Der angeschlagene Solarkonzern
Conergy muss seine Führungsspitze schnell neu besetzen. Das Unternehmen teilte am Sonntag mit, dass Finanzvorstand Sebastian Biedenkopf zum Februar 2012 gekündigt habe. "Die nächsten Monate stehe ich dem Unternehmen unverändert zur Verfügung", erklärte Biedenkopf auf Nachfrage, der das Unternehmen seit einem Jahr ohne formalen Titel auch führt. Damit verliert
Conergy zwar nicht sofort seinen derzeit wichtigsten Manager. Dem Aufsichtsrat bleiben aber nur rund vier Monate für die Lösung des Personaldilemmas.
Möglich ist die rasche Kündigung durch ein Sonderrecht, das Biedenkopf im Zuge des im Juli vollzogenen Umbaus der Eigentümerstruktur eingeräumt wurde. Mehrere Banken und Hegde-Fonds hatten das Unternehmen in einer spektakulären Aktion vor der Überschuldung bewahrt - dafür aber auch ihren Einfluss massiv ausgebaut. Durch den Tausch von Schulden in Anteile hält das Retterkonsortium gut 61 Prozent an dem Unternehmen. So setzte es bei der Conergy-Hauptversammlung im August durch, dass der Aufsichtsrat komplett ausgetauscht wurde.
Schon der alte Aufsichtsrat hatte sich auf die Suche nach einem neuen Unternehmenschef begeben und sich noch im August optimistisch gezeigt, bald fündig zu werden.
Biedenkopf, Sohn des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf, führt
Conergy nach dem Ausscheiden des früheren Chefs und Gründers Dieter Ammer nur kommissarisch. Alexander Gorski kümmert sich als einziges weiteres Vorstandsmitglied um das operative Geschäft. Gorski ist seit 2009 im Unternehmen und erst seit diesem Frühjahr im Vorstand.
"Ich werfe nicht einfach hin, sondern mache von dem vereinbarten Sonderkündigungsrecht Gebrauch", sagte Biedenkopf. In einer solchen Konstellation sei es immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Der 47-Jährige fügte hinzu: "Aber dreieinhalb Jahre Restrukturierung in dieser Branche sind eine lange Zeit. Nach erfolgreich abgeschlossener Refinanzierung halte ich den Zeitpunkt für geeignet."
Conergy, einst ein Star der Erneuerbare-Energien-Branche, hat in den vergangenen Jahren eine spektakuläre Talfahrt erlebt. Die Aktie notierte zuletzt nur noch bei 0,29 Euro. Zu Hochzeiten lag der Wert bei fast 190 Euro.
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