Die Zukunft des insolventen Maschinenbauers Rohwedder ist wieder offen. Laut einem Bericht der FTD, ist der kanadische Kaufinteressent ATS Automation Tooling Systems nach derzeitigem Stand abgesprungen.
Weder der zuständige Insolvenzverwalter Volker Grub noch ein Sprecher des kanadischen Unternehmens waren für eine Stellungnahme erreichbar. Bei Rohwedder hieß es lediglich, dass für die kommenden Tage eine Mitteilung geplant sei.
Ein Rückzug von ATS erhöht die Gefahr, dass Rohwedder zerschlagen wird. Dann könnten die einzelnen Geschäftsbereiche an unterschiedliche Käufer gehen. Vor einer Woche hatte Grub erklärt, es gebe mehrere Investoren, die sich für einzelne Unternehmenseinheiten interessierten, und lediglich einen Investor, der Rohwedder komplett übernehmen wolle.
Der Betriebsrat des Automatisierungsspezialisten hatte vor drei Tagen erklärt, dass der Gläubigerausschuss das Angebot des kanadischen Wettbewerbers angenommen habe. ATS äußerte sich dazu nicht, was Beobachter verwunderte. Denn als börsennotierte Gesellschaft muss das Unternehmen Übernahmen öffentlich bekannt machen.
Rohwedder besteht aus mehreren Geschäftsbereichen, die auf unterschiedlichen Gebieten der Automatisierung tätig sind. Die Zentrale sitzt in Bermatingen am Bodensee. Weitere Betriebsstätten befinden sich in Bruchsal, Radolfzell und Lörrach. Für jeden dieser Standorte liegen Einzelangebote vor. Interessenten gibt es zudem für die Auslandsgesellschaften in Finnland und Kanada.
Rohwedder musste Ende März Insolvenz anmelden. Die LBBW als wichtigster Gläubiger hatte dem Unternehmen Ende vergangenen Jahres die Kreditlinie gekündigt. Der Schritt überraschte, da das Institut selbst knapp zwölf Prozent an Rohwedder besitzt. Weiterer großer Anteilseigner ist die Kreissparkasse Biberach mit zehn Prozent. Die Familie des ehemaligen VDMA-Präsidenten Joachim Rohwedder hält 40 Prozent. Die Aktionäre werden ihr Kapital verlieren. Rohwedder war im Jahr 2000 an die Börse gegangen. In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen Verlust gemacht. Die Krise verschärfte die vorhandenen Probleme.
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