Die großen deutschen Energiekonzerne drücken immer neue Sparwellen durch.
RWE, die Nummer zwei der Branche, plant zusätzliche Kosteneinschnitte im Umfang von 1 Mrd. Euro jährlich. "Der Vorstand hat diese Plangröße beschlossen", sagte eine Konzernsprecherin am Wochenende und bestätigte damit einen Bericht des "Spiegel". Damit geht nach FTD-Informationen der Abbau von mindestens weiteren 3500 Arbeitsplätzen einher. Die Zahl könnte am Ende auch deutlich höher liegen.
Marktführer Eon hat bereits vor Monaten die Streichung von 11.000 Jobs angekündigt.
RWE zieht nun nach und übertrifft dessen Kürzungsprogramm sogar. Die neuen Stellenstreichungen kommen zusätzlich zum Abbau von 8000 RWE-Jobs durch Beteiligungsverkäufe und Rationalisierung. Damit sollen die Kosten bereits um 1,5 Mrd. Euro jährlich sinken. Auch die kleineren Stromerzeuger Vattenfall und EnBW sind auf Schrumpfkurs gegangen.
Der künftige RWE-Chef Peter Terium signalisiert den Investoren mit der Aufstockung des Sparziels, dass sein Konzern bei der operativen Rendite mit Eon mithalten will, obwohl das lukrative Kernkraftgeschäft in Zukunft wegfällt. Terium tritt zur Jahresmitte die Nachfolge von Jürgen Großmann an. Der Vorstand, der die neuen Kürzungen bereits im Dezember beschlossen habe, stehe hinter der Verschärfung des Sparkurses, hieß es. Das Konzept mit dem sperrigen Titel "Programm für die Zukunft unseres Konzerns" sei inzwischen auch der Leitungsebene, dem Betriebsrat und den Vorständen der operativen Gesellschaften vorgestellt worden. Der Plan mache keine expliziten Vorgaben zum Stellenabbau. "Wir diskutieren jetzt die Ziele mit den operativen Vorständen. Die Umsetzung liegt bei ihnen", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Das zusätzliche Sparprogramm soll in den Jahren 2013 und 2014 umgesetzt werden. Nach Teriums Plan soll
RWE darüber hinaus den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben. Bislang hat der Konzern rund 1 Mrd. Euro jährlich für Investitionen in neue Wind- oder Biomassekraftwerke eingeplant. Details der zweiten Stufe des Konzernumbaus will der RWE-Vorstand Anfang März präsentieren, wenn er seine Bilanz für das Jahr 2011 vorlegt.
Zusätzlich zu den Kostensenkungen schrumpft
RWE durch die Trennung von Tochterfirmen. Der scheidende Konzernchef Jürgen Großmann hatte den Verkauf von Beteiligungen im Wert von 11 Mrd. Euro bis Ende 2013 angekündigt. Damit sollen die Schulden so weit reduziert werden, dass die Kreditwürdigkeit von
RWE weiter mit der Note "A" bewertet wird.
Die Experten von
HSBC stuften die Aktien des Stromversorgers am Montag auf "Neutral" von "Underweight" hoch und hoben das Kursziel auf 32 von 28 Euro an. LBBW-Analyst Bernhard Jeggle schrieb in einem Kommentar, er denke angesichts des überraschend hohen Volumens der zusätzlichen Einsparungen über eine Anhebung seiner Prognosen nach. Sebastian Kauffmann, Analyst von Cheuvreux, bestätigte die RWE-Aktie mit „Selected List“ und sieht das Kursziel sogar bei 38 Euro - 17 Prozent über dem aktuellen Kurs von 32,30 Euro. Auch die Experten der
UBS haben ihre Einschätzung nach dem aggressiven Kostensenkungsprogramm überarbeitet. Bisher lautete das Votum „Neutral“, nun werden die Papiere mit „Buy“ eingeschätzt. Das Kursziel wurde deutlich von 29 auf 36 Euro nach oben genommen. RWE-Aktien setzten sich mit einem Plus von 2,3 Prozent an die Spitze des DAX.
Empfehlen