Fickel

Karl Fickel Wenn Automobile miteinander reden

[10:30, 18.08.10]



KARL FICKEL machte sich einen Namen als Neuer-Markt-Fondsmanager. Im Oktober 2000 gründete er mit vier weiteren Partnern das Investmenthaus Lupus alpha, das sich auf Small und Mid Caps konzentriert.

Für BÖRSE ONLINE beschreibt er den Markt aus der Sicht eines Anlageprofis.


An einem Spätsommernachmittag auf der A3 von Köln Richtung Frankfurt: Es herrscht Stau, Hitze und dicke Luft wehen durchs Fenster. Auf einmal klingelt das Handy kurz. Eine SMS verrät, dass gerade eine Umleitung für die Staustrecke geöffnet wurde. Im nächsten Moment kalkuliert das mobile Navigationsgerät die Route neu, und die LED-Anzeigetafeln entlang der Strecke zeigen einen anderen empfohlenen Verlauf an. So ähnlich könnte eine Autobahnfahrt demnächst aussehen.

Auf den Autobahnen und Straßen Europas bleiben jeden Tag über 315 Mio. Euro im wahrsten Sinne des Wortes liegen. Das sind immerhin rund ein Prozent der Wirtschaftskraft des Alten Kontinents und rund 115 Mrd. Euro im Jahr. Abhilfe verschaffen können intelligente Verkehrssysteme (IVS), die durch den Einsatz von neuesten Informations- und Kommunikationstechniken Verkehrsabläufe optimieren. Solche Systeme befinden sich in Deutschland bereits seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 im Einsatz und werden etwa von  Siemens oder Dambach vermarktet. Sie sammeln beispielsweise Informationen über die Parkplatzbelegung am Stadion oder in der Innenstadt, über die Verkehrsdichte auf den Stadtstraßen und den Autobahnen bei Großveranstaltungen oder über die Verkehrsbewegungen zur Rushhour. Mit den Daten lassen sich die Autoströme dann automatisch und sicher über die Straßen leiten.

Der große Zukunftssprung liegt aber darin, die Fahrzeuge selbst in die Verkehrsinfrastruktur einzubinden. In Testprojekten wie etwa Sim-TD oder Fleetnet kommunizieren Autos über W-Lan miteinander und mit der umgebenden Verkehrsinfrastruktur, wie mit Ampeln oder intelligenten Schildern. Es kommt also – um es in der Expertensprache zu bezeichnen – zu einer Car-to- Car- und zu einer Car-to-X-Kommunikation.

Große Chancen, an dieser Entwicklung teilzuhaben, hat die Automobilindustrie. Deutsche Hersteller wie  BMW oder  Daimler könnten bald auch W-Lan und Funk in ihre Fahrzeuge integrieren. Eine ohnehin schon hoch entwickelte Sensorik kann bereits heute eine schneebedeckte Fahrbahn von Aquaplaning unterscheiden, in Zukunft könnte diese Technik auch nachfolgende Verkehrsteilnehmer warnen.

Doch warum nicht auch den Fahrzeuginsassen selbst als Informationsgeber nutzen und in die Verkehrslenkung einbinden? Eine neue Idee ist, die Daten von Handynutzern via GPS auszuwerten, um Staustellen schneller und exakter zu identifizieren. Die Technologie verwendet dabei Daten aus dem Funknetz, die Auskunft darüber geben, wie schnell und in welche Richtung sich die Mobiltelefone bewegen. Anschließend werden die Daten um Verkehrsinformationen aus anderen Quellen, wie Staumeldungen der Radiosender, ergänzt. Tomtom und  Vodafone haben gerade eine exklusive Zusammenarbeit zum Ausbau dieses Bereichs bekannt gegeben.

Diese Kooperation bereitet vor allem den europäischen Datenschützern Bauchschmerzen. Zwar können Mobilfunkanbieter wie  Vodafone schon heute die Standorte ihrer Kunden orten, doch bislang werden diese Daten nur in Ausnahmefällen weitergegeben. Die neue Technik baut ihre Dienste aber gerade auf der Auswertung dieser Bewegungsdaten auf. Hier dürften noch eine Menge Detaildiskussionen mit Datenschützern nötig sein, bevor der Verkehr wirklich mit den Signalen aus den Handynetzen gesteuert wird.

 



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© 2010 boerse-online.de, © Illustration: Foto: Charly Kurz

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