Die Januar-Rally hat die Analysten überrascht. Deshalb finden sie Aktien plötzlich wieder gut - und passen ihre Prognosen dem Trend an.

Bulle Figur vorm DAX-Board an der Börse Frankfurt
2012 wird ein schlimmes Aktienjahr.
Nicht ganz so heftig wie 2011, aber vor
allem in den ersten Monaten werden
die Märkte deutlich nachgeben.
So etwa klangen die Ende 2011 veröffentlichten
Aktienprognosen internationaler
Banken. Die Gründe für
den Pessimismus lagen ja auch auf der
Hand: Schuldenkrise in Europa, Diskussionen,
ob und wie Griechenland
vor der Staatspleite gerettet werden
kann, und die Konjunkturaussichten
waren im Dezember weder für Europa
noch für die USA berauschend.
Verständlich also, dass die Experten
in ihren Studien davor warnten,
Portfolios mit Anteilscheinen aus Industriestaaten
zu bestücken. Und da
in den düstersten Szenarien – Rezession
und Verschärfung der Euro-Krise
– die Probleme auch in Schwellenländer
überschwappten, sollten sich
Anleger auch bei chinesischen oder
brasilianischen Aktien zurückhalten.
Doch jetzt ist plötzlich alles doch
nicht so schlimm: Der DAX hat im Januar
mit einem Plus von 9,5 Prozent
den besten Jahresstart seiner 24-jährigen
Indexgeschichte hingelegt. Der
vom Finanzdienstleister Morgan
Stanley Capital International berechnete
MSCI All-Country World Index,
der Aktien aus 45 Ländern abbildet,
glänzte mit einem Zuwachs von
5,7 Prozent – bester Jahresauftakt seit
1994. Deshalb sind Analysten und Aktienstrategen
nun eifrig dabei, ihre
Prognosen dem Trend anzupassen.
Analysten passen ihre Prognosen an
In einem Schreiben mit dem Titel
„Falsch, aber nicht zu spät“ legt der
Chefökonom der
UBS Anlegern seit
vergangener Woche Aktien wärmstens
ans Herz. Statt mit „neutral“ stuft
er die Papiere, bei denen er noch vor
zwei Wochen zur Vorsicht geraten
hatte, mit „übergewichten“ ein.
„Im Rückblick waren am Jahresende
alle so was von auf Pessimismus
fixiert“, sagte Mary Ann Bartels, Leiterin
Marktanalyse bei der Bank of
America der Nachrichtenagentur
Bloomberg. „Eigentlich konnte der
Markt nur nach oben gehen.“ Bartels
hatte Ende Dezember dem amerikanischen
S&P-500-Index Verluste von
15 Prozent für das erste Halbjahr 2012
vorhergesagt. Im Januar hatte der Index
aber drei Prozent gutgemacht.
Die DZ Bank hob am Freitag ihr
DAX-Ziel für August von 6250 Punkten
auf 6500 Zähler an, weil „der kurzfristige
Nachrichtenfluss positiv bleiben
dürfte“. Das aktuelle Niveau halten
die Analysten zudem für fair. „Bei
der Frage, was sich am politischen
und wirtschaftlichen Umfeld seit Dezember
grundlegend verändert hat,
fallen hauptsächlich das Thema Liquidität
sowie die Fortschritte bei den
Verhandlungen über den vielzitierten
Stabilitätspakt ins Auge.“
Ein paar Pessimisten sind jedoch
geblieben. 2011 hätten Investoren Risiken
abgebaut und ihren Aktienanteil
reduziert. Es gebe wenig Anzeichen
dafür, dass sie jetzt die Quoten wieder
hochfahren, schreiben Analysten von
HSBC. Und Joost van Leenders, Aktienstratege
von
BNP Paribas würde
„im Falle einer anhaltenden Kurserholung
eher dazu neigen, zu verkaufen“.
Dazu raten Strategen in der Regel,
wenn sie eine Überhitzung der
Kurse fürchten.
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