Daimler versucht seit Monaten, seine Anteile an dem deutsch-französischen Luftfahrtkonzern loszuwerden, bisher ohne Erfolg. Jetzt steht das Emirat bereit. Wirtschaftsminister Rösler verhandelt mit den Arabern - entgegen der bisherigen Linie Berlins.
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Nach Abu Dhabi will ein weiteres Emirat
Daimler mit einem Milliardenbetrag versorgen. Jetzt sondiert die Regierung des Emirat Katars einen Aufkauf von Aktien der Daimler-Finanzbeteiligung
EADS. Bereits 2009 war Aabar Investments bei dem Autobauer eingestiegen. Der Stuttgarter Konzern möchte bis Jahresende 7,5 seiner 15 Prozent Kapitalbeteiligung an dem Luftfahrtkonzern verkaufen. Nach der Börsenbewertung würde der Anteil grob 1,4 Mrd. Euro kosten.
Um das deutsch-französische Aktionärsgleichgewicht bei einem Verkauf durch
Daimler nicht zu stören, sucht die Bundesregierung eigentlich einen deutschen Investor - wurde bislang aber nicht fündig. Heute kontrollieren beide Seiten je 22,5 Prozent der EADS-Aktien. Sollte Katar die Daimler-Anteile übernehmen, würde Frankreich dominieren.
Wie Regierungskreise in Berlin am Sonntag bestätigten, gab es jüngst Gespräche zwischen dem Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Vertretern des arabischen Wüstenstaates über die EADS-Anteile. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es am Sonntag: "Zu laufenden Gesprächen äußern wir uns nicht." Auch
Daimler wollte keine Stellung nehmen.
Zuvor hatte "Der Spiegel" über das Interesse Katars berichtet. Die FDP gilt als Befürworter einer privatwirtschaftlichen Lösung bei der
EADS, während im Kanzleramt geprüft wird, ob die Daimler-EADS-Anteile die staatliche KfW-Bank übernehmen könnte. Bisher war die Bundesregierung der Meinung, nur ein deutscher Investor komme infrage.
Ein Interesse von Katar an
EADS und damit auch an der Tochter Airbus liegt auf der Hand: Die arabischen Emirate bauen die Luft- und Raumfahrt als industrielles Standbein im großen Stil auf. Die staatliche Investmentgesellschaft Aabar Investments, die rund neun Prozent an
Daimler hält, engagiert sich auch beim privaten Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic. Die Investmentgesellschaft Mubadala hat eine eigene Sparte Luftfahrt und produziert für Airbus bereits Flugzeugteile in dem Emirat. Die halbstaatliche Fluggesellschaft Qatar Airways ist Airbus-Großkunde.
Ein Einstieg eines Investors aus dem Mittleren Osten wäre nicht neu bei EADS: Von 2007 bis 2010 war Dubai mit gut drei Prozent an dem Konzern beteiligt. Alle Investoren neben den Kernaktionären aus Deutschland, Frankreich und Spanien, haben aber keine echte Mitspracherechte, weil ein komplexer Grundlagenvertrag den Kernaktionären besondere Schutz- und Vorkaufsrechte einräumt. Das EADS-Management plädiert für einen größeren Anteil privater Aktionäre und hat nach eigenen Angaben ein Modell gefunden, wie trotzdem staatliche Schutzrechte gewahrt werden können. Dafür müsste aber die Satzung geändert werden.
Ein Einstieg von Katar bei
EADS werde wegen der technologiepolitischen Bedeutung besonders sorgfältig geprüft, heißt es in Berlin.
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