Der Konjunkturmotor erlahmt, im ersten Quartal droht ein Wachstumseinbruch. Die Wirtschaftsauguren befürchten, dass Europa in eine Rezession rutscht. Diese Sorgen belasten vor allem zyklische Aktien, zu denen Logistiker gehören. Die Papiere von VTG haben seit Sommer ein Drittel an Wert verloren. Der Analyst Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe hält die Kursschwäche aber für fundamental nicht gerechtfertigt: „Das Unternehmen ist nicht zyklisch und unterliegt in der Waggonvermietung anderen Treibern als klassische Logistiker.“
Der Analyst bestätigt die Kaufempfehlung, senkt allerdings das Kursziel auf 18 Euro, was unter anderem die Ergebnisbelastungen aus einer Umfinanzierung spiegelt. Die letzte Wirtschaftskrise habe gezeigt, dass die Auslastung nur graduell zurückgehe, ohne die Profitabilität zu gefährden, stellt Hein klar und verweist darauf, dass die Mietverträge für Waggons im Schnitt drei Jahre laufen. Daher gäben Kunden bei kurzfristigen Auslandsschwankungen die Waggons nicht zurück. Der Experte sieht keine Anzeichen für eine Abschwächung des Geschäfts in diesem Bereich. In der Tankcontainerlogistik lässt die Dynamik in Asien zwar nach, was aber „kein dramatischer Einbruch“ sei. In Europa steige die Nachfrage sogar.
Der SDAX-Konzern ist in den drei Geschäftsbereichen Waggonvermietung, Tankcontainer- und Schienenlogistik tätig. Er verfügt über die größte private Waggonflotte in Europa. Weltweit umfasst der Waggonpark 51200 Eisenbahngüterwagen, schwerpunktmäßig Kesselwagen sowie moderne Großraumgüter- und Flachwagen. Das Geschäft erfordert einen hohen Kapitaleinsatz, was die üppige Verschuldung erklärt. Strategie ist, mit externem Wachstum Wert zu generieren. Für finanzielle Stabilität sorgt der hohe operative Cashflow.
In Amerika hat VTG gerade 2000 Waggons von SC Rail Leasing übernommen, die Agrarprodukte, Kohle, Salz und andere Mineralien transportieren. Damit verdoppelt das Unternehmen den Waggonpark in Nordamerika. Den Kaufpreis veranschlagt Analyst Hein auf gut 30 Mio. Dollar, den Ebitda-Beitrag auf eine Mio. Euro pro Jahr bei sieben Mio. Euro Umsatz.
Nord/LB-Analyst Thomas Wybierek bescheinigt VTG, weiter in der Erfolgsspur zu fahren. Die Konjunktursensitivität sei begrenzt, die Nachfrage in der Waggonvermietung hoch. Die Prognose der Firmenleitung - zwischen 720 und 760 Mio. Euro Umsatz 2011 und 165 bis 170 Mio. Euro Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) – hält Wybierek für „problemlos erreichbar“. Die Nord/LB nimmt die Coverage der Aktie wieder auf und gibt ein Kursziel von 18,50 Euro aus.
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