Heller

Gottfried Heller Gute Aussichten auf freundlichere Börsen

[10:00, 26.05.10]



Gottfried Heller ist Senior Partner der Fiduka-Depotverwaltung in München. Sein Gespür für Finanz- und Wirtschaftstrends hat dem ehemaligen Partner der Börsenlegende André Kostolany einen exzellenten Ruf in der Branche eingetragen.

In BÖRSE ONLINE schreibt er über die Märkte.


Als ausgesprochener Euro-Skeptiker habe ich die Zahlungsunfähigkeit eines der südeuropäischen Länder von Anfang an als Risiko betrachtet. Das nun zur Abwendung der Staatspleite Griechenlands beschlossene Rettungspaket von 750 Milliarden Euro verstößt gegen die Nichtbeistandsklausel des Vertrags von Maastricht. Deutsche Steuerzahler haften für die Sünden anderer. Kein Wunder, dass die Deutschen alarmiert sind und jetzt sogar diskutiert wird, ob die D-Mark zurückkommt.

Der Euro ist meines Erachtens nicht gefährdet, zumindest nicht in den nächsten paar Jahren. Aber der Griechenland-Fall hat Konsequenzen. Zunächst hat man Griechenland ein drakonisches Sparprogramm verordnet. Sparen ist aber in allen Euro-Staaten angesagt, denn die Steuerzahler werden der nicht enden wollenden Rettungsaktionen zu ihren Lasten überdrüssig.

Seit Längerem sah es danach aus, dass die Europäische Zentralbank als erste die Zinsen erhöhen würde. Seit dem griechischen Drama ist aber das Gebot der Stunde, die Rentenmärkte von Griechenland, Portugal, Spanien und Italien funktionsfähig zu halten. Dazu bedarf es niedriger Zinsen und einer reichlichen Liquidität. Von Zinserhöhungen spricht jetzt niemand mehr.

Die Rohstoffpreise und der Ölpreis sind um rund 15 Prozent von ihren Höchstständen gefallen. Die Kapazitätsauslastung ist noch immer gering, und die Arbeitslosigkeit ist hoch. Da also die Inflation vorläufig keine Sorgen bereitet, haben die Notenbanken freie Hand für ihre relativ freizügige Geldpolitik. Das ist ein günstiges Umfeld für Aktien. Die Unternehmensgewinne sprudeln im ersten Quartal stärker als erwartet. Die Mehrzahl der Firmen übertrifft nicht nur die Gewinn- und Umsatzprognosen, sondern auch die Zahl derer, die ihren Jahresausblick anheben, hat deutlich zugenommen. Das gilt sowohl für Europa als auch für die USA. Die Aktien sind besonders vor diesem Hintergrund moderat bewertet. Das 2010er-Kurs-Gewinn-Verhältnis für die europäischen Börsen liegt zwischen zehn und zwölf, während amerikanische Aktien etwas teurer sind. Derzeit liegt der Marktkonsens für US-Unternehmen bei einem erwarteten Gewinnplus von 18 Prozent für 2011. In Europa wird für das Jahr 2011 ein Zuwachs von 23 Prozent prognostiziert.

Der Euro ist seit Jahresanfang gegenüber dem Dollar um 16 Prozent gefallen. Das verschafft den Europäern Vorteile, besonders den am Pranger stehenden südeuropäischen Ländern. Die deutsche Exportwirtschaft profitiert von dem billigen Euro wie auch von dem weltweiten Konjunkturaufschwung. In einigen Schwellenländern gibt es sogar schon Überhitzungserscheinungen.

Nach dem Ausverkauf bieten die europäischen Börsen gute Chancen. Die Kurskorrektur im April/Mai hat das Risikobewusstsein der Anleger erheblich verstärkt. Es wird wohl noch einige Wochen brauchen, bis etwas mehr Ruhe einkehrt. Danach bestehen für die nächsten Monate gute Aussichten auf freundlichere Börsen.

 



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© 2010 boerse-online.de, © Illustration: Hans Scherhaufer

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