Die anhaltenden Probleme Nokias sorgen für Bewegung an der Konzernspitze: Der weltgrößte Handyhersteller hat die Suche nach einem Nachfolger für den glücklosen Chef Olli-Pekka Kallasvuo gestartet.
Nokia
beobachten
Kurs Erscheinungstag
7,05 €
Veränd. z. Vortag
-0,20 %
Mehr zum Thema
Money-Management
Mit dem Money-Management-Tool von BÖRSE ONLINE handeln Sie wie Profis.
Der für den Börsenerfolg entscheidende Kapitaleinsatz wird blitzschnell
berechnet.
Klicken Sie hier
Es seien bereits zwei Manager aus den USA angesprochen worden, berichtete die Tageszeitung „Wall Street Journal“ unter Berufung auf informierte Kreise. Womöglich werde bereits Ende des Monats eine Entscheidung fallen. Marktspekulationen wolle man nicht kommentieren, hieß es dazu gestern bei
Nokia.
Der mögliche Wechsel wird jedoch wohl zu einem der wichtigsten Themen, wenn
Nokia morgen Zahlen für das zweite Quartal vorlegt. Die Spekulationen sorgten bei Investoren gestern für Hoffnung. Die Nokia-Aktie stieg um 2,2 Prozent auf 6,92 Euro.
Kallasvuo steht seit Langem in der Kritik. Verspätungen bei Handybetriebssystemen, Ergebniswarnungen, eine fehlende Antwort auf die populären Smartphones von Apple und Research In Motion (RIM) und ein schrumpfendes USA-Geschäft: Bei den Finnen läuft unter Kallasvuo, der seit Mitte des Jahres 2006 an der Spitze ist, wenig zusammen.
Lag der Gewinn 2006 bei 5,4 Mrd. Euro, schloss der Konzern das Geschäftsjahr 2009 mit einem Plus von nur noch 1,2 Mrd. Euro ab. Der Aktienkurs ist seit dem Amtsantritt von Kallasvuo von rund 17 Euro auf aktuell knapp 7 Euro geschrumpft. Lediglich das Geschäft in aufstrebenden Nationen wie Indien läuft gut und ungebremst.
Nokia-Legende und Aufsichtsratschef Jorma Ollila hielt bislang zu seinem Ziehsohn Kallasvuo. Bei der Hauptversammlung Anfang Mai stützte der Aufsichtsrat sogar gleich zu Beginn der Versammlung ausdrücklich die Strategie des amtierenden Nokia-Chefs. Doch nun scheint auch dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden klar, dass seinem Nachfolger die Wende wohl nicht gelingen wird. „Nokias Smartphones sind nicht mehr der Goldstandard, wie das vor fünf Jahren noch der Fall war – heute sind das die iPhones und Android-Geräte“, sagte Ramon Llamas, Mobilfunkanalyst beim US-Marktforschungsunternehmen IDC.
Der Konzernchef arbeitet seit Jahren an der Lösung zahlreicher Probleme – ohne bislang Ergebnisse liefern zu können.
Nokia war einst auch in den USA die Nummer eins mit einem Marktanteil von über 35 Prozent. Mittlerweile sind die Handys aus Finnland praktisch von der US-Bildfläche verschwunden und der Marktanteil auf unter sieben Prozent abgerutscht. Bei den Smartphones geben RIM und Apple den Takt vor. In einigen Kernmärkten wie Deutschland ist Konkurrent Samsung dem Marktführer gefährlich nahe gerückt. Bei dem Betriebssystem Symbian kommt es immer wieder zu Verzögerungen.

Bei einem der wichtigsten Bausteine für die Wandlung vom Handykonzern zum Komplettanbieter für mobile Internetlösungen, der Webplattform Ovi, geht es mühsam voran. Zehn bis 20 Jahre veranschlagte unlängst Nokia-Manager Tero Ojanperä für den Wandel.
Dass die Finnen anscheinend außerhalb des Konzerns nach einem möglichen Nachfolger suchen, zeigt, wie groß die Probleme sind. Bislang hatten sich die Finnen darauf verlassen, dass einer der langjährigen Nokia-Manager aus dem innersten Führungskreis den Konzern nach vorn treiben werde.
Experten fordern einen Bruch mit der Vergangenheit. „Sie oder er muss ein Gespür für die besten Aspekte der unterschiedlichen Betriebssysteme haben und diese vereinigen können“, sagte Analyst Llamas. Llamas nannte Motorola-Co-Chef Sanjay Jha als ein Beispiel für einen Topmanager, der „ausgezeichnete Arbeit“ bei der Sanierung eines Handyherstellers leiste. Jha war 2008 vom weltgrößten Handychiphersteller Qualcomm zu Motorola gewechselt, um dort den angeschlagenen Handybereich – einst Motorolas Renommiersparte – wieder flottzumachen.
Diesen Artikel bookmarken bei...