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HTC Anschluss gesucht

[10:15, 10.02.10]


HTC tut sich schwer im Massenmarkt. Der Absatz schwächelt, Rivalen ziehen davon. Nun kauft der Smartphone-Hersteller Aktien zurück – um den Kursrutsch zu bremsen.


Rückblende: Peter Chou ist bestens gelaunt. Der Chef des taiwanischen Smartphone-Herstellers HTC präsentiert auf dem Mobile World Congress in Barcelona in einem hoffnungslos überfüllten Pavillon seine neuesten Mobiltelefone. "Super, oder?", fragt Chou die Gäste - und schenkt Sekt aus. HTC ist im Massenmarkt angekommen - genau da beginnt das Problem.

Ein Jahr später hat Chou die Realität eingeholt: HTC verliert den Anschluss an seine Wettbewerber. Die Taiwaner können den astronomischen Wachstumsraten von Apple,  Nokia und Samsung nichts entgegensetzen: Laut den Analysten von Canalys sinkt der globale Marktanteil von HTC bei Touchscreen-Smartphones innerhalb eines Jahres von 20 auf rund 10 Prozent. Von den fünf größten Smartphone-Herstellern erzielt HTC der Marktforschungsfirma IDC zufolge im vierten Quartal 2009 das mit Abstand schwächste Absatzplus. Der Aktienkurs von HTC ist seit Juni um mehr als 40 Prozent abgestürzt - so stark wie bei keinem anderen großen Smartphone-Produzenten. Der Umsatz des Unternehmens fiel 2009 um fünf Prozent auf 144,88 Milliarden Taiwan-Dollar (3,29 Milliarden Euro).

HTC müsse den Preis seiner Mobiltelefone um bis zu 40 Prozent senken, um den Marktanteil auszubauen - Gerüchte wie dieses verunsichern die Anleger. Die Taiwaner reagieren: Das Unternehmen kündigte gestern einen Aktienrückkauf über umgerechnet 230 Millionen Dollar an. Offenbar fehlt der Firma eine Alternative, um den Kurs zu stabilisieren. "HTC hat keine andere Wahl", sagt Analystin Bonnie Chang von Yuanta Securities. "Investoren verlieren sehr schnell Vertrauen in das Unternehmen, vor allem wegen des steigenden Wettbewerbs."

Jahrelang hat HTC in einer Nische agiert - die Firma konzentrierte sich auf teure Smartphones. Bis Apple mit seinem iPhone 2007 den Markt durcheinanderwirbelte. Der auf Geschäftskunden fokussierte Rivale Research In Motion nimmt nun ebenfalls Endnutzer ins Visier, große Handyproduzenten folgen dem Smartphone-Trend. Auch PC-Hersteller wie Acer,  Dell und Lenovo setzen inzwischen auf die leistungsfähigen Mobiltelefone.

HTC war lange als Auftragsfertiger tätig, der Firmenname ist daher längst nicht so etabliert wie der von Wettbewerbern. "Wir müssen unsere Marke erst aufbauen - vor allem bei Smartphones unter 200 Euro", sagt einer aus dem Unternehmen.

Wenigstens in der Fachwelt ist HTC bekannt. Am Dienstag wird der Pavillon auf dem weltgrößten Branchentreffen in Barcelona erneut überfüllt sein. Die Taiwaner haben bereits damit begonnen, Journalisten aus Platzgründen von der Pressekonferenz wieder auszuladen.


 

© 2010 ftd, © Illustration: boerse-online.de

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