisch ausgeschlossen: "Ich gehe da nicht noch mal hin", sagte er im vergangenen Oktober. Der Verkauf der Eurohypo gilt wegen ihrer hohen Bilanzsumme und der großen Altlasten als nahezu unmöglich.
Die Herabstufung des Finanzstärke-Ratings, die drohende Verschlechterung der Bonitätsnote, sowie der Bericht der "Welt" sorgten dafür, dass die Commerzbank-Aktie zur Handelseröffnung deutlich nachgab.
Empfehlen