Die Finanzaufsicht BaFin hat wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit Aktien des Immobilienunternehmens
Gagfah Anzeige erstattet. Die Untersuchungen der Behörde seien abgeschlossen, und der Verdacht habe sich bestätigt, gab die Behörde am Donnerstag bekannt.
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Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf übernimmt nun die strafrechtlichen Ermittlungen in dem Fall. Ein Gagfah-Sprecher teilte mit, es werde gegen fünf Personen ermittelt.
Besonders für
Gagfah-Chef William Brennan dürfte es nun eng werden: Er hatte im Februar Aktien der Immobilienfirma im Wert von rund 4,7 Mio. Euro verkauft.
Vier Wochen später beschuldigte die Stadt Dresden den Konzern, sich beim Kauf von städtischen Wohnungen nicht an die Verträge gehalten zu haben. Sie fordert eine Vertragsstrafe von rund 1 Mrd. Euro. Der Aktienkurs des Konzerns stürzte anschließend binnen vier Wochen um ein Drittel ab.
Ermittlungen wegen Insiderhandels sorgen unter Anlegern in der Regel zwar für Aufsehen - allerdings münden in Deutschland nur die wenigsten Untersuchungen in eine Anzeige der Aufsicht wie im aktuellen Fall. Selbst wenn es zur Anklage kommt, gibt es nur in den wenigsten Fällen ein strafrechtliches Urteil. Das belegen Zahlen aus dem Jahresbericht der BaFin für 2010. Im vergangenen Jahr hat die Behörde demnach 1100 routinemäßige Untersuchungen eingeleitet.
Nur 34 davon mündeten in formelle Untersuchungen wegen Insiderhandels. Zehn dieser Fälle übergab die BaFin für weitere Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft. Laut Statistik der Staatsanwaltschaften mündeten von 69 abgeschlossenen Insiderverfahren im Jahr 2010 wiederum nur elf in einer Verurteilung.
Die Zahlen zeigen, dass die Justiz bei der Vereitelung und Verfolgung von Insiderverstößen immer wieder auf Probleme stößt. Zwar ist der Tatbestand selbst eindeutig definiert: Insiderhandel liegt dann vor, wenn eine kursrelevante Informationen über ein Unternehmen, die nicht jedem Anleger zur Verfügung steht, von einzelnen Personen ausgenutzt wird.
Diese Vorgabe in gängiges Recht zu verwandeln ist jedoch komplizierter: So ist zum Beispiel nach wie vor nicht eindeutig geklärt, wer überhaupt den Status eines Insiders hat und was genau eine Insiderinformation ist.
Im Falle einer Klage kommt es zu einem "Blutbad"
Zudem streiten Juristen über die Frage, ob erst die Verwendung einer kursbeeinflussenden Information ein Insidergeschäft darstellt oder ob es bereits reicht, die Information zu besitzen, um sich strafbar zu machen. Darüber hinaus stößt die Justiz häufig an Grenzen, wenn es darum geht, Verdächtigen beim Insiderhandel Vorsatz nachzuweisen.
In einer Stellungnahme gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte der Gagfah-Verwaltungsrat, ihm seien nach eigenen Untersuchungen "keine Tatsachen" bekannt geworden, "welche den Verdacht einer Straftat begründen". Verwaltungsrat und Geschäftsführung würden mit den Behörden kooperieren.
Unabhängig von den weiteren Ermittlungen rückt das Verfahren Konzernchef Brennan in ein ungünstiges Licht: Er stand in den vergangenen Monaten in der Kritik, viele Anleger zogen nach und nach ihr Geld ab - darunter auch Großinvestoren wie die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS und der Fondsanbieter
Allianz Global Investors. Ein Grund für das Misstrauen der Investoren war das Vorgehen bei der Klage Dresdens, schon bevor der Verdacht wegen Insiderhandels aufkam.
Gagfah hatte den früheren Fortress-Deutschland-Chef Matthias Moser nach Dresden geschickt, der der Stadt in einem Interview drohte, es werde im Falle einer Klage zu einem "Blutbad" kommen.
Darüber hinaus muss die
Gagfah Schulden in Milliardenhöhe refinanzieren, was in der sich zuspitzenden Bankenkrise zunehmend schwierig wird. Im September hat das Unternehmen 5000 Wohnungen in Berlin an den Konkurrenten GSW verkauft. Zudem hat die im Oktober 2006 an die Börse gegangene
Gagfah zuletzt mitgeteilt, sie erwäge einen Rückzug vom Parkett.
Sturzflug
Gefallen Seit dem Börsengang im Oktober 2006 zu 19 Euro hat die Gagfah-Aktie 76 Prozent an Wert verloren. Schon der Erlös des Börsengangs, bei dem ein Fünftel der Aktien platziert wurde, floss seinerzeit komplett an den Finanzinvestor Fortress.
Kassiert Seit dem Börsengang flossen kumuliert 3,84 Euro je Aktie an Dividenden an die Aktionäre - also auch an Fortress, das noch immer mit rund 60 Prozent beteiligt ist. Seit Jahresbeginn sind die Dividendenzahlungen aber ausgesetzt.
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