Von zwei auf drei Euro - dies ist in etwa der Sprung, den die Singulus-Notiz im laufenden Jahr bereits hingelegt hat. Damit hat der TecDAX-Konzern den deutschen Technologiewerte-Index klar hinter sich gelassen. Seit ein paar Tagen scheint sich die Aktie des einstigen Highflyers im Neuen Markt um die Drei-Euro-Marke zu stabilisieren. Sie ist damit zwar noch weit von ihrem 2011er-Hoch bei rund fünf Euro entfernt, hat sich aber eindrucksvoll von den Tiefs von teils unter zwei Euro Ende 2011 losgerissen.
Die Gründe für das Kursfeuerwerk liegen auf der Hand:
Singulus hat 2011 erstmals nach 2007 wieder ein positives operatives Ergebnis eingefahren. Damit schafft das Unternehmen aus der kleinen unterfränkischen Gemeinde Kahl am Main den Turnaround. Wie hoch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ausfällt, lässt das Management zunächst noch offen. Anleger müssen sich bis zur Vorlage der endgültigen Zahlen am 27. März gedulden. Analyst Malte Schaumann von Warburg Research erwartet nach dem dicken Minus von 80,2 Mio. Euro im Jahr 2010 ein 2011er-Ebit von 6,3 Mio. Euro.
Beim Umsatz gelang
Singulus 2011 eine Steigerung von 120 auf 160 Mio. Euro. Vom Auftragseingang, der mit 151,5 Mio. Euro um 18 Prozent besser ausfiel als 2010, hatten sich Marktexperten sogar noch etwas mehr versprochen. In Sachen Auftragsentwicklung preschte
Singulus aber vor wenigen Tagen vor. Erst wurde mit einem litauischen Kunden ein Vertrag unterzeichnet zur Lieferung einer kompletten Fertigungslinie für kristalline Solarzellen. Dann meldete das Unternehmen den Ordereingang für zwei Vakuum-Beschichtungsanlagen, die in der Halbleiterindustrie zum Einsatz kommen.
Es sind just diese beiden Branchen, in die
Singulus seit einiger Zeit vordrängt. Der Technologiekonzern setzt dabei wie gewohnt auf seine hohe Erfindungskraft.
Singulus will die Solarindustrie mit innovativen Maschinenkonzepten und Prozesstechnologien überzeugen, die den Kunden Kostenvorteile verschaffen sollen. Für den Halbleitermarkt tüftelt der Konzern an Anlagen zur Herstellung von MRAM-Speichern, für die Marktbeobachter eine rosige Zukunft prognostizieren.
Zugpferd bleibt vorerst freilich der Optical-Disc-Bereich. Das Management will die Führungsposition bei Maschinen zur Herstellung von Blu-Ray-Scheiben behaupten. Dieser Markt wandele sich immer mehr zu einem Massengeschäft, heißt es. Warburg-Fachmann Schaumann glaubt, dass der Blu-Ray-Markt noch über mehrere Jahre attraktives Wachstum aufweisen wird. Gleichzeitig mahnt er aber, dass dies wahrscheinlich der letzte größere Wachstumsbereich bei den Optical Discs sein werde. Das alte Stammgeschäft mit DVD-Maschinen läuft seit längerem aus. Speicherchips und die zunehmenden technischen Möglichkeiten des Internets drängen optische Speichertechniken allmählich in den Hintergrund. „Langfristig ist daher die Positionierung von
Singulus im Solarbereich als zweitem Standbein von Bedeutung", folgert Schaumann.
Für risikobereite Anleger, die davon ausgehen, dass sich das technologische Knowhow und die Innovationskraft von
Singulus auszahlen, ist der Titel eine heiße Wette. Negative Nachrichten aus dem ohnehin arg gebeutelten Solarsektor sollten Anleger vorsichtshalber auf der Rechnung haben. Schaumann gibt sich für 2012 verhalten optimistisch und rechnet mit einem Ebit von 6,9 Mio. Euro und einem Umsatz von 168 Mio. Euro. Somit ergibt sich eine Ebit-Marge von 4,1 Prozent. Mit einer Rückkehr zu höheren Renditen sei 2013 zu rechnen. Der Aktienprofi billigt dem Titel nach der zuletzt starken Performance bei einem Kursziel von 3,30 Euro immerhin noch einen Zuwachs von gut zehn Prozent zu. Andere Experten sind optimistischer. Sie sehen Potenzial bis jenseits von vier Euro.
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