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Neubewertung von Kreditrisiken Die Commerzbank entdeckt den "Wiedergewinnungsfaktor"

[07:35, 25.01.12]

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Das Institut will keine staatliche Hilfe annehmen, um die EU-Eigenkapitalvorgaben zu erfüllen. Rund 1 Mrd. Euro besorgt sich die Bank dadurch, dass sie für Kredite geringere Ausfallrisiken ansetzt. Das ist aber umstritten.


Commerzbank
Intraday3 Monate6 Monate1 Jahr3 Jahre
beobachten
Risiko
hoch
WKN
803200
Börsenwert
11.658,62 Mio €
KGV 12e
11,4
Aktueller Kurs
1,42 €
Kurs Erscheinungstag
1,93 €
Veränd. z. Vortag
-0,97 %

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Die  Commerzbank hat mit der Neubewertung von Kreditausfallrisiken zwecks Erhöhung ihrer finanziellen Notrücklage eine Debatte über die Aussagekraft interner Einschätzungen ausgelöst. Rund 1 Mrd. Euro Kernkapital gewinnt sie nach FTD-Informationen aus Bankkreisen dadurch, dass sie die Verlustwahrscheinlichkeit der Darlehen geringer ansetzt als bis dato.

Folglich sinkt das Risikogewicht in den Büchern. Gleichzeitig steigt dadurch die Kernkapitalquote, ohne dass die Bilanzsumme schrumpft oder frische Eigenmittel zufließen. Experten bezeichnen das auch von europäischen Konkurrenten der  Commerzbank praktizierte Vorgehen als rechtlich einwandfrei. Sie sehen darin aber zugleich einen Beleg für die Fragwürdigkeit interner Ratings.

Die Pläne des Instituts "sind eigentlich nicht im Sinne des Erfinders. Damit wird das System karikiert, denn es heißt nicht, dass sich jeder das Beste herauspicken darf", sagt Martin Faust, Professor an der Frankfurt School of Finance. "Allerdings ist es legitim und zeigt, wie viel Ermessensspielräume es gibt."

Die  Commerzbank hatte in der Vorwoche erläutert, wie sie bis Ende Juni die von der EU-Bankenaufsicht EBA geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen will. Im EBA-Stresstest wies das deutsche Unternehmen eine Lücke von 5,3 Mrd. Euro aus, nun möchte es sein hartes Eigenkapital sogar um bis zu 6,3 Mrd. Euro stärken. Etwa 3,1 Mrd. Euro soll der Abbau der risikogewichteten Bilanz einbringen, also die Verringerung jener Vermögenswerte, die mit hartem Eigenkapital zu unterlegen sind. Dabei setzt die Bank zum einen auf Verkäufe und zum anderen eben auf die Neubewertung von Kreditausfallrisiken.

"Formal ist das korrekt und genügt laut Medienberichten auch den Anforderungen, die die Finanzaufsicht BaFin an die Bank stellt", sagte Konrad Becker, Analyst von  Merck Finck. "Ob es unter Risikoaspekten vertretbar ist, kann ein Außenstehender nicht beurteilen."

Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut begründet die Änderungen an seinem Berechnungsmodell mit zwei Faktoren: Nach Aussage von Finanzvorstand Eric Strutz hat sich zum einen die Datenqualität verbessert. So seien bislang unberücksichtigte Kreditsicherheiten ehemaliger Kunden der Dresdner Bank, die die  Commerzbank 2008 gekauft hatte, neu in die Datenbank aufgenommen worden. Strutz verweist zudem auf den höheren "Wiedergewinnungsfaktor". Mittelständische Unternehmen hätten seit der Finanzkrise ihre Eigenkapitalquoten deutlich gestärkt, dadurch seien die Risiken gesunken. Die BaFin habe die Änderungen abgesegnet, teilte Strutz mit.


 

© 2012 ftd.de

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