Die Bewertung der globalen Aktienmärkte liegt unter dem historischen Niveau. Vor allem in Japan, aber auch in der Euro-Zone waren Dividendentitel seit 1970 selten günstiger als derzeit. Darauf macht das Private Wealth Management von
Goldman Sachs aufmerksam. Ein wenig anders sieht das Bild für die Vereinigten Staaten aus, wo die Aktienbewertung nicht derart günstig erscheint. Dafür hat Amerika ein anderes Plus: Es ist mit weniger Gegenwind konfrontiert als andere große Wirtschaftsregionen.
Der Bewertungsabschlag der Emerging Markets , der im Laufe des vergangenen Jahrzehnts zusehends geschrumpft war, hat sich zwar wieder auf knapp 22 Prozent gegenüber den USA vergrößert – eine Folge des jüngsten Ausverkaufs von Schwellenländer-Aktien. Er liegt aber noch unter dem langfristigen Durchschnitt von 26,5 Prozent. Daher hält es Rudolf Lang, Leiter des Private Wealth Management in Deutschland und Österreich, für zu früh, Emerging-Marktes-Aktien überzugewichten.
Das US-Wachstum halten die Goldman-Vermögensverwalter für gesund. Sie gehen von einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,5 bis 2,5 Prozent im laufenden Jahr aus. Die Inflation sei unter Kontrolle, auch in China, wo die Notenbank einen „sehr guten Job gemacht hat“. Europa sieht die Bank in einem rezessiven Umfeld. Es sei aber keine starke Rezession zu erwarten. Doch ganz sicher sind die Geldexperten nicht: Sie nennen als Hauptrisiko für 2012, dass die Rezession in der Euro-Zone tiefer als erwartet ausfällt. Die Gefahr eines Euro-Zerfalls treibt die Vermögensverwalter dagegen nicht übermäßig um. Europa habe genügend Handlungsoptionen, um die Euro-Schuldenkrise zu lösen.
In ihrer Basis-Vermögensallokation setzt die US-Bank nach wie vor auf Anleihen erster Qualität. Zwar wird diese Investmentkategorie aufgrund der niedrigen Renditen untergewichtet, macht aber noch immer stattliche 50 Prozent des empfohlenen Portfolios aus gegenüber 60 Prozent im strategischen Basisszenario. Goldman empfiehlt Investmentgrade-Anleihen freilich nicht als Renditeträger, sondern als Risikoausgleich. Zu solchen „Sleep-well-Anlagen“ zählt Vermögensmanager Lang vor allem Euro-Staatsanleihen erster Bonität, etwa Bundesanleihen, und US-Treasuries (mit Währungshedge): „Wir sehen US-Credit weiter als top an.“ Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte im vergangenen Jahr den Vereinigten Staaten in einem spektakulären Schritt die Bestnote AAA entzogen.
Globale Aktien werden um drei Prozentpunkte übergewichtet, ihr Anteil liegt jetzt bei 27 Prozent. Der Rest entfällt auf Hedgefonds und Private Equity, hochverzinsliche Unternehmensanleihen und Immobilien.
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