Conergy sieht sich in einer bedrohlichen Bargeldklemme. Zwar wurde der Solarkonzern gerade erst durch eine spektakuläre Rettungsaktion von mehreren Banken und Hedge-Fonds vor der Überschuldung gerettet. Doch drohe die Insolvenz, falls das Unternehmen seine Gewinnziele deutlich unterschreite und keine andere Lösung finde, warnte es in einem am Freitag veröffentlichten Wertpapierprospekt: "
Conergy befindet sich in einer anhaltenden Liquiditätskrise." Diese könne "gegebenenfalls zu einem Totalverlust des Investments der Aktionäre in die Gesellschaft führen".
Der Prospekt, in dem
Conergy wegen der Zulassung neuer Aktien zur Frankfurter Börse alle Risiken genau beschreiben musste, ist ein Offenbarungseid. Aus dem einstigen Vorzeigeunternehmen und Börsenliebling ist der bislang größte Sanierungsfall der deutschen Zukunftsbranche der erneuerbaren Energien geworden. Obwohl der Schuldenberg von 534,8 Mio. Euro Ende März durch die Umschuldung des Retterkonsortiums um 182,6 Mio. Euro gesunken ist, zeigt der Prospekt Conergys immer noch eine prekäre Lage. Wenn es nicht gelingt, das Geschäft so anzukurbeln, dass die angepeilten Zahlungszuflüsse tatsächlich kommen, ist die Existenz gefährdet.
Die liquiden Mittel sind laut Prospekt zwischen Ende März und Ende Mai sogar noch um 1,4 Mio. Euro gesunken.
Conergy hat nun nur noch 23,8 Mio. Euro in der Kasse. Dies ist insbesondere ein Problem, weil das Hamburger Unternehmen nicht nur selbst Solarmodule und Komponenten wie Wechselrichter baut, sondern auch Solarparks projektiert, baut und betreibt. Bei den millionenschweren Projekten muss das Unternehmen oft große Teile vorfinanzieren.
Weil die Restrukturierung der vergangenen Monate nur die Schulden, nicht das Bargeld betraf, werde die Liquiditätsdecke "ausschließlich vom Ergebnis der laufenden Geschäftstätigkeit beeinflusst", heißt es in dem Prospekt. Im ersten Quartal hatte
Conergy einen negativen Cashflow von 57 Mio. Euro und schrieb einen Nettoverlust von mehr als 20 Mio. Euro. Einen Jahresgewinn hatte der Konzern zuletzt 2005 erreicht.
Seither ist der Markt deutlich härter geworden. Die Nachfrage ist im ersten Halbjahr 2011 wegen Förderkürzungen in den wichtigsten Märkten Deutschland und Italien geschrumpft. Gleichzeitig fallen wegen Überkapazitäten rapide die Preise. Allein in der vergangenen Woche haben etliche Solarfirmen ihre Prognosen gekappt, darunter Centrosolar,
Solon und
Roth & Rau. Mehr als die Hälfte der Hersteller werde in den kommenden Jahren vom Markt verschwinden, sagen Experten wie Philip Grothe von der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners.
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