Phoenix Solar hat im zweiten Quartal einen Rekordumsatz von 283,6 Mio. Euro erzielt, eine Steigerung von 145,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) schnellte von 0,1 auf 22,3 Mio. Euro nach oben, entsprechend einer von 0,1 auf 7,9 Prozent verbesserten EBIT-Marge. Damit hat Phoenix in einem einzigen Jahresviertel das EBIT des gesamten Vorjahres (12,2 Mio. Euro) deutlich übertroffen. „Das zweite Quartal ist besser ausgefallen, als ich erwartet hatte – vor allem beim Ergebnis“, sagt Phoenix-Chef Andreas Hänel. Aufsummiert über das erste Halbjahr beläuft sich das EBIT auf 27 Mio. Euro.
Getrieben wurde das Geschäft zum einen von der starken Nachfrage im Ausland. Auf den gesamten Umsatz des ersten Halbjahres 2010 entfielen 12,3 Prozent auf das internationale Geschäft, nach einem Anteil von 3,6 Prozent im ersten Halbjahr 2009. Hinzu kam ein Sondereffekt: Aufgrund der Absenkung der Einspeisevergütungen für Solarstrom per 1. Juli zogen viele Kunden ihre Kaufentscheidung vor. Dieser Effekt hat zu einem regelrechten Boom bei Anbietern von Photovoltaikanlagen wie
Phoenix Solar geführt.
Kehrseite der Medaille: Aufgrund der Vorzieheffekte dürfte es im Vergleich zum zweiten Jahresviertel zu einem deutlich schwächeren Verlauf des dritten Quartals 2010 kommen. „Außerdem ist Urlaubszeit. Da kommt es bei uns ohnehin zu einer natürlichen Delle“, so Hänel. An der Börse führten die Sorgen vor einem schwachen dritten Quartal für Verunsicherung: Kurz nach Handelseröffnung brach der TecDAX-Titel um mehr als sechs Prozent ein.
Die Furcht der Anleger, die Wachstumsstory von
Phoenix Solar könne vorbei sein, hält Hänel für übertrieben: „Wir erwarten ein gutes viertes Quartal.“ Da für Anfang 2011 erneut eine Absenkung der Einspeisevergütungen geplant ist, dürfte es dem Manager zufolge im Schlussviertel erneut zu Vorzieheffekten kommen. Zudem wurden Kraftwerksprojekte im Ausland, die wegen der Bündelung von Kapazitäten im Inland ins zweite Halbjahr verschoben wurden, nun planmäßig begonnen.
Aufgrund des hohen Auftragsbestands von 281,7 Mio. Euro zum Halbjahr, des bereits erzielten Umsatzes in den ersten sechs Monaten und der guten Perspektiven für das Schlussviertel dürfte
Phoenix Solar die vor rund einem Monat angehobene Prognose locker erreichen. Diese sieht 660 bis 700 Mio. Euro Umsatz und ein EBIT von 36 bis 40 Mio. Euro vor. Händel schließt selbst eine weitere Erhöhung der Vorhersage nicht aus: „Wir werden die Gesamtjahresprognose nach Ablauf des dritten Quartals erneut auf den Prüfstand stellen.“
Auch für das kommenden Jahr stehen die Ampeln auf Grün: „Nach dem Boomjahr 2010 wird der Photovoltaik-Weltmarkt 2011 wahrscheinlich moderat wachsen.“ Während der deutsche Markt sich allmählich seiner Sättigung nähert, erwartet der Firmenlenker vor allem aus dem Ausland Impulse: „Bis 2013 wollen wir den Anteil der Auslandserlöse am Gesamtumsatz auf 65 Prozent steigern.“ Zum Vergleich: 2010 dürfte Phoenix rund 20 Prozent im internationalen Geschäft generieren. Die USA spielt bei der geplanten Ausweitung des Geschäfts eine große Rolle. Erst vor wenigen Wochen hatte Phoenix den Einstieg in den riesigen Markt verkündet und bereits ab dem kommenden Jahr sollen die ersten Erlöse in den Vereinigten Staaten fließen. Um in dem hart umkämpften Markt bestehen zu können, hat Hänel mehrere Branchenexperten von amerikanischen Konkurrenten abgeworben.
Mit dem heutigen Kursrutsch hat sich die charttechnische Situation der Phoenix-Aktie wieder erheblich verschlechtert. Noch vor wenigen Tagen sah es so aus, als könne der Wert nach oben ausbrechen und sich in den Widerstandsbereich von 43/45 Euro aufmachen. Nun rückt jedoch die Unterstützungszone um 30 Euro in den Blick. Anleger mit Weitblick sollten sich auf diesem Niveau einen Einstieg überlegen. Denn grundsätzlich ist die Story bei
Phoenix Solar vollkommen intakt.
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