Kurz vor Ablauf der Frist verdichten sich die Anzeichen, dass das Kreditinstitut seine gigantische Kapitallücke ohne erneute Staatshilfe schließen wird. Angeblich wird auch über die Boni der Mitarbeiter nachgedacht.
Nach Informationen des
Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" wird im Vorstand des Dax-Konzerns
derzeit auch darüber diskutiert, Mitarbeitern den variablen Teil
ihres Gehalts für das Jahr 2011 in Aktien des eigenen Instituts
auszuzahlen. 2010 habe dieser Posten 437 Millionen Euro ausgemacht.
Ein Commerzbank-Sprecher wollten den Bericht am Sonntag nicht
kommentieren.
Die
Commerzbank muss nach den Ergebnissen des jüngsten
europaweiten Stresstests der europäischen Bankenaufsicht EBA bis
Mitte 2012 eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schließen. Bis
nächsten Freitag (20.1.) muss der teilverstaatlichte Dax-Konzern -
wie andere betroffene Institute - der Finanzaufsicht Bafin erläutern,
wie das bewerkstelligt werden soll.
Vorstandschef Martin Blessing hatte wiederholt klargemacht: Er
werde nicht noch einmal den Staat um Hilfe bitten. Der Bund war der
Bank bereits nach der riskanten Dresdner-Übernahme mitten in der
Finanzkrise, die sich im Herbst 2008 noch zuspitzte, mit Milliarden
zu Hilfe geeilt.
Bereits Ende vergangener Woche hatte es Presseberichte über einen
Kapitalplan der zweitgrößten deutschen Bank gegeben, der ohne direkte
wie indirekte Staatshilfe auskomme. Das "Handelsblatt" (Freitag)
berichtete über mehrere Bausteine: Der Abbau von Risiken solle 2,7
Milliarden Euro bringen, weitere 750 Millionen Euro würden aus der
Umwandlung der Stillen Einlage der
Allianz in hartes Kernkapital
erwartet. Eine weitere Milliarde solle vor allem durch einbehaltene
Gewinne aufgebracht werden. 700 Millionen Euro hat die
Commerzbank
bereits in der Bilanz durch den Rückkauf nachrangiger Anleihen.
Die Commzerbank-Aktie legte in den vergangenen Handelstagen deutlich zu. Unter anziehendem Volumen stieg die Aktie von 1,17 Euro am 9. Januar auf aktuell rund 1,444 Euro. Charttechnisch wurden dabei einige schwächere Widerstände aus dem Markt genommen. Mit dem Kursbereich zwischen 1,45 bis 1,55 Euro steht der Wert nun aber vor einer deutlich herausfordernden Hürde. Sollte sich eine Lösung mit Blick auf die Kapitallücke abzeichnen und auch die Belastungen aus dem Haircut der griechischen Staatsanleihen nicht größer ausfallen, dürfte der Ausbruch über 1,55 Euro problemlos gelingen. Darüber wäre dann Platz bis rund 2,10 Euro.
Spekulative Anleger, die vor wenigen Tagen eingestiegen sind, bleiben dabei und ziehen den Stoppkurs mindestens bis auf Einstandsniveau nach. Neueinsteiger warten ab, bis der Kurs über 1,55 Euro ansteigt. Konservative Anleger verfolgen die Entwicklung der volatilen Aktie weiter von der Seitenlinie.

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