SAP hat im Gerichtsstreit mit Oracle das bekommen, was der deutsche Softwarekonzern unbedingt hat verhindern wollen: einen Show-Prozess mit anschließender Milliardenbuße. In Bezug auf Ex-Firmenchef Apotheker bleibt zumindest ein Geschmäckle zurück.
SAP muss
Oracle 1,3 Mrd. Dollar zahlen. Das ist eine der höchsten Schadensersatzsummen, die jemals in einem Urheberrechtsverstoß von einer Jury festgesetzt wurden. Der Betrag ist auch für den deutschen Softwarekonzern alles andere als Peanuts. Zum Vergleich: Die Walldorfer erzielten 2009 einen Jahresgewinn nach Steuern von 1,75 Mrd. Euro. Für diesen Prozess hatte das Unternehmen nur 160 Mio. Dollar an Rückstellungen gebildet und davon bereits 120 Mio. Dollar an die Anwälte der Gegenseite ausgezahlt.

Hatte
SAP in den vergangenen Jahren noch jegliche Verantwortung für die Machenschaften der damaligen US-Tochter Tomorrow Now abgestritten, so ist das Unternehmen in den vergangenen Wochen immer kleinlauter geworden. Kurz vor Prozessbeginn hatte der Oracle-Rivale urplötzlich eingeräumt, eben doch von den Vorgängen gewusst zu haben. Und im Verlauf der gerichtlichen Auseinandersetzung hatte Oracles renommierter Prozessanwalt David Boies den heutigen SAP-Co-Chef Bill McDermott zu einer Entschuldigung getrieben. Der erst im Frühjahr dieses Jahres an die SAP-Spitze beförderte Manager war früher Chef der US-Tochter
SAP America. Dazu zählte auch die kleine Software-Wartungsfirma Tomorrow Now.
Licht auf die Rolle Léo Apothekers hat der Prozess jedoch nicht werfen können. Larry Ellison hatte den damaligen SAP-Co- und heutigen
Hewlett-Packard-Chef angeblich mit Privatdetektiven suchen lassen, um ihn als Zeugen vorladen zu lassen. Das gelang nicht. Zwischendurch soll Apotheker in Japan gesichtet worden sein. Ellison ist davon überzeugt, dass Apotheker persönlich von dem Datendiebstahl gewusst haben soll. Vor einer Aussage hat er sich nun erfolgreich drücken können.
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