Die
Software AG will Wachstums- und Innovationsschwäche mit Übernahmen parieren. Auch nach der rund 487 Mio. Euro teuren Übernahme von
IDS Scheer setzt das Unternehmen auf Zukäufe. Kandidaten sieht man nur noch im Ausland.
Software
beobachten
Börsenwert
2.567,22 Mio €
Kurs Erscheinungstag
82,83 €
Mehr zum Thema
Aktienanalyser
Die Aktien im Branchen-vergleich:
Klicken Sie hier
Sie möchten weitere Branchen analysieren?
Dann klicken Sie hier
Money-Management
Mit dem Money-Management-Tool von BÖRSE ONLINE handeln Sie wie Profis.
Der für den Börsenerfolg entscheidende Kapitaleinsatz wird blitzschnell
berechnet.
Klicken Sie hier
„Wir wollen alle zwei bis vier Jahre eine größere Softwarefirma kaufen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Streibich der FTD. Diese Strategie begründet er unter anderem mit der Zukunftssicherung des Unternehmens: „Hier gilt das Sprichwort: Größe ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Größe.“ Zudem will der Manager eine „global relevante IT-Firma“ aufbauen.
Die
Software AG (SAG) ist nach
SAP der zweite bedeutende deutsche Anbieter von Unternehmenssoftware und IT-Consulting-Dienstleistungen. Bei Umsatz, Produktportfolio und internationaler Schlagkraft steht SAG jedoch im Schatten des Marktführers. Streibich reagiert mit seiner aggressiven Einkaufstour auf ein Dilemma. Das organische Wachstum von SAG pendelt im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Zudem kommen Innovationen eher von neuen IT-Firmen. Schon länger bestehende Unternehmen tun sich hingegen schwer mit durchschlagenden Neuheiten.
Deshalb kaufen auch die ganz großen Anbieter in der Unternehmenssoftware-Branche wie
SAP und vor allem Oracle ständig junge Firmen. Oracle-Chef Larry Ellison dürfte hier so etwas wie ein Vorbild für Streibich sein. Der US-Konzern hat die Integration von übernommenen Firmen, gleich welcher Größe, quasi automatisiert und so zusätzliche Geschäftsfelder besetzt.
„Man kauft auch Innovationen zu, gewinnt so Zeit und zudem neue Märkte“, sagte der 57-jährige Manager. Der schwierigste Weg sei es, neue Produkte für neue Kundengruppen selbst zu entwickeln: „Akquisitionen sind daher elementarer Bestandteil der unternehmerischen Entwicklung.“ In den vergangenen drei Jahren hat die
Software AG sieben Firmen gekauft, die Transaktionsvolumina summieren sich auf mehr als 1,2 Mrd. Dollar. Mehr als 4000 Mitarbeiter wurden übernommen.
Streibichs Ziele sind ambitioniert: Der nächste große Zukauf soll beim Umsatz möglichst größer sein als der vorherige. Demnach kann es nach der Übernahme von
IDS Scheer aus Saarbrücken in Deutschland keinen IT-Zukauf von Gewicht mehr geben. Auf die Frage nach neuen Akquisitionszielen wich Streibich aus: „Dies hängt vom Produkt, von der Opportunität und vom Kaufpreis ab.“ Fest stehe aber, dass der Konzern seinen Schwerpunkt in der Integration und Überwachung von Geschäftsprozessen, Datenbankprodukten sowie der IT-Beratung behalten werde. „Wir gehen aus heutiger Sicht nicht in das Applikationsgeschäft“, so Streibich. Gleichwohl soll sich der Konzernerlös alle fünf bis sechs Jahre verdoppeln.
SAG hat nach eigenen Angaben stets potenzielle Übernahmeziele im Blick. Streibich ließ keinen Zweifel daran, dass das größte Wachstum außerhalb Deutschlands liege, auch in den USA. „Neue Märkte und neue Kunden finden wir insbesondere im Ausland“, stellte er fest. Vor dem Kauf von
IDS Scheer habe der Auslandsumsatz bereits bei 90 Prozent gelegen. Am Konzernsitz in Darmstadt, wo rund 700 der knapp 5800 Mitarbeiter sitzen, wird vor allem an den schon gut eingeführten Produkten gearbeitet. Neue Entwicklungen stammen hingegen zumeist von den SAG-Niederlassungen etwa in Indien oder Rumänien.

Ende Juni lasteten 265 Mio. Euro Finanzschulden auf SAG, die vor allem aus der Übernahme von
IDS Scheer resultierten. Bislang konnte das Unternehmen seine Übernahmen ohne Kapitalerhöhungen stemmen. „Ob wir das auch künftig so durchhalten, weiß ich nicht“, sagte Streibich. „Es ist aber immer unser Ziel, möglichst die Aktien nicht zu verwässern.“ Es sei stets auch wesentlich, die Akquisitionen komplett in dem Konzern aufgehen zu lassen. „Wir wollen keine Finanzholding sein“, sagte der Vorstandschef.
Die vollständige gesellschaftsrechtliche Integration von
IDS Scheer bewertete der Vorstandschef als Geduldsprobe. Der insgesamt eineinhalb Jahre währende Prozess habe Zusatzkosten von bis zu 10 Mio. Euro verursacht. Deutlich besser sei die betriebliche Integration von
IDS Scheer verlaufen, versicherte der Konzernchef. Die Synergieeffekte etwa in der Verwaltung bezifferte er auf rund 25 Mio. bis 30 Mio. Euro, nach dem Zusammenschluss der beiden Firmen gewännen sie auch schneller neue Projekte von externen Kunden.
Streibichs forscher Akquisitionskurs dürfte auch darauf zurückzuführen sein, das eigene Unternehmen vor der Übernahme durch einen Konkurrenten zu schützen. Hilfreich beim Widerstand gegen solche Attacken dürfte auch sein, dass knapp 30 Prozent der Aktien von der Stiftung des Unternehmensgründers Peter Schnell gehalten werden. Die Stiftung unterstützt Projekte in den Bereichen Erziehung, Bildung, Altenhilfe und biologischer Landbau.
Diesen Artikel bookmarken bei...