Ein ziemliches Trauerspiel ist der Chart des Logistikkonzerns Logwin. Nach einem kurzen Aufbäumen, droht die Notiz nun wieder unter die wichtige Marke von einem Euro zu fallen. Oder können die Halbjahreszahlen die Wende bringen?
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Wirklich glücklich ist Stefan Quandt – über die Delton AG hält der Multimillionär 80,6 Prozent an Logwin – mit seinem Logistik-Investment wohl nie gewesen. Die ehemals als Thiel Logistik am Neuen Markt firmierende Gesellschaft hatte die Folgen einer viel zu stürmischen Expansion zu verkraften und musste eine harte Restrukturierung über sich ergehen lassen.
Zuletzt hat Logwin sein Geschäftsmodell erneut angepasst. Genützt hat es dem Aktienkurs bislang wenig. Seit einigen Monaten fokussiert sich die Gesellschaft auf die beiden in etwa gleich großen Geschäftsbereiche „Solutions“ (Lösungen für die Kontraktlogistik) und „Air + Ocean“ (Luft- und Seefracht). Die früher als „Road + Rail“ bezeichneten Aktivitäten haben die Luxemburger entweder verkauft oder neu eingegliedert.
Nach Ablauf der erstens sechs Monate 2010 kletterten die vergleichbaren Umsatzerlöse um 20,7 Prozent auf 649,5 Mio. Euro. Dabei blieb ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von knapp 10,1 Mio. Euro hängen. Unterm Strich musste die Gesellschaft (inklusive des Ergebnisses der nicht fortgeführten Geschäftsbereiche) aber noch einen Verlust von fast 3,4 Mio. Euro hinnehmen. Immerhin: In Relation zum Vorjahresminus von rund 49 Mio. Euro hat sich die Lage merklich entspannt. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich von Minus 0,44 auf Minus 0,03 Euro.
Daher betont Vorstandschef Berndt-Michael Winter: „Logwin hat im ersten Halbjahr 2010 spürbar an Fahrt aufgenommen.“ Für das Gesamtjahr hält sich der Manager mit einer konkreten Prognose aber noch dezent zurück. „Ausgehend von dem vergleichsweise niedrigen Niveau des Geschäftsjahres 2009 erwartet der Logwin-Konzern für die fortgeführten Geschäftsbereiche eine positive Umsatzentwicklung“, heißt es im Zwischenbericht. Mit solchen Aussagen können Aktionäre allerdings relativ wenig anfangen. Eine Bandbreitenprognose wäre deutlich hilfreicher.
Die Analysten erwarten im Schnitt für 2010 einen Umsatz von rund 1,1 Mrd. Euro und ein EBIT von 19 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie setzen die Experten bei 0,01 Euro an. Zumindest was EBIT und Umsatz angeht, befindet sich Logwin also weitgehend im Plan. Möglicherweise besteht sogar noch Raum für eine positive Überraschung. Schaden könnten deutlich schwarze Zahlen in der Zukunft auf keinen Fall, denn die Bilanz von Logwin strotzt nicht unbedingt vor Stärke. Das Eigenkapital von 127 Mio. Euro macht nur etwa 24 Prozent der Bilanzsumme aus. Immerhin: Der Buchwert je Logwin-Aktie erreicht derzeit 0,87 Euro. Zum Vergleich: Zurzeit kostet der Anteilschein derzeit 1,07 Euro.
An der Börse wurden die vorgelegten Halbjahreszahlen ohne große Emotionen aufgenommen. Der Aktienkurs zog geringfügig auf 1,08 Euro an. Damit steht Logwin noch immer gefährlich nah an der Penny-Stock-Klippe. Die Firma ist wie alle Transportwerte eine knallharte Wette auf eine Belebung der Konjunktur. Angesichts des vagen Ausblicks tappen Aktionäre bei Logwin aber noch ein wenig im Dunkeln. Dafür hält sich der Börsenwert von 120 Mio. Euro für eine Firma dieser Größe in Grenzen. Nach den vielen Enttäuschungen trauen die Börsianer dem Titel noch nicht so recht über den Weg. Interessierte warten daher besser ab, bis sich eine klare charttechnische Wende abzeichnet.
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