"Wir schaffen die führende Börsengruppe der Welt", triumphierte vor einem Jahr Duncan Niederauer. Da hatte der Chef der New Yorker
Nyse Euronext gerade die erste Vereinbarung über einen Zusammenschluss mit der
Deutschen Börse unterzeichnet. Deren Vorstandsvorsitzender Reto Francioni sprach von einer "Win-win-Situation für beide Unternehmen und beide Standorte".
Doch inzwischen sieht es aus, als würde nichts aus der Megabörse. Die EU-Kommission als oberste europäische Wettbewerbsbehörde wird den Zusammenschluss am Mittwoch voraussichtlich untersagen. Schon bei einem Vortreffen in der vergangenen Woche hatte sich eine Mehrheit der 27 Kommissare gegen die Fusion ausgesprochen.
Der federführende Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia kritisiert, das neue Unternehmen hätte ein Monopol im europäischen Derivatehandel inne. Deutsche und New Yorker Börse würden zusammen mehr als 90 Prozent der börslich gehandelten Derivate in Europa auf sich vereinen.
Derivate sind Verträge, mit denen Handelspartner Wetten auf die Kursentwicklung eines zugrundeliegenden Werts wie beispielsweise einer Aktie oder eines Rohstoffs abschließen. Ein Großteil dieser Papiere wird allerdings überhaupt nicht an der Börse, sondern direkt zwischen den beteiligten Parteien gehandelt.
Gerade im Derivatehandel brächte die Fusion große Einsparungen
Trotzdem machte Almunia eine Zustimmung zu dem Zusammenschluss bis zuletzt davon abhängig, dass die Fusionspartner eine ihrer für den Derivatehandel zuständigen Tochtergesellschaften verkaufen. Es handelt sich um die Eurex mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt und die Londoner Nyse-Tochter Liffe. Gerade vom Zusammenschluss dieser beiden Handelsplätze erhofften sich Francioni und Niederauer aber große Kosteneinsparungen - weshalb sie sich gegen einen Verkauf sperrten. Sie boten allerdings an, das Aktienderivate-Geschäft der Liffe abzustoßen.
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