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European Value Investor Disziplin und Methodik sind entscheidend

[11:30, 17.06.11]

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Börsenprofessor Max Otte über die Prinzipien des Value Investing, seine Übertragung in die Anlagepraxis und welche Bewertungsmethoden der Börsenstar des Jahres 2009 und 2010 anwendet.


Max Otte ist Professor für qualitative und quantitative Unternehmensanalyse und -diagnose an der Karl-Franzens-Universität Graz sowie Professor an der FH Worms. Im Jahr 2006 wurde er durch seinen Bestseller „Der Crash kommt“, in dem er die Subprime-Krise voraussagte, bundesweit bekannt. Otte ist Gründer des IFVE Instituts für Vermögensentwicklung in Köln sowie Gründungsdirektor des Zentrums für Value-Investing e. V. Mit seinem PI Global Value Fund (WKN: A0N E9G) schlägt er seit Auflegung im März 2008 die Märkte um Längen. 2009 und 2010 wählten ihn die BÖRSE ONLINE-Leser zum Börsenstar des Jahres.

Herr Otte, wie kamen Sie zum Value-Investing?

Max Otte: Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich von Anfang an ein guter Investor gewesen bin. Geschichte und Philosophie haben mich eigentlich mehr interessiert. Aber ich bin Pragmatiker, studierte Volkswirtschaftslehre, BWL und später politische Ökonomie. In den 80ern habe ich während meiner Studentenzeit mit Aktien experimentiert, aber schnell das Interesse daran verloren. Michael Kelleher, ein Fonds- und Vermögensmanager, gab einen Kurs in Fi - nanz- und Aktienanalyse an der American University. Dort erhielt ich 1987 erste Impulse.

Wie haben Ihre akademischen Neigungen Ihnen geholfen?

Max Otte: Value-Investing begann, mich aus mehreren Gründen zu interessieren. Erstens, obwohl ich nicht besonders an Geld interessiert bin, ist es ganz schön, etwas mehr als das Gehalt eines Professors in der Tasche zu haben. Zweitens hat mich immer die Machtbalance zwischen Nationen, die Verteilung von Macht in der Gesellschaft sowie die Sicherheitspolitik interessiert. Geld ist Sicherheit und Macht, Value-Investing eine interessante, unkonventionelle, aber nicht konfrontative Methode, Geld zu verdienen. Wenn Sie das mit einem Interesse an der internationalen Wirtschaft, Branchendynamik und Unternehmensstrategie verbinden, haben Sie eine sehr potente Mischung.

Wann wurden Sie dann Value-Investor?

Max Otte: Ich gab Kurse in Management, internationaler Wirtschaft und Unternehmensfinanzierung. Außerdem startete ich verschiedene Unternehmen, da ich eine ausgeprägte unternehmerische Ader habe. Ende 1998 entdeckte ich den Finanzinformationsdienst Motley Fool und wollte dieses Konzept in Deutschland etablieren.

Und ist das gelungen?

Max Otte: Nicht so ganz. Nach turbulenten Zeiten in der New Economy habe ich jetzt zwar mehrere Unternehmen, die im Finanzbereich tätig sind. Aber wenn Sie nicht wie Warren Buffett mit dem Gen geboren sind, brauchen Sie ungefähr zwei Börsenzyklen, um sich die notwendige Disziplin und Methodik zu erarbeiten. Ich bin nun in meinem dritten Börsenzyklus, und die harte Arbeit zahlt sich aus. Ich glaube auch, dass der Erfolg mir einigermaßen treu bleiben wird, weil ich mir das Ganze sehr schwer verdient habe.

Was genau ist Value-Investing für Sie?

Max Otte: Benjamin Graham, der Gründer des Value- Investing, pflegte zwischen „Investment“ und „Spekulation“ zu unterscheiden. Spekulation ist nichts weiter als ein „Zock“, den man auf eine bestimmte Eingebung hin unternimmt. Investieren hingegen ist systematisches Arbeiten, systematische Analyse und Bewertung von Investitionschancen. Wenn Sie nach einer sorgfältigen Analyse zu dem Schluss kommen, dass Sie langfristig kein Geld mit diesem Investment verlieren werden und dazu eine angemessene Rendite erzielen, kaufen Sie.

 



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Wie funktioniert das in der Praxis?

Max Otte: Bruce Greenwald von der Columbia University, dessen Seminar ich in Europa lehren darf, hat den Investmentprozess in drei Schritte untergliedert: erstens eine Suchstrategie, zweitens robuste Bewertungsverfahren und drittens einen systematischen und disziplinierten Kauf- und Verkaufsprozess.

Wie starten Sie Ihren Suchprozess?

Max Otte: Normalerweise habe ich viel zu viele Ideen. Also ist die Herausforderung für mich eher, schlechte Ideen systematisch zu eliminieren, sodass die besten übrig bleiben. Weil meine Zeit begrenzt ist, versuche ich, mich auf das zu konzentrieren, was ich kenne. Ich habe ein ziemlich kleines Aktienuniversum, das ich genau beobachte. Ich lese Geschäftsberichte und habe eine Excel- Datenbank mit circa 150 Aktientiteln. Im Laufe der Zeit bekommt man ein Gefühl für bestimmte Aktien oder wann eine Aktie oder ein Sektor interessant wird und wann der Preis zu hoch ist. Außerdem schaue ich mir gerne Aktien mit einem sehr niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis oder die relativen Verlierer der vergangen fünf Jahre an. Das sind die billigen Unternehmen, bei denen es sich lohnt, weiterzuschauen.


 

© 2011 boerse-online.de, © Illustration: BÖRSE ONLINE/Bernd Bodtländer, Getty Images/Altrendo

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