Mit dem Verkauf der Mobilfunkchipsparte an den US-Chipriesen
Intel schrumpft
Infineon weiter zum Nischenanbieter. Die volle Kasse macht den deutschen Chipkonzern anfällig für Übernahme.
Infineon Technolo N
beobachten
Börsenwert
6.726,96 Mio €
Kurs Erscheinungstag
4,58 €
Veränd. z. Vortag
-0,34 %
Mehr zum Thema
Aktienanalyser
Die Aktien im Branchen-vergleich:
Klicken Sie hier
Sie möchten weitere Branchen analysieren?
Dann klicken Sie hier
Money-Management
Mit dem Money-Management-Tool von BÖRSE ONLINE handeln Sie wie Profis.
Der für den Börsenerfolg entscheidende Kapitaleinsatz wird blitzschnell
berechnet.
Klicken Sie hier
Der Münchner DAX-Konzern kommt künftig nur noch auf gut 3 Mrd. Euro Jahresumsatz. Der mit
Intel vereinbarte Kaufpreis von 1,1 Mrd. Euro wird dafür Infineons ohnehin übervolle Kasse weiter aufblähen, auf mehr als 2,6 Mrd. Euro. Infineon-Chef Peter Bauer blieb gestern konkrete Antworten auf die Frage schuldig, wo
Infineon die Milliarden sinnvoll ausgeben könnte.
Nach monatelangen Verhandlungen haben sich
Infineon und
Intel am Wochenende auf den Deal geeinigt. Der Preis für die zuletzt profitable und stark wachsende Sparte lag eher am unteren Rand der Analystenerwartungen. So war die Infineon-Aktie gestern mit einem Kursminus von 3,69 Prozent auf 4,44 Euro größter Verlierer im DAX. Analysten lobten gleichwohl, Bauer habe das Geschäft nahe dem Höhepunkt des Branchenzyklus' verkauft. „Es gibt wenige Unternehmen, die das schaffen“, sagte ein Analyst, der nicht genannt werden wollte. Der Abschluss der Transaktion ist für Anfang 2011 geplant.
Mit dem Verkauf gibt
Infineon etwa 30 Prozent des Umsatzes auf, der in diesem Jahr um bis zu 50 Prozent auf knapp 4,5 Mrd. Euro wachsen soll. Bislang elftgrößter Chiphersteller weltweit, liegt
Infineon damit künftig nicht einmal mehr in den Top 15. In Branchenkreisen heißt es, ohne größere Akquisition werde
Infineon zum Übernahmekandidat. Unter anderem gilt der russische Technologiekonzern Sistema als hoch interessiert, doch ist er bislang in München stets abgeblitzt.
Was
Infineon so attraktiv macht: Ein Aufkäufer könnte Infineons Börsenwert von 5 Mrd. Euro zu einem Gutteil aus der Kasse des DAX-Konzerns bezahlen. Denn inklusive der 1,1 Mrd. Euro aus dem Intel-Deal wird
Infineon über eine Nettoliquidität von rund 2,2 Mrd. Euro (nach Abzug von Schulden) verfügen.
Bauer zufolge ist der Konzern auf den verbleibenden Märkten, in denen er tätig ist, immerhin die Nummer eins: bei Chips für Autos, Energieeffizienz sowie Sicherheitschips. „Wir werden unsere Investitionen nun auf unsere drei Kernbereiche konzentrieren“, sagte er. „Selbstverständlich sind auch Zukäufe oder Kooperationen vorstellbar.“ Konkret liegt jedoch offenbar nichts an. „Wir sind nicht in Verhandlungen“, so der Infineon-Chef. Er sieht
Infineon „nicht unter Zeitdruck, angesichts der hohen Bewertungen am Markt.“ In der jungen Unternehmensgeschichte seit der Trennung von
Siemens 1999 hatte
Infineon keine glückliche Hand mit Akquisitonen.
Auch eine Dividende wollte Bauer nicht versprechen. Dies werde nach Feststellung der Bilanz im November entschieden. Gelingen dem Infineon-Chef auf Dauer keine Zukäufe, dürften die Aktionäre schnell eine Sonderausschüttung fordern.
2006 hatte
Infineon in der Spitze noch knapp 8 Mrd. Euro umgesetzt. Später wurde das Speicherchipgeschäft in der Tochter Qimonda abgespalten und ging 2009 pleite. 2009 verkaufte Bauer für 250 Mio. Euro die Chips für drahtgebundene Kommunikation an einen Finanzinvestor.

Intel will mit der Übernahme groß in den boomenden Markt für Smartphones und Handys einsteigen. Der US-Konzern werde die Sparte als eigenständiges Geschäftsfeld weiterführen und kräftig investieren, kündigte Intel-Manager Anand Chandrasekher an. „Wir schließen mit der Übernahme eine strategische Lücke. Wir wollen mit dem Segment aufsteigen, womöglich bis zum Marktführer.“
Intel übernimmt von
Infineon die 2900 Mitarbeiter der Sparte sowie 500 Beschäftigte aus der zentralen Verwaltung. Stellen würden keine abgebaut, versicherte Chandrasekher.
Mit Abschluss der Transaktion wird auch der zuständige Infineon-Vorstand Hermann Eul zu
Intel wechseln. Das ist nicht ohne Brisanz, da Eul den Deal federführend verhandelt hat. „Wir sind alle begeistert, unser Geschäft bei
Intel unter anderen Rahmenbedingungen in eine andere Liga führen zu können, als das bei
Infineon möglich gewesen wäre“, begründete der langjährige Infineon-Manager seinen Schritt.
„Sich langfristig in diesem Markt zu behaupten, erfordert sehr hohe Investitionen“, ergänzte Bauer. Im Vergleich zu Infineons verbleibenden Geschäftsfeldern schwankt zudem die Nachfrage nach Mobilfunkchips stark und birgt hohe Risiken. So profitiert
Infineon zwar derzeit stark vom enormen Markterfolg der Apple-Produkte iPhone und iPad. Da Apple mit einem Anteil von 40 Prozent der mit Abstand wichtigste Kunde der Sparte ist, birgt dies aber auch relativ große Risiken. Die Münchner hatten gleichwohl angestrebt, an dem Geschäft über ein Gemeinschaftsunternehmen noch beteiligt zu bleiben. Dies kam für
Intel aber nicht infrage, wie der Chef von
Intel Capital, Arvind Sodhani, sagte.
Infineons Mobilfunkchipsparte stand 2006 vor der Schließung, nachdem mit der ehemaligen Siemens-Handy-Sparte BenQ Mobile der größte Kunde pleite gegangen war. Seither musste
Infineon rund 500 Mio. Euro Verluste verkraften, bis die Sparte mit neuen Produkten und Kunden zum weltweit drittgrößten Spieler aufstieg. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2009/10 stieg der Umsatz um 35 Prozent auf 883 Mio. Euro, bei einem operativen Gewinn von 50 Mio. Euro.
Empfehlen