Mit einem Gewinn von 777 Mio. Euro verdient der Branchenprimus im dritten Quartal besser als von Analysten prognostiziert. Die Erträge der hauseigenen Investmentbank brechen allerdings ein. Sein Rekordziel für 2011 hat Vorstandschef Josef Ackermann bereits begraben.
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Die
Deutsche Bank hat mit einem Nettogewinn von 777 Mio. Euro das schwächste Quartalsergebnis dieses Jahres hingelegt. Dennoch übertraf das Ergebnis die Erwartungen: Analysten hatten im Schnitt mit etwa der Hälfte gerrechnet. Ein Einbruch der Erträge im Investmentbanking wurde durch steigende Umsätze im Privatkundengeschäft ausgeglichen.
Mit Blick auf die geplante Verschärfung der Eigenkapitalvorschriften für europäische Banken gab Finanzchef Stefan Krause Entwarnung. Die
Deutsche Bank könne die Aufstockung ihres harten Kernkapitals auf neun Prozent der risikogewichteten Bilanzsumme aus eigener Kraft stemmen, sagte er. Dafür sind eine Verkleinerung der Bilanz und Gewinnrücklagen vorgesehen. Nach seinen Berechnungen wird das Geldhaus zum 30. Juni 2012 eine Kernkapitalquote von 9,1 Prozent aufweisen. "Deshalb sind wir so gewiss, dass wir keine öffentlichen Gelder brauchen."
Bankchef Josef Ackermann verglich die jüngsten Marktturbulenzen mit der Zeit nach der Pleite der US-Investmentbank
Lehman Brothers vor drei Jahren, als die Finanzkrise ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte. "Im dritten Quartal war das operative Umfeld so schwierig wie seit dem Jahresende 2008 nicht mehr", sagte der Schweizer. Profitiert habe das Geldhaus aber von der "Steigerung der Ergebnisbeiträge aus dem 'klassischen' Bankgeschäft".
Die
Deutsche Bank hatte zu diesem Zweck im vergangenen Jahr die Mehrheit an der
Postbank übernommen. Der Anstieg der Erträge im Privatkundengeschäft auf 3,3 Mrd. Euro, ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, geht praktisch vollständig auf diese Übernahme zurück. Vor einem Jahr war die
Deutsche Bank noch nicht Mehrheitseignerin der
Postbank, gleichzeitig bescherte ihr eine Abschreibung auf ihre Anteile damals einen Verlust von netto 1,2 Mrd. Euro.
Im zurückliegenden Quartal dagegen leistete das Privatkundengeschäft mit einem Vorsteuerergebnis von 495 Mio. Euro den größten Beitrag zum Konzerngewinn - trotz einer 185 Mio. Euro schweren Abschreibung auf griechische Staatsanleihen in den Büchern der
Postbank.
Rückschlag für den designierten Co-Chef Jain
Einen schweren Rückschlag erlitten dagegen die Investmentbanker unter Ackermanns designiertem Nachfolger Anshu Jain , der ab dem Frühjahr 2012 gemeinsam mit Deutschlandchef Jürgen Fitschen eine Doppelspitze bilden soll. Die Abteilung Corporate & Investment Bank verdiente vor Steuern 329 Mio. Euro - ein Rückgang um gut 60 Prozent gegenüber dem Vojahresquartal.
Verursacht wurde der Einbruch unter anderem durch eine Sonderbelastung: Wegen eines Skandals im Handel mit Emissionsrechten verzichtete die Bank vorerst auf die Rückerstattung von Umsatzsteuern aus dem Geschäft, das Gegenstand eines Prozesses vor dem Frankfurter Landgericht ist. Die Angeklagten arbeiteten nicht für die
Deutsche Bank, verkauften dem Geldhaus aber Emissionszertifikate.
Finanzvorstand Krause sagte, bis zur Klärung der Rechtsfragen werde die Bank ihre Umsatzsteueransprüche von 310 Mio. Euro nicht geltend machen. Man behalte sich je nach Ausgang des Prozesses aber vor, die Steuer später zurückzufordern.
Insgesamt gingen die Erträge der Investmentbank um 29 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro zurück. Allein im Aktienhandel brachen die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 41 Prozent ein. Die Erträge im übrigen Wertpapierhandel schrumpften um 34 Prozent, was die
Deutsche Bank auf das schwache Anleihegeschäft zurückführte. Der Handel mit Devisen und Rohstoffen sei dagegen deutlich besser gelaufen als im Vorjahr. Die Erträge aus Gebühren für die Emission von Aktien und Anleihen sowie dem Beratungsgeschäft gingen um ein Drittel zurück. Gut entwickelte sich lediglich das sogenannte Global Transaction Banking, das Dienstleistungen für Unternehmen wie etwa die Finanzierung von Handelsgeschäften umfasst.
Wegen der schlechten Entwicklung des Kapitalmarktgeschäfts hatte die
Deutsche Bank bereits zu Monatsbeginn ihr Rekordziel für 2011 aufgegeben. Der ursprünglich angepeilte Vorsteuergewinn von 10 Mrd. Euro im operativen Geschäft sei nicht mehr in Reichweite, teilte Ackermann damals mit. In den ersten neun Monaten dieses Jahres verdiente das Institut vor Steuern 4,1 Mrd. Euro. Die Eigenkapitalrendite ging von 18,3 Prozent im Vorjahreszeitraum auf 14,3 Prozent zurück.
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