KARL FICKEL machte sich einen Namen als
Neuer-Markt-Fondsmanager.
Im Oktober 2000 gründete er mit vier
weiteren Partnern das Investmenthaus
Lupus alpha, das sich auf
Small und Mid Caps konzentriert.
Für BÖRSE ONLINE
beschreibt er den Markt aus der
Sicht eines Anlageprofis.
An einem Spätsommernachmittag auf der A3 von Köln
Richtung Frankfurt: Es herrscht Stau, Hitze und dicke Luft
wehen durchs Fenster. Auf einmal klingelt das Handy kurz.
Eine SMS verrät, dass gerade eine Umleitung für die Staustrecke
geöffnet wurde. Im nächsten Moment kalkuliert das mobile Navigationsgerät
die Route neu, und die LED-Anzeigetafeln entlang
der Strecke zeigen einen anderen empfohlenen Verlauf an. So
ähnlich könnte eine Autobahnfahrt demnächst aussehen.
Auf den Autobahnen und Straßen Europas bleiben jeden Tag
über 315 Mio. Euro im wahrsten Sinne des Wortes liegen. Das
sind immerhin rund ein Prozent der Wirtschaftskraft des Alten
Kontinents und rund 115 Mrd. Euro im Jahr. Abhilfe verschaffen
können intelligente Verkehrssysteme (IVS), die durch den Einsatz
von neuesten Informations- und Kommunikationstechniken
Verkehrsabläufe optimieren. Solche Systeme befinden sich in
Deutschland bereits seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 im
Einsatz und werden etwa von
Siemens oder Dambach vermarktet.
Sie sammeln beispielsweise Informationen über die Parkplatzbelegung
am Stadion oder in der Innenstadt, über die Verkehrsdichte
auf den Stadtstraßen und den Autobahnen bei Großveranstaltungen
oder über die Verkehrsbewegungen zur Rushhour.
Mit den Daten lassen sich die Autoströme dann automatisch und
sicher über die Straßen leiten.
Der große Zukunftssprung liegt aber darin, die Fahrzeuge
selbst in die Verkehrsinfrastruktur einzubinden. In Testprojekten
wie etwa Sim-TD oder Fleetnet kommunizieren Autos über W-Lan
miteinander und mit der umgebenden Verkehrsinfrastruktur,
wie mit Ampeln oder intelligenten Schildern. Es kommt also –
um es in der Expertensprache zu bezeichnen – zu einer Car-to-
Car- und zu einer Car-to-X-Kommunikation.
Große Chancen, an dieser Entwicklung teilzuhaben, hat die
Automobilindustrie. Deutsche Hersteller wie
BMW oder
Daimler
könnten bald auch W-Lan und Funk in ihre Fahrzeuge integrieren.
Eine ohnehin schon hoch entwickelte Sensorik kann bereits
heute eine schneebedeckte Fahrbahn von Aquaplaning unterscheiden,
in Zukunft könnte diese Technik auch nachfolgende
Verkehrsteilnehmer warnen.
Doch warum nicht auch den Fahrzeuginsassen selbst als Informationsgeber
nutzen und in die Verkehrslenkung einbinden?
Eine neue Idee ist, die Daten von Handynutzern via GPS auszuwerten,
um Staustellen schneller und exakter zu identifizieren.
Die Technologie verwendet dabei Daten aus dem Funknetz, die
Auskunft darüber geben, wie schnell und in welche Richtung sich
die Mobiltelefone bewegen. Anschließend werden die Daten um
Verkehrsinformationen aus anderen Quellen, wie Staumeldungen
der Radiosender, ergänzt. Tomtom und
Vodafone haben gerade
eine exklusive Zusammenarbeit zum Ausbau dieses Bereichs bekannt
gegeben.
Diese Kooperation bereitet vor allem den europäischen Datenschützern
Bauchschmerzen. Zwar können Mobilfunkanbieter
wie
Vodafone schon heute die Standorte ihrer Kunden orten, doch
bislang werden diese Daten nur in Ausnahmefällen weitergegeben.
Die neue Technik baut ihre Dienste aber gerade auf der
Auswertung dieser Bewegungsdaten auf. Hier dürften noch eine
Menge Detaildiskussionen mit Datenschützern nötig sein, bevor
der Verkehr wirklich mit den Signalen aus den Handynetzen
gesteuert
wird.
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