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Google Touristikbranche fürchtet Konkurrenz

[14:12, 05.07.10]


Der Internetsuchkonzern übernimmt den Softwareanbieter ITA. Reiseunternehmen befürchten einen Angriff auf ihr Kerngeschäft.


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Nach Zeitungen, Buchverlagen und Kartendiensten mischt Google jetzt die Touristikbranche auf. Nach der Übernahme des US-Flugdatenspezialisten ITA verfolgen die Reisefirmen aufmerksam, ob der übermächtige Websuchkonzern jetzt auch in ihren Markt einsteigen will. ITA analysiert Informationen wie Preise und Reisezeiten und überlässt diese Daten gegen Gebühr Fluggesellschaften und Reisewebseiten. Je nachdem, was Google vorhabe, könnte sich der Kauf zum "Affront gegen alle" auswachsen, sagte der Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR), Michael Buller. Für die Softwarefirma zahlt Google 700 Millionen Dollar (556 Millionen Euro), wie der Konzern in der Nacht zu Freitag bekannt gab.

Was genau Google mit ITA vorhat, ließ der Konzern offen. Gemeinsam könne man nun "neue Suchfunktionen entwickeln, die es dem Nutzer erleichtern, nach Flügen zu suchen, Konditionen und Tarife zu vergleichen und schnell auf die Seiten weiterzuleiten, auf denen die Kunden ihre Tickets kaufen können", teilte der Suchkonzern mit. Das Buchungssystem von ITA gilt in der Reisebranche als innovativ. Die Software nutzen unter anderem die US-Fluglinie  Continental Airlines, die Reiseonlineanbieter Kayak, Orbitz oder  Microsoft für seine Suchmaschine Bing.

Reisen gehören zu den häufigsten Suchbegriffen bei Google. Entsprechend hoch sind die Umsätze, die der Konzern durch Reiseanzeigen neben den Suchergebnissen erwirtschaftet. Analyst Sandeep Aggarwal von der US-Investmentbank Caris & Company schätzt, dass Google zehn bis zwölf Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt knapp 24 Milliarden Dollar durch reisebezogene Suchanfragen erlöst.

Konkurrenz bekam Google zuletzt durch Microsofts Reiseservice bei Bing. Der Softwarekonzern kaufte vor zwei Jahren das Reiseportal Farecast und integrierte den Dienst in die eigene Suchmaschine. Die Übernahme von ITA gilt daher als Antwort auf Microsofts Vorstoß. Konzernchef Eric Schmidt betonte, dass Google nicht vorhabe, selbst Flüge zu verkaufen. Schließlich haben die Touristiker als potente Werbekunden ein Druckmittel in der Hand. Allerdings ist der US-Internetkonzern dafür bekannt, Pläne zu revidieren. Als er vor Jahren ankündigte, Bücher zu digitalisieren, sollte es zunächst auch keinen eigenen Onlineshop für elektronische Bücher geben. Demnächst verkauft Google nun doch selbst E-Books über die Website.

Anders als der E-Book-Markt ist der Onlinereisemarkt bereits ein Milliardengeschäft. Immer mehr Anbieter tummeln sich im rasant wachsenden Segment. Neben den klassischen Veranstaltern wie  TUI gibt es auch zahlreiche Mittler, wie Expedia.de, die eine Reihe von Angeboten vergleichen. Sie verdienen vor allem über Provisionen, aber auch über Werbung ihr Geld. Darüber hinaus haben sich vor allem im Flugbereich sogenannte Metasuchmaschinen etabliert, die wiederum die Angebote mehrerer Suchmaschinen vergleichen. Weltmarktführer ist der US-Konzern Kayak, der jährlich einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag umsetzt - und kürzlich den deutschen Anbieter Swoodoo gekauft hatte.

Sollte Google die ITA-Software auf seiner Seite integrieren, schadet dies am ehesten solchen Metasuchmaschinen. Nicht zuletzt deshalb soll ein Käuferkonsortium um Kayak und Expedia ebenfalls für ITA geboten haben. Theoretisch könnte Google dann die wichtigen Rankings zugunsten seiner eigenen Angebote beeinflussen. Außerdem könnte es andere Dienste wie etwa Kayak überflüssig machen. "Wir haben jetzt einen neuen Wettbewerber, den wir ernst nehmen", sagte Christian Saller, der Geschäftsführer der deutschen Tochter Swoodoo, der FTD. "Es wäre uns natürlich lieber gewesen, das wäre nicht passiert, aber die Übernahme wird uns nicht in unserer Existenz bedrohen", sagte der Manager und verwies auf Produktvergleichsseiten wie Idealo.de, die sich im Markt behaupten, obwohl Google einen ähnlichen Dienst anbieten.

Auch Kayak nutzt derzeit die ITA-Software. Ein Vertrag, der noch auf mehrere Jahre angelegt ist, sei von der Übernahme nicht betroffen, hieß es. Allerdings führt das Unternehmen parallel Verhandlungen mit Expedias Anbieter Best Fare Search.

Aufmerksam verfolgt die Branche nun, was Google macht. Der Konzern will zuerst eine Prüfung der US-Wettbewerbshüter abwarten, ehe er Pläne umsetzt. Experten rechnen damit, dass die Behörden die Übernahme genehmigen werden.


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© 2010 ftd, © Illustration: dpa

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