Von der depressiven Stimmung früherer Jahre war in Detroit nichts zu spüren. Auf der North American International Autoshow präsentierte sich die Branche in Partylaune. Nach dem Rekordjahr 2011 waren die Messestände so groß und kostspielig wie vor der Krise, und die Zahl der Weltpremieren fiel mit 55 wieder hoch aus. Auch wenn der US-Markt den Optimisten Nahrung gibt - wie es mit der Branche 2012 weitergeht, ist nach wie vor offen. Die Party könnte schneller zu Ende gehen als gedacht.

Die erodierenden südeuropäischen Märkte sind weit weg von Detroit, setzen vielen Herstellern aber zu. In Griechenland und Portugal brach der Autoabsatz im Dezember um mehr als 30 Prozent ein. In Spanien um 18 Prozent, in Italien um elf Prozent. Griechenland und Portugal sind Nebenschauplätze. Doch Spanien und Italien gehören zu den fünf größten Absatzmärkten Europas. Auch China, das gelobte Land der Autobauer, zeigt erstmals Schwächen. Obwohl die chinesische Volkswirtschaft eine harte Landung wohl verhindern kann, steigt bei den Autoherstellern die Angst vor einem Einbruch nach der jahrelangen Expansionsphase. Die Unsicherheit wird durch wachsenden Protektionismus (zuletzt Strafzölle für in den USA produzierte Autos) noch vergrößert. Andere Boom-Märkte werden ihrem Namen nicht mehr gerecht: In Brasilien und Indien gehen die Autoabsätze bereits zurück. "Investoren sollten vorsichtig sein und den Sektor derzeit meiden", schreibt die Bank
Credit Suisse. Erst wenn die Originalhersteller Produktionskürzungen für 2012 bekannt geben, könne man einsteigen, meinen die Schweizer. Der schwer zu prognostizierende Refinanzierungsbedarf sei eines der größten Risiken im laufenden Jahr.
Gleichzeitig gibt es für die Autobauer auch gute Nachrichten. "Die Nachfrage nach Autos war in den meisten Märkten in den vergangenen Monaten besser als gedacht", sagt Warburg-Research-Analyst Marc-René Tonn. Kräftige Signale senden die USA. 2011 brachte ein Absatzplus von zehn Prozent. Für 2012 wird ein Anstieg von sieben Prozent prognostiziert.
Zudem ist die Branche auf einen Abschwung vorbereitet. "Die Autobranche ist in besserer Verfassung als 2007", schreibt
Goldman Sachs. 2011 erwirtschaftete der europäische Autosektor laut den Schätzungen der Bank einen operativen Gewinn von 49 Mrd. Euro, das sind 48 Prozent mehr als 2007. Gleichzeitig fiel durch den Aufstieg der Schwellenländer der Anteil der Industrienationen von 55 auf 42 Prozent. Rückenwind käme für europäische Hersteller durch eine Abwertung des Euro. Goldman sagt für 2012 bis 2014 immerhin ein weltweites jährliches Wachstum des Autoabsatzes um fünf Prozent voraus. Treffen die Prognosen ein, werden 2014 rund um den Globus 85 Millionen Neuwagen verkauft.
Jedes achte Fahrzeug sollte dann aus dem Volkswagen-Imperium stammen. Die Wolfsburger haben die Acht-Millionen-Marke früher genommen als geplant und sind auf dem Kurs zur Weltmarktführerschaft. Holpriger wird es in Europa. Westeuropa hat mit rund 40 Prozent der Umsätze ein bedeutendes Gewicht. Anders als die USA, wo
VW stark wächst, aber nur 500000 Wagen absetzt. Entscheidend wird China, wo der Konzern mehr als jedes vierte Fahrzeug verkauft. Trotz der Unsicherheiten bleibt
VW im Reich der Mitte auf dem Gaspedal. Bis 2014 sind in der Volksrepublik Investitionen von mehr als 14 Mrd. Dollar geplant. Insgesamt ist
VW unter allen Konzernen am besten aufgestellt. Die Größe bringt unzählige Vorteile - vom Einkauf bis zur Verteilung der Entwicklungskosten. In der Plattformtechnologie, laut Goldman ein Schlüsselbereich für Kosteneinsparungen, sind die Wolfsburger führend.
Empfehlen