Warren Buffett ist ein Schlitzohr. Heimlich kaufte die Investmentlegende seit vergangenem März Aktien des amerikanischen Traditionskonzerns
IBM. Kaum jemand wusste etwas davon, noch nicht einmal die Konzernführung. Dann, am Montag, ließ Buffett die Bombe platzen: Er habe rund 64 Millionen Papiere im Wert von 10,7 Mrd. Dollar erworben. Das vorläufige Ziel sei damit erst einmal erreicht, doch er werde weiter hinzukaufen, wenn sich die Aktie wieder verbillige. Damit hält Buffett nun 5,5 Prozent der Anteile an dem Traditionsunternehmen und ist nach Daten des Finanzdienstleisters Thomson Reuters gemeinsam mit State Street Global Advisors größter Aktionär des Konzerns.
Auf den ersten Blick überrascht Buffetts Einstieg in die Technologiebranche. Bisher hat der US-Milliardär vor allem in Unternehmen investiert, deren Geschäft er auch versteht, zum Beispiel Konsumgüterhersteller wie
Coca Cola, Versicherer wie Munich Re oder Finanzdienstleister wie Wells Fargo. Auf den zweiten Blick ist seine Entscheidung aber nachvollziehbar, denn
IBM kann in vielen Punkten überzeugen, wie die jüngsten Geschäftszahlen des weltgrößten IT-Dienstleisters zeigen. Der Umsatz erfüllte zwar die Erwartungen der Analysten und stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 26,2 Mrd. Dollar. Doch verkündete
IBM, es seien im Berichtsquartal Dienstleistungs-Verträge im Volumen von 12,3 Mrd. Dollar abgeschlossen worden – ein positiver Indikator für künftige Geschäfte.
IBM wird wegen seines Logos und des Börsenwerts auch „Big Blue“ genannt. Die Marktkapitalisierung liegt bei insgesamt mehr als 220 Mrd. Dollar – damit ist
IBM zusammen mit Apple und
Microsoft eines der wertvollsten Technologieunternehmen der Welt.
Vor allem aus den Schwellenländern kommt laut Konzernchef Samuel Palmisano eine hohe Nachfrage nach Software, Rechnern und IT-Dienstleistungen.
IBM erhöhte daher für das Gesamtjahr die Gewinnprognose und erwartet nun mindestens 13,35 Dollar je Aktie. Im Juli war der Dell-Konkurrent noch von mindestens 13,25 Dollar je Anteilsschein ausgegangen.
Besonders in den vergangenen Monaten hat sich die IBM-Aktie prächtig entwickelt. Seit Ende August hat der Titel rund 18 Prozent an Wert gewonnen. Angesichts der starken Nachfrage besonders nach sogenannten Cloud Services, also Dienstleistungen im Internet, dürfte der Aufwärtstrend anhalten. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Gartner werden Unternehmen in den kommenden sechs Jahren mehr als 112 Mrd. Dollar für entsprechende Angebote ausgeben – auch das spricht aus Anlegersicht für die Aktie.
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