Nach einer hitzigen, elfstündigen Debatte scheitert der US-Investor Octavian mit dem Angriff auf den Aufsichtsrat des SDAX-Unternehmens. Ruhe wird bei Balda trotzdem nicht einkehren.
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Im Streit mit Balda hat der US-Hedgefonds Octavian eine herbe Niederlage eingesteckt. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung in Bielefeld scheiterte Octavian am Mittwoch mit der Abwahl des kompletten Balda-Aufsichtsrats. Knapp zwei Drittel des anwesenden Kapitals bestätigten den amtierenden Aufsichtsrat um den Vorsitzenden Michael Naschke im Amt.
Damit findet das erbitterte Duell zwischen Octavian und dem Aufsichtsrat von Balda jedoch noch kein Ende. Vor Wochen hatte der Finanzinvestor, der laut eigenen Angaben 8,3 Prozent der Aktien des ostwestfälischen Medizintechnikherstellers besitzt, die außerordentliche Hauptversammlung erzwungen. Gegenstand des Streits: Baldas wertvolles Aktienpaket am Touchscreenhersteller TPK des taiwanesischen Geschäftsmanns Michael Chiang. 2008 hatte Balda das Unternehmen gemeinsam mit Chiang gegründet, nach dem TPK-Börsengang Ende 2010 aber Stück für Stück seinen 50-Prozent-Anteil abgebaut - bis auf verbleibende 16,1 Prozent. Dreimal scheiterte danach ein Verkauf des restlichen Anteils, zweimal am Veto des Aufsichtsrats.
Octavian sieht Interessenskonflikt
Octavian wertet das Festhalten an TPK als Indiz für den Interessenskonflikt des Aufsichtsrats. Chiangs Ehefrau hält über die Firma Return Yield Investment 27,1 Prozent an Balda - und ist damit deren größter Einzelaktionär. Zwar bestand Balda-Chefkontrolleur Naschke auch am Mittwoch wieder darauf, dass Frau Chiangs Engagement nicht gleichzusetzen sei mit den Firmenstrategien ihres Mannes. Ein Verkauf des Aktienpakets dürfte aber Einfluss auf den TPK-Kurs nehmen - und damit möglicherweise das Vermögen der Familie Chiang schmälern. So sieht es Octavian. "Die Wahrheit ist, dass diverse Entscheidungen in den letzten Monaten zu Lasten der Balda-Aktionäre und zum Wohle von TPK und Michael Chiang getroffen wurde", sagte Octavian-Geschäftsführer Igor Kuzniar. Schon vor der Hauptversammlung in Bielefeld hatte er angekündigt, alle verfügbaren rechtlichen Mittel gegen den Aufsichtsrat ausschöpfen zu wollen, falls er mit seinem Votum scheitern sollte.
Seit zwei Jahren ist Octavian Aktionär von Balda. Im Vorfeld der Abstimmung fürchteten einige Anteilseigner, dass der Hedgefonds nach dem Verkauf des TPK-Anteils die Sonderdividende kassiert, dann aber schnell bei Balda aussteigen würde - vielleicht ein Grund, weshalb Octavian seine drei eigenen Kandidaten Kuzniar, den ehemaligen Adidas-Vorstandschef René Charles Jäggi und Behdad Alizadeh von Pardus Capital nicht als Aufsichtsratsmitglieder durchsetzen konnte.
Deutliches Votum überrascht
Das letztendlich deutliche Votum für Naschke und seine Kollegen überraschte in Anbetracht der elf Stunden andauernden hitzigen Debatte dann doch.
Die fragwürdigen Verflechtungen der derzeitigen Kontrolleure und Chiang sind durch das Votum der Aktionäre allerdings nicht vom Tisch: Eine Sonderprüfung soll in den nächsten Wochen Licht in die Sache bringen. 2009 hatte das Gremium noch aus drei Mitgliedern bestanden; nach dem Börsengang von TPK im Jahr 2010 wurde der Aufsichtsrat dann auf sechs Mitglieder aufgestockt. Dadurch rückte Naschke und zwei weitere Kandidaten auf - alle auf Empfehlung des größten Einzelaktionärs: der Yield Return Investment von Chiangs Ehefrau. Ein Jahr später dann wurde der Kontrollrat auf drei Mitglieder eingedampft, übrig blieben Naschke und die anderen beiden Kandidaten der Familie Chiang.
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