Nach Himmelsturm und Höllenfahrt hat sich die Aktie der chinesischen
Handelsplattform Alibaba gefangen, sie bleibt aber zu teuer.
An Superlativen mangelt es wahrlich
nicht: der größte Börsengang einer
Internetfirma seit Google, Kursverdreifachung
am ersten Handelstag, die
wichtigste B2B-Onlineplattform für kleine
und mittlere Unternehmen in China.
Doch um in den Börsenolymp aufzusteigen,
sind vor allem verlässliche Gewinne
nötig. Die hatte Alibaba zwar in Aussicht
gestellt, seit Ende 2008 kann das Management
das Versprechen jedoch nicht mehr
einhalten: Die Erträge sinken, im dritten
Quartal per Ende September schrumpften
sie nach Steuern um ein Fünftel auf 236
Millionen Yuan (rund 24,7 Millionen
Euro). Das ist erstaunlich, da die Umsätze
um ein Drittel auf 1,03 Milliarden Yuan
zulegten.
Drastisch höhere Ausgaben für Marketing,
Personal und Technologie verdarben
die operative Marge. Vorstandschef David
Wei begründet den Renditeschwund mit
Investitionen in die Zukunft und will nun
wieder verstärkt auf die Profitabilität achten.
„Wir sind zuversichtlich, dass das
erste Quartal 2010 gut ausfallen wird“, erklärte
er Anfang Dezember. Das half dem
Aktienkurs ein kleines Stück nach oben.
Doch angesichts der Bewertung mit dem
fast 48-Fachen der für 2010 erwarteten
Gewinne ist der Spielraum begrenzt.
Die Ertragsentwicklung hängt an den
chinesischen Exporten. Alibaba ist ein Internetmarktplatz,
auf dem hauptsächlich
chinesische Firmen ihre Waren feilbieten.
Der Großteil des Umsatzes entfällt auf die
internationale Handelsplattform. Zwar
sind die chinesischen Exporte im Dezember
erstmals seit 14 Monaten wieder
gestiegen
– mit 17,7 Prozent sogar überraschend
stark. Dennoch sorgt sich die
Regierung um die Dauerhaftigkeit des
Aufschwungs. Auch Alibaba rechnet nicht
damit, dass die Umsätze im Jahr 2010 wie
früher von Quartal zu Quartal mit zweistelligen
Raten zulegen werden.
Ihre ambitionierte Bewertung verdankt
die Aktie der Einschätzung vieler Börsianer,
wonach Chinas Internetmarkt erst
am Anfang steht. „Wenn man das Wachstum
der kommenden Jahre berücksichtigt,
ist es noch nicht zu spät, chinesische
Internetwerte zu kaufen“, rät etwa Fondsmanager
Bruno Lippens von Pictet Asset
Management. Kurzfristig dürften es die
Titel jedoch schwer haben, und das
stramme Kurs-Gewinn-Verhältnis birgt
Enttäuschungspotenzial. Anleger sollten
sich besser an Firmengründer und Chairman
Jack Ma orientieren. Er verkaufte im
September 2009 erstmals seit dem Börsengang
13 Millionen Aktien. Ein gutes
Timing: Seitdem ist der Kurs um 15 Prozent
abgerutscht.
Verkaufen
Risiko hoch
WKN: A0M 5W0
Kurs: 1,63 €
Kursrisiko: –25 %
Börsenwert: 8,24 Mrd. €
KGV 2010e: 48,4
Stimmen Sie mit ab beim nächstes Leserinvestment
Wählen Sie aus den drei Investments Ihren Favoriten und bestimmen so, über welchen Wert wir in der übernächsten Ausgabe von BÖRSE ONLINE berichten. Jede Stimme zählt!
Zur Auswahl stehen für das Leserinvestment der Ausgabe 08/2010 stehen drei Small Caps, deren Kurs stark steigt: Arbomedia, Cinemaxx und Hahn-Immobilien.
Hier geht es zur Stimmabgabe
Diesen Artikel bookmarken bei...