In der Biotechbranche bahnt sich eine Milliardenübernahme an. Der weltgrößte Biotechnologie-Konzern Amgen aus den USA will für 1,16 Mrd. Dollar den kleineren US-Rivalen Micromet schlucken und damit vor allem seine Krebsmedizinsparte stärken. Der Konzern werde den Micromet-Aktionären elf Dollar je Aktie in bar bieten, teilte Amgen am Donnerstag mit. Damit winkt den Micromet-Aktionären ein Aufschlag von rund einem Drittel auf den Schlusskurs vom Mittwoch. Die beiden Unternehmen arbeiten bereits seit vergangenem Jahr in der Onkologie zusammen.
Die in Rockville im US-Bundesstaat Maryland ansässige Micromet hat deutsche Wurzeln. Das Unternehmen wurde vor 19 Jahren in Deutschland gegründet und betreibt seine Forschung- und Entwicklung mit rund 200 Beschäftigten in Martinsried bei München. Die Führungsspitzen beider Unternehmen haben der Übernahme bereits zugestimmt.
Die Ankündigung trieb den Aktienkurs von Micromet an der US-Börse um 32 Prozent auf 10,93 Dollar in die Höhe. Amgen-Papiere büßten dagegen 1,6 Prozent auf 68,14 Dollar ein.
"Micromet ist in unseren Augen ein hervorragendes Forschungsunternehmen", sagte der Europa- und Australien-Chef von Amgen, Carsten Thiel, im Gespräch mit Reuters. Amgen sei auf Wachstumskurs. Neben dem Ausbau in den Schwellenländern seien auch strategische Übernahmen geplant. "Für uns ist natürlich auch wichtig, dass wir jetzt eine noch stärkere Präsenz in Deutschland haben", sagte Thiel. "Wir sind hochinteressiert, dass der Standort hier in Martinsried erhalten bleibt." Überschneidungen zwischen den beiden Unternehmen gebe es nicht. Amgen geht davon aus, die Übernahme noch im laufenden ersten Quartal dieses Jahres unter Dach und Fach zu haben.
Amgen erwirbt mit Micromet eine Antikörper-Technologie mit dem Namen "BiTE" und die dazugehörigen Rechte auf die fertigen Produkte. "Damit ergeben sich für uns große und breite klinische Anwendungsmöglichkeiten in der Zukunft in der Behandlung von Tumoren", sagte Thiel. BiTE-Antikörper sollen die T-Zellen im Abwehrsystem des Körpers darauf ausrichten, Tumorzellen anzugreifen. Der Micromet-Antikörper Blinatumomab steckt bereits in der zweiten Phase der klinischen zur Bekämpfung von Blutkrebs. Zudem laufen klinische Studien der Phase I mit der Substanz zur Behandlung von Lymphdrüsenkrebs. Drei Phasen der Erprobung am Menschen müssen neue Medikamente vor einer Zulassung bestehen. Micromet arbeitet mit mehreren großen Pharmakonzernen in der Medikamentenforschung zusammen, darunter der französische Pharmariese Sanofi und die deutschen Arzneimittelhersteller
Bayer, Boehringer Ingelheim und
Merck.
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