Gastkommentare

Kommentar zum SAP-Urteil Gerechte Strafe für SAPs Ignoranz

[12:43, 24.11.10]


SAP hat im Gerichtsstreit mit Oracle das bekommen, was der deutsche Softwarekonzern unbedingt hat verhindern wollen: einen Show-Prozess mit anschließender Milliardenbuße. In Bezug auf Ex-Firmenchef Apotheker bleibt zumindest ein Geschmäckle zurück.


SAP
Intraday3 Monate6 Monate1 Jahr3 Jahre
WKN
716460
Aktueller Kurs
46,74 €
Veränd. z. Vortag
0,75 %

Mehr zum Thema



Aktienanalyser

Die Aktien im Branchen-vergleich: Klicken Sie hier

Sie möchten weitere Branchen analysieren? Dann klicken Sie hier 





 SAP muss  Oracle 1,3 Mrd. Dollar zahlen. Das ist eine der höchsten Schadensersatzsummen, die jemals in einem Urheberrechtsverstoß von einer Jury festgesetzt wurden. Der Betrag ist auch für den deutschen Softwarekonzern alles andere als Peanuts. Zum Vergleich: Die Walldorfer erzielten 2009 einen Jahresgewinn nach Steuern von 1,75 Mrd. Euro. Für diesen Prozess hatte das Unternehmen nur 160 Mio. Dollar an Rückstellungen gebildet und davon bereits 120 Mio. Dollar an die Anwälte der Gegenseite ausgezahlt.

Zwar könnte die Richterin die Summe noch drücken oder  SAP in einem Berufungsverfahren einen Teilerfolg erzielen - der Imageschaden lässt sich nun aber endgültig nicht mehr abwenden. Das hätte nur noch passieren können, wenn die Jury die Schadenssumme in die Nähe der von  SAP gebotenen 40 Mio. Dollar gerückt hätte. Nun aber bleibt an  SAP das Stigma eines Unternehmens haften, das - egal ob indirekt oder unbewusst - geistiges Eigentum verletzt hat. Und das schadet der gesamten Softwarebranche.

Larry Ellison hatte sich zuvor nicht mit einer außergerichtlichen Einigung abspeisen lassen. Der streitlustige Oracle-Chef hat mit dem Verfahren genau das erreicht, was die Gegenseite unbedingt vermeiden wollte: einen marktschreierischen Show-Prozess, in dem  SAP als Datendieb dasteht und Oracle als wehrloses beklautes Opfer.

Hatte  SAP in den vergangenen Jahren noch jegliche Verantwortung für die Machenschaften der damaligen US-Tochter Tomorrow Now abgestritten, so ist das Unternehmen in den vergangenen Wochen immer kleinlauter geworden. Kurz vor Prozessbeginn hatte der Oracle-Rivale urplötzlich eingeräumt, eben doch von den Vorgängen gewusst zu haben. Und im Verlauf der gerichtlichen Auseinandersetzung hatte Oracles renommierter Prozessanwalt David Boies den heutigen SAP-Co-Chef Bill McDermott zu einer Entschuldigung getrieben. Der erst im Frühjahr dieses Jahres an die SAP-Spitze beförderte Manager war früher Chef der US-Tochter  SAP America. Dazu zählte auch die kleine Software-Wartungsfirma Tomorrow Now.

Licht auf die Rolle Léo Apothekers hat der Prozess jedoch nicht werfen können. Larry Ellison hatte den damaligen SAP-Co- und heutigen  Hewlett-Packard-Chef angeblich mit Privatdetektiven suchen lassen, um ihn als Zeugen vorladen zu lassen. Das gelang nicht. Zwischendurch soll Apotheker in Japan gesichtet worden sein. Ellison ist davon überzeugt, dass Apotheker persönlich von dem Datendiebstahl gewusst haben soll. Vor einer Aussage hat er sich nun erfolgreich drücken können.


Kursinformationen + Charts

Unternehmen ISIN Aktuell Veränderung Details
SAP DE0007164600.DE 46,74 + 0,77 %  Detailinformationen
Oracle US68389X1054.F 20,23 + 0,09 %  Detailinformationen


Zum Thema


 

© 2010 ftd.de, © Illustration: dpa

Empfehlen

Facebook Twitter XING

Diesen Artikel bookmarken bei...

BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Webnews weblinkr Yahoo MyWeb YiGG


DAX 6.336,27

+65,05 Punkte/+1,04%
Chart
DAX Tops
  Kurse Diff%
1,44 +3,24%
15,34 +3,02%
76,16 +3,00%
80,44 +2,89%
DAX Flops
  Kurse Diff%
29,71 -0,95%
53,88 -0,86%
15,13 -0,49%
28,62 +0,54%
Am 24. Mai findet die HV der Telekom statt. Wie beurteilen Sie die T-Aktie?
 
Ihre Stimmabgabe für das Leserinvestment der Ausgabe 23/2012

Grosse Lesserumfrage Zertifikateemittent 2012
Boerse Online DATA INTERAKTIVE
Finden Sie uns auf Facebook
Mehr Videos »