Die Kapitalerhöhung bedeutet für die meisten Anteilseigner vor allem eines: Die Verwässerung ihrer Aktien. Das Institut begeht den Fehler, den Wertpapierbesitzern nicht wirklich zu erklären, wie sinnvoll dieser Schritt ist.
Commerzbank
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Die Aktionäre der
Commerzbank können einem leid tun. Vor allem diejenigen, die das Papier schon vor der Finanzkrise in ihrem Depot hatten und nicht rechtzeitig ausgestiegen sind. Denn der Kurseinbruch hat schon fast die Dimension der Telekom nach dem Platzen der Internetblase erreicht. 2007 kostete die Aktie der Gelben mehr als 37 Euro. Am Montag erreichte der Titel dann 3,75 Euro.
Und nun die Kapitalerhöhung. Einen Abschlag von 45 Prozent auf den Kurs vom Freitag wird den Aktienbesitz noch einmal gewaltig verwässern und den Kurs auf ungefähr 3 Euro fallen lassen. Letztendlich ist dies natürlich keine große Überraschung. Mit der Bekanntgabe des Preises exekutiert der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing nur dass, was mit dem Hauptversammlungsbeschluss vom 6. Mai beschlossen worden ist. Dennoch dürfte der Vollzug für viele Investoren einen weiteren Schock bringen.
Die Frage, die sich Aktionäre und Analysten jetzt stellen ist: Wie viel ist einem die Trennung vom Staat wirklich wert? Und wie sinnvoll ist die Rückzahlung wirklich? Lange Zeit hieß es: Bei dem niedrigen Kursniveau sei ein Ausstieg des Staates nicht denkbar. Das hat sich anscheinend geändert. Auch mehrjährige Tiefststände schrecken den Vorstand und den großen Anteilseigner nicht, die neuen Aktien auf den Markt zu werfen. Vertrauen schaffen bei Investoren sieht anders aus.
Sicherlich ist es zu loben, dass das Haus wieder auf eigenen Füßen stehen will. Aber warum zu diesem Zeitpunkt, in dem Ausmaß und zu dem Preis? Denn so ungern das sicherlich in der Konzernzentrale und auch bei Analysten gehört werden wird: Die Staatsgarantien bieten eine hohe Sicherheit - die natürlich auch einiges kostet.
Doch das Unternehmen ist vor allem über die Tochter Eurohypo sehr stark in allen Krisenländern involviert. Sollte es zu einer Umschuldung mit Haircut in Griechenland kommen und sollten auch noch andere Euro-Staaten finanziell zu Grunde gehen, dann hat die Bank ein gewaltiges Problem. Und wer garantiert, dass dann nicht die zweitgrößte deutsche Bank erneut beim Staat nach Hilfe fragen muss?
Wie man mit Steuergeld auch umgehen kann, zeigen die Beispiele aus Wiesbaden und Österreich. Denn die in der hessischen Landeshauptstadt beheimatete
Aareal Bank zahlt ihre Staatshilfe brav zurück. Jedoch langsam, stetig und - glaubt man den Analysten und dem Bankvorstand - aus einer Position der Stärke heraus und nicht im Hauruckverfahren. In Österreich erklärte die Raiffeisen Bank Internatonal, die erhaltenen Staatsgelder nicht vorzeitig zurückzahlen zu wollen. Begründung: "Lieber ein Jahr zu lang gut mit Liquidität ausgestattet als ein Jahr zu kurz." Aus Fairnessgründen muss man aber darauf hinweisen, dass andere Banker der Alpenrepublik das anders sehen - und ihre Hilfen schnellstmöglich wieder loswerden wollen.
Immerhin gibt es bei der Kapitalerhöhung eine Sicherheit: Ein Desaster wird sie nicht werden. Die wichtigsten Aktionäre, der Staat und die
Allianz, haben bereits angekündigt, den Schritt voll mitzutragen. Der Versicherer hatte bei der Pflichtwandelanleihe Anfang April noch sein Mitwirken versagt. Dass die Münchener nun mitziehen, hat sicherlich den Grund, dass der Konzern ein weiteres Sinken des eigenen Anteils an der Bank nicht hinnehmen will. Aber darüber, ob die
Allianz den Schritt wirklich für sinnvoll hält, darüber sagt dies nichts aus.
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