Der angeschlagene Druckmaschinenhersteller sucht sein Heil in aufstrebenden Volkswirtschaften: Er füttert Kunden mit einfachen Maschinen an – um später teure loszuwerden.
Heidelberger Druckm
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Fábio Gabriel schaut aus dem Fenster und sieht seinen Reichtum: Papier. 15.000 Tonnen hat Fábio auf seinem Druckereigelände gelagert. In einer alten Hühnerfabrik am Rande eines Armenviertels von São Paulo hat er vor elf Jahren die Industriedruckerei Braspor aufgebaut. Er zieht einen Vierfarbbogen aus der Druckmaschine und erzählt dem Besucher aus Deutschland von 100 Millionen Euro Jahresumsatz, 20 Prozent Wachstum - und Papiermangel. Denn Fábio plagt nur eine Sorge: dass mit den Wahlen im Oktober die Papierlieferung ausbleibt und die Produktion ins Stocken gerät.
Bernhard Schreier grinst, als er von den Sorgen des Brasilianers hört. Der Chef von Heidelberger Druckmaschinen ist nach São Paulo gereist, um an Brasiliens Wachstumsgeschichte teilzuhaben. Längst plagen ihn nicht mehr die Sorgen, volle Auftragsbücher abarbeiten zu müssen, sondern Nettoschulden von 800 Millionen Euro.
Heideldruck steckt in der Krise. Vor einem Jahr konnte der Traditionskonzern nur mit Staatshilfen von 850 Millionen Euro vor der Pleite bewahrt werden. Jetzt lasten Zinszahlungen von 85 Millionen Euro auf dem Jahresergebnis. Das Geschäft im Werbedruck geht zurück: Digitalprint und Internet lassen die Marktanteile schrumpfen. Der Druckmaschinenbauer muss sich neu aufstellen. Mit einer Kapitalerhöhung von 420 Millionen Euro sollen die Schulden halbiert werden. In diesem Jahr will Schreier im operativen Geschäft eine schwarze Null schreiben. Dazu braucht er eine Wachstumsstrategie: Er setzt auf Verpackungsdruck und Service, Vertriebskooperation im Digitaldruck - und auf den Boom in Schwellenländern.
Denn wer Wachstum sucht, findet es in Lateinamerika, China und Indien, wo die Bevölkerung und der Papierverbrauch stetig steigen. Während in Deutschland und den USA 2010 Verluste drohen, erwartet Schreier, dass der Rest der Welt Gewinne für Heideldruck erwirtschaften wird. "In den nächsten vier bis fünf Jahren werden die Schwellenländer mehr als 50 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen", sagt der Heideldruck-Chef. Schon jetzt liege der Anteil bei 42,5 Prozent.
Doch das Allheilmittel für die Druckkrise sind die Schwellenländer nicht. Heideldruck stellt hoch technisierte Maschinen her. Indien sei deshalb unbedeutend. "Der Qualitätsanspruch ist katastrophal gering", sagt Schreier. Lateinamerika und der Massenmarkt China seien da schon interessanter. Im Geschäftsjahr 2008/09 haben die Auftragseingänge hier überproportional angezogen: In Brasilien von 13 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro im vierten Quartal; in China von 60 Millionen auf 100 Millionen Euro. Doch Spezialdruckmaschinen sind für viele Kunden aus den Schwellenländern meist zu anspruchsvoll. "Deshalb füttern wir den Markt mit einfachen Maschinen", sagt Schreier, "damit wir später komplizierte Maschinen liefern können." Heideldruck ist so mit 40 Prozent Anteil im Bogenoffsetdruck Weltmarktführer.

Wettbewerber wie Manroland ziehen nun nach - sie produzieren abgespeckte, billigere Maschinen. Denn deutsche Drucktechnik ist teuer. Fábio Gabriel zahlt für seine Spezialmaschinen 2 Millionen Euro. Doch Transportkosten und Importzölle lassen den Gesamtpreis auf fast 3 Millionen Euro steigen.
Um die Kosten zu senken, produziert Heideldruck bereits vor Ort in China. Zwei Jahre hat es jedoch gedauert, bis Heideldruck dort ein Zulieferernetz aufbauen konnte. "Mehr als die Produktion von Standardmaschinen trauen wir uns hier nicht zu", meint Schreier.
Ob die Nachfrage aus den Schwellenländern ausreicht, um die Krise daheim zu überwinden, muss sich jedoch erst zeigen. Der Boom in den Schwellenländern kann die Verluste in den Industrieländern nur teilweise kompensieren. Mittelfristig rechnet der Druckmaschinenbauer denn auch mit einem 20 Prozent niedrigeren Weltmarktvolumen im Vergleich zum Vorkrisenniveau.
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