Gebhardt

Henning Gebhardt Deutschland bleibt weiter erste Wahl

[10:45, 22.12.10]



HENNING GEBHARDT ist bei Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS Investments der Experte für deutsche Aktien sowie europäische Small und Mid Caps.

In seiner Kolumne in BÖRSE ONLINE schreibt der Fondsmanager über die neuesten Trends am deutschen und europä­ischen Aktienmarkt.


Alle Jahre wieder rund um die Weihnachtszeit wird ein Fazit des abgelaufenen Investmentjahrs gezogen und ein Ausblick für 2011 gemacht. Die Überraschung im Jahr 2010 war sicherlich, dass nicht die großen Bric-Länder mit den besten wirtschaftlichen Wachstumszahlen auch die beste Wertentwicklung aufzuweisen hatten, sondern einige entwickelte Länder aus der nordeuropäischen Region und Deutschland. Lediglich Russland konnte stark zulegen, während China sogar deutlich gefallen ist. Am stärksten mussten jedoch Aktienmärkte wie Spanien oder Griechenland nachgeben. Und hierin spiegeln sich die Nachwehen der Finanzkrise wider.

Wer nun erwartet, dass sich die Situation kurzfristig ändert, könnte enttäuscht werden. Der Chefvolkswirt der  Deutschen Bank hat kürzlich ein anschauliches Bild gemalt. Einige Länder in Europa, aber auch die USA haben seit Beginn dieses Jahrtausends eine rauschende Party gefeiert. Deutschland ist gar nicht so schlecht damit gefahren. Wir haben sozusagen das Catering übernommen und viele Güter in diese Regionen exportiert. Gleichzeitig hat Deutschland am Aufschwung der Emerging Markets partizipiert. Jetzt wird in einigen dieser Länder ein neues Fest gefeiert, und wieder werden deutsche oder skandinavische Firmen als Partyservice gebucht.

Einige europäische Länder sind jedoch in die Krise geschlittert. Zur Vermeidung weiterer Verwerfungen im europäischen Finanzsystem sind Unterstützungsmaßnahmen für Länder wie Griechenland, Irland oder auch Spanien zwingend nötig. Fielen diese aus, wären die Flurschäden beträchtlich und die Folgekosten auch für Deutschland unüberschaubar. Somit wird es auf absehbare Zeit keine harte Geldpolitik der EZB geben. Daher sind die deutschen Zinsen auch vergleichsweise niedrig. Der Euro wird, solange die Unsicherheiten vorhanden sind, eher zur Schwäche tendieren. Gäbe es die D-Mark noch, sähe die Situation sicher ganz anders aus. Dann müssten Unternehmen mit höheren Zinsen und vor allem einer festen D-Mark kämpfen. So erklärt sich auch der überraschende Aufstieg der deutschen Industrie. Dass der DAX und viele Unternehmen so schnell die Krise hinter sich lassen konnten, ist überraschend, aber damit auch erklärbar. Mit den fallenden Arbeitslosenkosten kommt jetzt auch noch der Konsum in Fahrt.

Somit bleibt Deutschland neben Skandinavien in Europa erste Wahl. Es gibt eine Analogie zur Asienkrise. Die Tigerländer Thailand, Malaysia und Indonesien haben lange gebraucht, um sich von den Folgen der Asienkrise zu erholen. Investoren mussten auf die als Urlaubsdestinationen eher unattraktiven Länder wie Taiwan oder Südkorea ausweichen, die aber über die wettbewerbsfähigere Industrie verfügten. Auch in Europa werden Anleger vorerst vermutlich nur Urlaub in den Ländern der Euro-Peripherie machen und eher in den nordischen Ländern investieren. Die Rahmenbedingungen sprechen weiter für ein Investment in deutsche Aktien. Da die Bewertung nach wie vor im historischen Kontext günstig ist, sollten Anleger deutschen Aktien die Treue halten. Wer noch nicht im Aktienmarkt investiert ist, sollte über ein Investment in einen Dividendenfonds nachdenken. Dividendenaktien bleiben im Vergleich zu Anleihen weiterhin attraktiv und bieten gleichzeitig einen defensiveren Zugang in den Aktienmarkt.

 



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