Gerüchten zufolge spricht die
Commerzbank mit der Bundesregierung offenbar zum dritten Mal binnen drei Jahren über Staatshilfen. An der Börse könnten die Papiere bald den Pennystock-Status erreichen.
Commerzbank
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"Intensive Gespräche" mit dem Bundesfinanzministerium liefen bereits seit mehr als einer Woche, sagten fünf mit dem Sachverhalt vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Regierung strebe eine Grundsatzeinigung noch vor Weihnachten an. Am wahrscheinlichsten sei, dass der Bund der Bank unter die Arme greife, indem er den Immobilienfinanzierer Eurohypo oder Teile davon in eine staatliche "Bad Bank" übernimmt, hieß es in den Kreisen.
Die zweitgrößte deutsche Bank hatte bereits Ende 2008 und Anfang 2009 Kapitalspritzen von insgesamt 18,2 Milliarden Euro vom Staat erhalten. Mehr als 14 Milliarden davon hatte sie im Sommer zurückgezahlt. Der Bankenrettungsfonds SoFFin ist noch mit 25 Prozent an der Bank beteiligt. Nun kämpft sie damit, eine Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro zu schließen, die die EU-Bankenaufsicht EBA bei ihr ausgemacht hat. Mit einem dickeren Kapitalpolster soll die Bank auch gegen eine Verschärfung der Schuldenkrise in der EU gewappnet werden. Die
Commerzbank hatte Ende September 13,6 Milliarden Euro an Staatsanleihen aus den Schuldenstaaten in Südeuropa in ihren Büchern - der Großteil davon liegt bei der Eurohypo. Auf die Anleihen musste die
Commerzbank zuletzt Milliardensummen abschreiben.
Stichtag 20. Januar 2012
Ein Commerzbank-Sprecher verwies am Montag auf Äußerungen von Finanzchef Eric Strutz. Er hatte am Donnerstag bekräftigt: "Wir haben weiterhin nicht vor, zusätzliche öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen." Auch Commerzbank-Chef Martin Blessing hat mehrfach ausgeschlossen, die Bank erneut mit staatlichen Finanzmitteln retten zu lassen, und seine persönliche Zukunft daran geknüpft. Ob diese Aversion sich auch auf eine "Bad Bank" für die Eurohypo bezöge, ist offen. Bei einer solchen Lösung müsste kein Geld an die
Commerzbank fließen. In Kreisen der Bank hatte es zuletzt geheißen, ein solcher Schritt könne auch als "marktwirtschaftliche Lösung" gestaltet werden. Die
Commerzbank muss die Eurohypo auf Geheiß der EU ohnehin bis 2014 verkauft haben, ein privater Käufer ist aber nicht in Sicht. Nach früheren Informationen aus Aufsichtsratskreisen würde allein ein Verkauf der Eurohypo der Muttergesellschaft eine Eigenkapital-Entlastung von fast fünf Milliarden Euro bringen.
Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte, die Bundesregierung stehe als Teilhaber in regelmäßigem Kontakt mit der
Commerzbank. Dieser gehe jedoch nicht über einen Informationsaustausch hinaus.
Die Bank muss den Aufsichtsbehörden bis zum 20. Januar 2012 einen Plan vorlegen, wie sie ihre Kapitaldecke binnen sechs Monaten um 5,3 Milliarden Euro vergrößern kann. 3,3 Milliarden Euro will sie durch eine Reduzierung der Kredite zur Senkung der Bilanzrisiken und einen Rückkauf von Hybridpapieren aufbringen. In der Bank wird fieberhaft daran gearbeitet, den Rest auch noch aufzubringen, so etwa mit den erhofften Gewinnen bis Mitte 2012. "Es ist schon frustrierend. Wir haben in diesem Jahr so viel Kapital aufgenommen, und nun stehen wir wieder am Anfang."
Die Bundesregierung bereitet gerade eine Neuauflage des Bankenrettungsfonds SoFFin für systemrelevante Banken vor, zu denen die
Commerzbank gehört. Der Fonds soll Regierungskreisen zufolge bis Ende 2012 befristet sein. In der Koalition ist aber noch umstritten, ob auch eine Zwangskapitalisierung von Banken durch die Finanzaufsicht BaFin möglich sein soll. In den USA waren die Großbanken in der Finanzkrise auf diese Weise schnell und effizient saniert worden. Banken müssen in diesem Fall nicht als Bittsteller auftreten. "Darüber wird noch auf Ministerebene gesprochen", hieß es in den Kreisen. Der Kabinettsbeschluss wird spätestens für Mittwoch erwartet.
Aktie steuert auf Rekordtief zu
Die Auslagerung von Teilen oder der gesamten Immobilien-Tochter EuroHypo in eine staatliche "Bad Bank" wäre eine der attraktiveren Lösungen zur Schließung der Kapitallücke bei der
Commerzbank, urteilte Analyst Michael Rohr von Silvia Quandt Research. Bei einem Komplett-Verkauf und mit Hilfe des Rückkaufs von Hybrid-Kapital könnte das Institut die strengeren Eigenkapital-Vorschriften erfüllen.
Dennoch setzen die Papiere auch am Dienstag ihre Talfahrt fort. Nach einer Erholung Ende November auf bis zu 1,50 Euro, wechseln die Papiere aktuell für 1,17 Euro den Besitzer. Die Aktien notieren damit nur noch knapp über dem Rekordtief vom 22. November bei 1,116 Euro. Sollte dieses Niveau vor allem auf Tagesschlussbasis unterschritten werden, ist der Weg frei bis zur ein Euro-Marke.

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