"Jetzt wird zunehmend auch bei den Arzneimitteln gespart. Die Schuldenkrise drückt deshalb auf unsere Margen", sagte Dekkers dem "Tagesspiegel" (Montagausgabe). "Neben dem Preisdruck bei HealthCare schwächt sich die Nachfrage nach unseren Kunststoffen ab."
Der Bayer-Chef bemängelte die schwache Zahlungsmoral in den europäischen Schuldenstaaten. "Dieses Problem haben wir besonders in Griechenland, Italien und Spanien. Insgesamt liegen die Außenstände bei einem signifikanten dreistelligen Millionenbetrag. Die Länder haben die Zahlungsfristen zum Teil schon um ein Jahr überschritten", sagte Dekkers.
Vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise hat
Bayer seine liquiden Mittel zuletzt massiv aufgestockt. Mit etwa 3,8 Milliarden Euro ist der Liquiditätspuffer etwa fünfmal so hoch wie in Nichtkrisenzeiten. Dennoch warnte Dekkers vor Schwarzmalerei. "Die aktuelle Krise ist für die Wirtschaft höchstens halb so schlimm wie vor drei Jahren", sagte er. "Nach der Lehman-Pleite herrschte reine Panik."
Trotz der Verlangsamung des chinesischen Wirtschaftswachstums ist Dekkers für die Bayer-Geschäfte in der Volksrepublik weiter zuversichtlich. "China hat noch so viel Bedarf. Ich wüsste nicht, was unser Umsatzwachstum dort bremsen sollte."
Größere Zukäufe plane
Bayer trotz der prall gefüllten Konzernkasse nicht. "Künftig wollen wir vor allem organisch wachsen, unterstützt von eher kleineren Akquisitionen", bekräftigte Dekkers.
Wenig besorgt zeigte sich der Bayer-Chef über die Kritik an den Anti-Baby-Pillen Yasmin und Yaz in den USA. Ein von der US-Gesundheitsbehörde FDA beauftragtes Beratergremium von Medizinexperten hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass Risiken und Vorteile der Pillen in den aktuellen Beipackzetteln nicht adäquat wiedergegeben würden. Die Expertenanhörungen der FDA hätten "mehrheitlich bestätigt, dass der Nutzen dieser Kontrazeptiva potentielle Risiken überwiegt", sagte Dekkers. Jetzt werde
Bayer die endgültige Entscheidung der FDA abwarten und gegebenenfalls die Produktinformation anpassen.
Die Produktfamilie um die Pillen Yasmin, Yaz und Yasminelle brachte dem Unternehmen 2010 weltweit 1,1 Milliarden Euro Umsatz ein. Damit war sie die zweitumsatzstärkste Produktklasse nach dem Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon. In den USA kam
Bayer allein mit der Pille Yaz nach Daten von IMS Health trotz der Konkurrenz durch Nachahmerpräparate noch auf 374 Millionen Dollar Jahresumsatz.
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