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Scheidungskrieg Suzuki zerrt VW vor Gericht

[16:31, 24.11.11]


Das Unternehmen macht ernst: Die Asiaten wollen vor der internationalen Handelskammer erzwingen, dass  Volkswagen die Anteile an den Japanern abgibt. Der deutsche Autobauer stellt sich stur.


Volkswagen Vz
Intraday3 Monate6 Monate1 Jahr3 Jahre
beobachten
Risiko
hoch
WKN
766403
Börsenwert
19.796,11 Mio €
KGV 12e
8,62
Aktueller Kurs
132,20 €
Kurs Erscheinungstag
112,25 €
Veränd. z. Vortag
-1,16 %

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Die beiden tief zerstrittenen Partner  Volkswagen und Suzuki sehen sich vor dem Scheidungsrichter wieder. Der viertgrößte japanische Autobauer reichte am Donnerstag wie angekündigt beim Schiedsgericht der internationalen Handelskammer in London den Antrag auf ein Verfahren ein. Damit soll  VW gezwungen werden, die an Suzuki gehaltenen Aktien an Suzuki oder eine dritte Partei abzugeben.

VW wies erneut alle Vorwürfe über mangelnde Kooperation zurück. "Wir sind sehr enttäuscht über diesen Schritt von Suzuki und können diesen in keinster Weise nachvollziehen", sagte ein Sprecher. Es gebe keinerlei rechtliche Basis, die  VW zwingen könnte, die Aktien zurückzugeben.  Volkswagen werde daher an seinem Anteil festhalten. Dem Verfahren sehe man gelassen entgegen.

Die beiden Autobauer liegen seit Monaten überkreuz und geben sich gegenseitig die Schuld daran, dass ihre vor zwei Jahren mit großen Erwartungen gegründete Partnerschaft keine Früchte trägt. Suzuki will deshalb binnen eines Jahres bis zu 20 Prozent seiner Aktien zurückkaufen, die  VW derzeit hält. Der Wolfsburger Konzern will die Beteiligung jedoch nicht abgeben. Für diesen Fall hatte Suzuki vor knapp einer Woche bereits angekündigt, sich an einen Schlichter zu wenden.

Entscheidung im Sommer

Das Schiedsgericht wird nun zunächst beide Seiten hören. Ein Schiedsspruch wäre für beide Parteien rechtlich bindend und kann vor einem staatlichen Gericht für vollstreckbar erklärt werden. Der Rechtsstreit dürfte nach Meinung von Juristen binnen sechs Monaten entschieden sein. "Sie können davon ausgehen, dass es im Sommer einen Schiedsspruch geben wird", sagte Timo Holzborn von der Münchner Kanzlei Heisse Kursawe Eversheds. Vorteil des Verfahrens sei die Vertraulichkeit. Dagegen bekomme bei staatlichen Gerichten jeder mit, wenn etwas Spektakuläres laufe. Während des Verfahrens habe  VW kaum Möglichkeiten für Verzögerungen. Dies sei allenfalls bei der anschließenden Vollstreckung möglich.

Analysten halten es für möglich, dass  VW das Verfahren hinauszögern wird, um Suzuki daran zu hindern, den Anteil an einen Rivalen wie Fiat weiter zu reichen. Frank Schwope von der NordLB verwies darauf, dass  VW beim schwedischen Lkw-Bauer Scania zehn Jahre Geduld gehabt habe, bevor der Konzern sein Ziel erreichte. "Auch dieses Mal könnten die Wolfsburger die Zeitkarte spielen, zumal sie angesichts der vollen Kassen mit einer Nettoliquidität von gut 21 Mrd. Euro keine finanziellen Sorgen haben." Im Laufe der Jahre könnten die handelnden Personen bei Suzuki wechseln und der Streit in den Hintergrund treten, vermutet der Autoexperte. Ähnlich hatte sich VW-Chef Martin Winterkorn geäußert: "Wenn bei Suzuki die aktuelle Führungsmannschaft nicht mit uns zusammenarbeiten will, dann will es vielleicht die nächste Generation", sagte er unlängst dem "Handelsblatt".

In dem seit Monaten tobenden Rosenkrieg wirft Suzuki  VW Vertragsbruch vor und argumentiert damit, der deutsche Konzern habe ihm den Zugang zu wichtigen Technologien verwehrt. Davor hatte  VW Suzuki seinerseits des Vertragsbruchs bezichtigt, weil die Japaner Dieselmotoren vom italienischen Konkurrenten Fiat bezogen. Als Ursache für den erbittert geführten Schlagabtausch gilt die Furcht des japanischen Familienkonzerns vor einem Verlust an Eigenständigkeit. Denn der mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hatte den japanischen Kleinwagen- und Motorradspezialisten schon als nächste Marke in seinem Riesenreich betrachtet.


Kursinformationen + Charts

Unternehmen ISIN Aktuell Veränderung Details
Volkswagen Vz DE0007664039 132,20 -1,16 %  Detailinformationen

 

© 2011 Reuters

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