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Medikament Betaferon Bayer reicht Produktion von Bestseller an Boehringer weiter

[07:52, 31.05.11]


Der Mischkonzern lagert die Herstellung von Betaferon bald komplett an den Konkurrenten aus. Das Leverkusener Unternehmen stellt die US-Produktion in Emeryville 2013 ein - und baut 540 Arbeitsplätze ab.


Bayer N
Intraday3 Monate6 Monate1 Jahr3 Jahre
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Risiko
mittel
WKN
BAY001
Aktueller Kurs
51,57 €
Kurs Erscheinungstag
55,82 €
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60,00 €
Stopp
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Das teilte  Bayer auf Anfrage mit und bestätigte damit eine entsprechende Mitteilung der konzernkritischen Organisation "Coordination gegen Bayer-Gefahren" (CBG). Die Stellen sind nicht Teil des im Herbst bekannt gegebenen konzernweiten Abbauprogramms, bei dem weltweit 4500 Jobs gestrichen werden. Sie kommen unabhängig davon noch hinzu, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon brachte dem  Bayer-Konzern voriges Jahr gut 1,2 Mrd. Euro ein und überholte damit die Verhütungsmittel Yasmin/Yaz als umsatzstärkste Produktgruppe des größten Bayer-Teilkonzerns  Bayer Healthcare (Medizin).

Was für Bayers US-Arbeitnehmer ein Schlag ist, kann Boehringer als Erfolg für sich verbuchen. Das Familienunternehmen aus Ingelheim am Rhein betreibt eine eigene Sparte, die Auftragsproduktion für Drittfirmen erledigt. Schon jetzt produziert es für  Bayer das Betaferon für den europäischen Markt - und sollte eigentlich schon vor Jahren die weltweite Produktion übertragen bekommen.

Dass es anders kam, liegt an den Fusionen des Jahres 2006. Der Fall demonstriert damit nebenbei, welche Komplikationen durch Auslagerungsprozesse entstehen können. Betaferon - in den USA als Betaseron vertrieben - war ursprünglich ein Produkt des Berliner Medikamentenkonzerns Schering. Schering hatte Boehringer Ingelheim die Europa-Produktion übertragen, dem Biotechunternehmen Chiron hingegen die Herstellung für Amerika. 2006 übernahm  Bayer dann Schering, während  Novartis Chiron erwarb. Spezielle Vertragsklauseln ("Change-of-Control-Klauseln") gaben  Bayer das Recht, sich die Chiron-Produktion in Emeryville zu sichern.

Es folgte ein längerer Konflikt zwischen  Bayer und  Novartis um Produktionsrechte und Umsatzbeteiligungen. Am Ende einigten sich beide Seiten darauf, dass  Bayer das kalifornische Werk für sechs Jahre leaste. Emeryville stellt dabei nicht nur Bayers Multiple-Sklerose-Produkt Betaseron her, sondern auch die Novartis-Version Extavia.

Anfang Mai dieses Jahres erteilte die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für das von Boehringer Ingelheim hergestellte Betaferon. Das bewog  Bayer dazu, die Produktion in Emeryville aufzugeben. "Kosten und Wettbewerbsdruck steigen", resümierte Jörg Heidrich, weltweiter Chef für Biotechproduktion bei  Bayer Healthcare. Die neue Strategie mache sich die Expertise eines erfahrenen Auftragsherstellers zunutze und ermögliche  Bayer mehr Flexibilität.

Multiple Sklerose ist eine schwere und unberechenbare Nervenkrankheit. Sie kann, in Schüben auftretend, die Sehkraft schwächen, Menschen in den Rollstuhl bringen und die Lebenserwartung verringern. Boehringer Ingelheim produziert Betaferon am Stammsitz Ingelheim sowie in Österreich. Mit Auftragsproduktion erzielte der hinter  Bayer zweitgrößte deutsche Pharmakonzern im vergangenen Jahr 422 Mio. Euro Umsatz, etwa drei Prozent der Konzernerlöse. Das Unternehmen stellt zum Beispiel auch das Krebsmittel Erbitux für  Merck her. Dieser Darmstädter Konzern ist wiederum direkter Bayer-Konkurrent im Geschäft mit Multiple-Sklerose-Präparaten - produziert diese Mittel aber anders als  Bayer selbst.

Wie viel  Bayer mit der Aufgabe Emeryvilles spart, ließ der Konzern am Montag offen. Ob  Novartis den Standort Emeryville weiternutzen wird, ist ebenfalls offen. Das Unternehmen war am Montag nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Die CBG warf  Bayer eine "Hire-and-Fire"-Mentalität trotz hoher Profitabilität vor.


Kursinformationen + Charts

Unternehmen ISIN Aktuell Veränderung Details
Bayer N DE000BAY0017.DE 51,57 + 1,78 %  Detailinformationen

 

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