Der Aktienkurs steigt, das Geschäft brummt, die Finanzen stimmen: Der französische Konzern mit Spezialisierung auf Bau, Konzessionen und bauverwandte Dienstleistungen ist ein echter Geheimtipp für Anleger.
Für Aktionäre von
Vinci lief es in den vergangenen Monaten mehr als erfreulich. Seit Ende November hat der Kurs des Wertpapiers rund 31 Prozent zugelegt, seit Jahresanfang sind es zehn Prozent gewesen. Allein am Mittwoch verteuerte sich der Titel um 2,6 Prozent auf 37,79 Euro, nachdem der Weltmarktführer für Bau, Konzessionen und bauverwandte Dienstleistungen seinen Geschäftbericht für 2011 präsentierte. Die Zahlen fielen überzeugend aus: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund elf Prozent auf 37 Mrd. Euro und übertraf damit die Erwartungen. Das operative Ergebnis und das Nettoergebnis kletterten trotz geringerer Margen und höherer Steuerquoten jeweils um respektable sieben Prozent auf 3,7 Mrd. beziehungsweise 1,9 Mrd. Euro. Das Nettoergebnis je Aktie wuchs um 18 Cent auf 3,48 Euro. Die Dividende je Aktie für 2011 wurde um zehn Cent auf 1,77 Euro angehoben.
Der hohe Konzernumsatz sei vor allem auf ein „starkes organisches Wachstum“ in den Bausparten
Vinci Energies, Eurovia und
Vinci Construction“ zurückzuführen, teilte das Unternehmen mit. Zudem habe der ganzjährige Effekt der im Vorjahr getätigten Zukäufe, insbesondere der technische Dienstleister Cegelec, eine Rolle gespielt. Insgesamt seien bei
Vinci im vergangenen Jahr trotz der mäßigen Konjunktur 18 Prozent mehr Aufträge eingegangen als noch 2010 – damit hätten die Buchungen sowohl im In- als auch Auslandsgeschäft ein Rekordniveau erreicht.
Zu den „Highlights“ hätte neben dem Betriebsstart diverser Flughafen- beziehungsweise Autobahnkonzessionen die Hereinnahme neuer Projekte, wie beispielsweise der A9 in Deutschland und die Großstadien von Nizza und Bordeaux gehört. Darüber hinaus habe der Konzern mehrere Großtransaktionen, wie zum Beispiel eine Projektfinanzierung über 3,1 Mrd. Euro für die Hochgeschwindigkeitsbahntrasse Tours-Bordeaux, abschließen können. Das zeige „das Vertrauen der Geldgeber in die Finanzkraft und Kreditwürdigkeit des Konzerns“. In diesem Punkt geben
Vinci zumindest zwei der drei großen Ratingagenturen recht: S&P (BBB+) und Moody’s (Baa1) bestätigten erneut den Investment Grade des Unternehmens.
Was den Ausblick für 2012 betrifft, hielt sich
Vinci gestern zurück. Wegen der unklaren Wachstumsperspektiven könne sich der Auftragseingang in „gewissen Segmenten oder Regionen“ verlangsamen – man muss beachten, dass
Vinci zwei Drittel seines Umsatzes in Frankreich erzielt. Die Mauteinnahmen auf den Autobahnen dürften jedoch „weiterhin leicht zunehmen“. Insgesamt rechne
Vinci „ zumindest mit einer Stabilisierung des Geschäfts“. Man bleibe „optimistisch“ und wolle die gleichen operativen Margen wie im Vorjahr erreichen.
Die Chancen stehen gut, dass
Vinci seine Ziele nicht nur erreicht, sondern übertrifft. Das Unternehmen ist finanziell robust aufgestellt. Zum einen liegt der Auftragsbestand in den Bausparten auf einem Rekordniveau von 30,6 Mrd. Euro. Zum anderen hat es der Konzern im vergangenen Jahr geschafft, die Nettoneuverschuldung um 470 Mio. Euro auf 12,6 Mrd. Euro zu drosseln.
Die Mehrzahl der Analysten ist überzeugt, dass
Vinci einen Kauf wert ist. Sechs der acht Analysten, die am Mittwoch bei Bloomberg eine Einschätzung für die Aktie des Unternehmens abgaben, stuften den Titel auf „buy“ ein. Auch Hans-Peter Kuhlmann, Experte bei der Landesbank Baden-Württemberg, rät Anleger zu einem Investment: „Trotz der Erwartung eines praktisch stagnierenden Ergebnisses lassen wir unser Rating auf Kaufen, da wir die Bewertung mit einem KGV von 10 und einer Dividendenrendite von rund fünf Prozent attraktiv finden“.
BÖRSE ONLINE schließt sich dieser Meinung an und empfiehlt die Vinci-Aktie zum Kauf. Anleger sollten wegen der noch nicht eindeutigen Wachstumsperspektiven ein hohes Risiko einkalkulieren.
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